Kampf gegen Waldbrände - Das Hightech-Fahrzeug der Feuerwehr Brüggen
Bildquelle: WDR/ Julius Herrmann02:39 Min.. Verfügbar bis 14.07.2027.
Mehrere Tage kämpften die Feuerwehrleute aus den Niederlanden und Deutschland im April 2020 gemeinsam gegen die Flammen an. Im Nationalpark "De Meinweg" und im Grenzgebiet zu Deutschland hatte sich ein Feuer ausgebreitet, dass die Beteiligten völlig überraschte.
Problem: Gelände nicht zugänglich
Das Problem: Für die Feuerwehrfahrzeuge war das Gebiet nicht zugänglich. Also mussten die Feuerwehrleute selbst vorrücken - mit 20-Liter-Löschrucksäcken. Am Ende konnte der Brand zwar gelöscht werden, aber 200 Hektar Wald waren zerstört.
Nach dem Brand zog der Kreis Viersen Bilanz: wie in vielen ländlichen Regionen von NRW gab es ein Defizit bei der Bekämpfung von Waldbränden - Brände, die durch den Klimawandel immer gefährlicher werden. Die Lösung in Viersen: Ein neues Löschfahrzeug.
Lösung: Löschfahrzeug besser angepasst
TLF-3000 heißt das neue Löschfahrzeug der freiwilligen Feuerwehren in Brüggen und Niederkrüchten. Speziell konzeptioniert und produziert. Kostenpunkt rund 430.000 Euro.
3000 Liter Wasser kann das Fahrzeug tanken und in kurzer Zeit aussprühen. Über eine große Wasserkanone kann das Fahrzeug mehrere Bäume in Wasser hüllen, gesteuert über einen Joystick im Fahrzeug. Mit an Bord außerdem eine Menge Ausrüstung: Wärmebildkamera, Motorsägen, Atemschutzmasken, Löschschläuche.
Wasserdüsen ringsum schützen das Auto
Das Einzigartige am Fahrzeug sind jedoch die speziellen Düsen rund um das Auto. Mit einem Knopfdruck wird das ganze Auto ringsum in einen Wassernebel gehüllt und gegen Flammen geschützt: die Front, die Seiten, sogar die Reifen werden besprenkelt. Von innen sind die Reifen zusätzlich mit einem Schaum gefüllt, der das Stehen bleiben verhindert.
Das Löschfahrzeug kann seine Reifen selbst mit Wasser besprenkeln
Bildquelle: WDR/ Julius HerrmannDas Auto schützt sich selbst und seine Insassen. So kann es auch große Waldbrände bekämpfen. Außerdem kann es Wasser bis zu 90 Zentimeter Tiefe durchqueren. Laut Thomas Metzer, stellvertretender Kreisbrandmeister im Kreis Viersen, ist das in NRW ein Alleinstellungsmerkmal.
Forderung: Bessere Infrastruktur
Nur zwei von 18 befragten Kreisen und kreisfreien Städten in NRW fühlen sich personell und technisch ausreichend gerüstet für Waldbrände. Der Kreis Viersen gehörte mit seinem Wald-Anteil von unter 20 Prozent zwar nicht zu den Befragten, hat aber trotzdem "aufgerüstet".
Kreisbrandmeister Thomas Metzer weiß, wie wichtig eine bessere Infrastruktur rund um den Einsatz von Wasser ist: benötigt werden spezielle Wasserbehältnisse für den Transport von viel Wasser über längere Wegstrecken, sagt er. Auch dafür entwickeln Feuerwehren Lösungen - in Schöppingen im Münsterland etwa nutzt die Feuerwehr einen umgebauten Tankwagen und eine Art Pool, der wie ein mobiler See funktioniert.
Einen erfolgreichen Waldbrand-Einsatz gab es für das TLF-3000 auch schon: Am 7. April 2025 in Birgelen im Kreis Heinsberg - fast auf den Tag fünf Jahre nach dem großen Feuer im Grenzgebiet.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Feuerwehr Brüggen
- Thomas Metzer, stellvertretender Kreisbrandmeister des Kreises Viersen
- Westpol-Recherche bei 18 Kreisen und kreisfreien Städten in NRW mit mehr als 20 Prozent Wald