Foto-Touristen stören im Naturschutzgebiet Uhus bei der Brut
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 08.07.2028.
Fürs perfekte Foto : Hobby-Fotografen stören Uhu-Küken im Brachter Wald
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Der Brachter Wald bei Brüggen ist ein Rückzugsgebiet für viele seltene Tierarten, unter anderem Uhus und andere Eulen. Das lockt zunehmend auch Hobby-Tierfotografen, die den Vögeln massiv auf die Pelle rücken. Ehrenamtliche Naturschutz-Wächter des Kreises Viersen sehen das Naturparadies an der niederländischen Grenze bedroht.
Hören kann man ihn gelegentlich. "Huhu" schallt es dann durch den Brachter Wald bei Brüggen an der niederländischen Grenze. Aber gesehen haben die ehrenamtlichen Naturschutz-Wächter Antonius Kiwall und Frank Seifert den Uhu schon länger nicht mehr. Und auch seinen Nachwuchs nicht.
"Vermutlich sind die jungen Uhus tot", sagt Antonius Kiwall. Und nennt auch den Grund: die Dauer-Belagerung durch rücksichtslose Bilderjäger, also Tierfotografen.
Naturschützer achten auf Tiere und Pflanzen
Kiwall und Seifert kümmern sich ehrenamtlich für die Naturschutzbehörde des Kreises Viersen um das Naturschutzgebiet Brachter Wald, das sich längs der Grenze zu den Niederlanden erstreckt. Sie achten darauf, dass sich die Waldbesucher korrekt verhalten, haben Tiere und Pflanzen im Blick und schreiten auch mal ein.
Die Naturschutz-Wächter Antonius Kiwall (l.) und Frank Seifert beim Kreis Viersen beklagen die zunehmende Rücksichtslosigkeit von Waldbesuchern.
"Vor einigen Wochen habe ich nach den jungen Uhus geschaut und sah einen ganzen Pulk von Fotografen, die im Kreis ganz nah um die auf dem Waldweg sitzenden, noch flugunfähigen Jungvögel herumstanden und knipsten. Die wussten wohl gar nicht, in welchen Stress sie die Küken versetzen, und auch die Uhu-Eltern", erzählt Antonius Kiwall.
Junge Uhus im Brachter Wald sind verschwunden
Seitdem kursieren Fotos von den jungen Uhus in den Sozialen Medien im Internet, aber die Vögel im Brachter Wald sind verschwunden. Antonius Kiwall ist sich sicher, dass die alten Uhus ihren Nachwuchs getötet und gefressen haben - gestresst von all den Menschen, die die Jungvögel belagerten und damit auch verhinderten, dass die alten Uhus ihre Brut in Ruhe füttern konnten.
"Manche Tierarten tun sowas", sagt Kiwall, "wenn ihr Instinkt ihnen sagt, dass sie ihre Brut nicht durchbekommen". Aber nicht nur die Fotoliebhaber nerven zunehmend im Naturschutzgebiet. Auch mancher Hundebesitzer ist wenig einsichtig, wenn die Naturschutz-Wächter ihn darauf hinweisen, dass Hunde dort unbedingt angeleint werden müssen.
Symbolfoto von zwei Uhu-Küken
"Viele Vögel brüten auf der Erde, manchmal direkt neben den Wegen, und manche Eule zieht ihre Jungvögel ebenfalls auf dem Boden groß", sagt Frank Seifert, der sich auch bei der Greifvogelhilfe Rheinland in Brüggen engagiert. Erst kürzlich habe er eine junge Waldohreule gesund gepflegt, die ein streunender Hund am Flügel verletzt hatte, zwei weitere junge Eulen wurden von dem Hund tot gebissen.
Klare Regeln für den Aufenthalt im Naturschutzgebiet bei Brüggen
Der Brachter Wald bei Brüggen ist Naturschutzgebiet und Rückzugsort für viele seltene Tier- und Pflanzenarten.
So etwas dürfe nicht passieren, sagen die beiden ehrenamtlichen Naturschutz-Wächter. Für den Aufenthalt im Naturschutzgebiet gebe es klare Regeln und die könne sich jeder merken: die Wege nicht verlassen, Hund anleinen, wilden Tieren nicht zu nahekommen, nichts aufsammeln und mitnehmen und auch nichts dalassen.
Jagd nach spektakulären Bildern für Social Media
"Sich entsprechend zu verhalten, ist ein Ausdruck von Respekt vor der Natur", sagt Antonius Kiwall, der die aktuelle Jagd nach spektakulären Bildern für Instagram und Co. für eine neue Pest hält, zumal ja im Internet auch die Orte für die schönsten Aufnahmen geteilt würden und noch mehr Leute in den Wald lockten.
"Im nächsten Jahr werden wir den Weg zu dem Ort, wo die Uhus brüten, möglicherweise sperren, wenn hier wieder so ein Ansturm ist", sagen die Naturschutz-Wächter. Damit wir nicht noch eine Generation der schönen Vögel verlieren.
Unsere Quellen:
- Hintergrundgespräche mit Antonius Kiwall und Frank Seifert, Naturschutzwächter beim Kreis Viersen
- Beobachtungen des Reporters im Brachter Wald bei Brüggen
- Greifvogelhilfe Rheinland in Brüggen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 08.07.2026, 19:30 Uhr