"Das ist Wahnsinn, was dabei rumgekommen ist", sagt Ramona Bosse und denkt kurz nach, "es gibt uns einfach etwas finanzielle Sicherheit, dass wir alles tun können für sie, sobald sie zurück kommt." Seit Tagen denkt Bosse pausenlos an ihre Schwester Maria, die weit entfernt von Ostwestfalen-Lippe im Krankenhaus in Italien liegt. Nach einem schweren Unfall mit dem Wohnmobil hat die Familie große Zukunftssorgen, spürt aber auch viel Unterstützung.
Kurz nach dem Beginn der Sommerferien bricht die Familie aus Schloß Neuhaus im Kreis Paderborn auf. Mit dem Wohnmobil geht es nach Italien: Neben Maria sind ihr Mann Dominik und die vier Jahre alten Zwillinge an Bord. In der Nähe von Parma kommt es zu einem schweren Unfall. Das Wohnmobil ist auf Fotos kaum noch zu erkennen.
"Es grenzt wirklich an ein Wunder, dass überhaupt jemand da rausgekommen ist", sagt Ramona Bosse und blickt auf die Fotos. Der Vater und die Zwillinge überstehen den Unfall beinahe unversehrt. Die Kinder werden von Verwandten abgeholt und nach Deutschland zurück gebracht. Die Mutter wird schwer verletzt, ihr muss ein Bein amputiert werden. Zwei Wochen lang liegt sie im Koma.
Die ersten Tage nach dem Unfall
Für die Familie beginnt mit dem schweren Unfall ein Ausnahmezustand: Einige Angehörige reisen nach Italien, um Maria im Krankenhaus zu besuchen. Andere betreuen die Zwillinge in der Heimat. Ramona Bosse startet zudem eine Spendenaktion für ihre Schwester. Nach wenigen Tagen sind bereits mehr als 23.000 Euro zusammen gekommen.
Die Kampagne läuft online, doch die Angehörigen verteilen auch Flyer in Läden und Geschäften. Auch der älteste Bruder Björn Rüther hilft dabei mit und legt Flyer in eine Bäckerei in Bad Lippspringe: "Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Unterstützung gibt, das begeistert mich. Ich hoffe das Beste für mein Schwesterherz!" Auch auf dem Libori-Volksfest in Paderborn und dem Annentag in Brakel wurden Flyer verteilt.
Existenzangst nach dem Unfall
Das Geld will die Familie nach eigenen Angaben für eventuelle Umbauten in der Wohnung nutzen, für drohende Verdienstausfälle, die aufwändigen Krankenhausbesuche in Italien oder zusätzliche Kinderbetreuung. Auch der Rücktransport aus Italien nach OWL ist ein Thema: "Sie muss zurück transportiert werden, was leider nicht über den Schutzbrief abgesichert ist", erklärt Ramona Bosse.
"Ich glaube, dass es nur funktioniert, weil alle funktionieren. Jeder hat seinen Part." Ramona Bosse
Die finanziellen Sorgen sind nach dem Schicksalsschlag groß. Wie viel Geld tatsächlich nötig ist, sei gerade noch gar nicht wirklich absehbar. "Das ist das Schlimmste", erzählt Ramona Bosse in Bad Lippspringe. Mut macht ihr aber der Zusammenhalt der beiden Familien: "Das ist ein Funken Hoffnung, wir tun alles für sie", sagt Bosse, "das bedeutet eine ganze Menge."
Erste gute Nachrichten aus Italien
Täglich telefonieren die Angehörigen. Zweimal am Tag sind Besuche im italienischen Krankenhaus möglich. Zwei Wochen nach dem schweren Unfall kommen jetzt endlich gute Nachrichten aus dem Krankenhaus: Die Ärzte haben damit begonnen, Maria aus dem Koma zu holen: "Sie ist wach", freut sich ihre ältere Schwester Ramona Bosse. Zwar sei es noch ein langer Weg, betont die Schwester in Bad Lippspringe, aber "heute ist ein toller Tag."
Unsere Quellen:
- Gespräche mit Ramona Bosse und Familie
- Spendenaktion GoFundMe
- Recherchen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Familie sammelt mehr als 23.000 Euro Spenden, 04.08.2026, 05:01 Uhr