Aktion gegen tödliche Unfälle an Bahnübergängen im Rhein-Sieg-Kreis
Bildquelle: Christoph Hensgen/WDRLokalzeit aus Bonn. 03.02.2026. 2 Min. 34 Sek.. Verfügbar bis 03.02.2028. WDR. Von Christoph Alexander Hensgen.
Aktion gegen tödliche Unfälle an Bahnübergängen im Rhein-Sieg-Kreis
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Vier Menschen sind letztes Jahr im Rhein-Sieg-Kreis gestorben, weil sie die Gleise trotz geschlossener Schranken überqueren wollten. Am Dienstag hat die Polizei eine Aktion gestartet, um auf die Gefahren an Bahnübergängen aufmerksam zu machen.
"Bleib stehen, bleib am Leben!" heißt die Aktion. Mit ihr will die Polizei die Menschen zum bewussten Warten an geschlossenen Schranken bringen.
Wir sind in Eile, gedanklich schon beim nächsten Termin - schnell übersehen wir Warnsignale oder unterschätzen sie. "Es ist ein Appell, der bewusst einfach und klar formuliert ist", sagt Landrat Sebastian Schuster beim Pressetermin am Nachmittag in Hennef. "Eine kleine, aber eindringliche Erinnerung im Alltag. Denn Unachtsamkeit kann schnell fatale Folgen haben."
Motto wird an jeden Bahnübergang gesprüht
Es ist eine Botschaft, die jeder sehen soll: Nach und nach wird das Motto an jedem Bahnübergang im Kreis mit Sprühkreide und Schablone auf den Gehweg kommen. Je nach Wetter hält das dann einige Wochen. "Und wenn die Kreise verblassen, sprühen wir nach", versichert der Landrat.
Der erste Schriftzug wurde am Dienstag in Hennef auf den Asphalt gesprüht. An einem Bahnübergang, an dem erst im November ein 68-jähriger Mann von einer S-Bahn erfasst und tödlich verletzt wurde.
Damals war Thomas Weckbecker als Notfallseelsorger im Einsatz und vor Ort. "Der Zugführer hat damals sofort gesagt, dass das ein Unfall war", erinnert sich Weckbecker. "Der Mann habe ihn nicht angeschaut - anders als die Menschen, die in der Vergangenheit in suizidaler Absicht vor ihm auf die Gleise getreten waren."
Notfallseelsorger: Ein Unfall, sehr viele Betroffene
Neben den Unfall-Opfern selbst würde es immer sehr viele Betroffene geben, sagt der Notfallseelsorger. Das Zugpersonal, die Fahrgäste, Augenzeugen, Einsatzkräfte. "Und immer auch Menschen, denen man mitteilen muss, dass einer ihrer Angehörigen verstorben ist. Auch diese Menschen brauchen Betreuung, Begleitung."
Tödliche Unfälle vor Bahnübergängen sollen durch die Aktion verhindert werden.
Bildquelle: Christoph Hensgen/WDRDie Stimmung vor Ort sei meistens eher ruhig. "Man hat das Gefühl, es ist alles für einen Moment stehen geblieben", sagt Weckbecker. "Es sind zwar viele Menschen da, die viele Dinge tun und trotzdem ist eine Unfallstelle oft wie ein eingefrorener Moment. Man merkt, dass alles andere einen Moment stehen bleibt."
Feuerwehrmann: Stellen uns die Frage nach dem Warum
Auch in Hennef, an einem anderen Übergang ganz in der Nähe, ist vergangenes Jahr eine Frau tödlich verunglückt. Und in Eitorf ein Paar, das trotz geschlossener Schranken die Gleise überquerte. Dort treffen wir Jürgen Bensberg, Leiter der Eitorfer Feuerwehr. Er war mit seinen Kollegen damals im Einsatz.
"Solche Unfälle machen uns nachdenklich", sagt Bensberg. "Diese Bahnübergänge sind gesichert. Wenn ich mich an die Regeln halte, dann passiert nichts. Man stellt sich sehr häufig die Frage nach dem Warum."
Unachtsamkeit kann fatale Folgen haben
Landrat Sebastian Schuster (l.) will den Schriftzug regelmäßig nachsprühen lassen.
Bildquelle: Christoph Hensgen/WDRNeben der Prävention will die Polizei auch verstärkt Verstöße kontrollieren. Und die können teuer werden. Das bekommt eine junge Frau zu spüren. Sie muss 350 Euro bezahlen, weil sie während des Pressetermins in Hennef vor den Augen mehrerer Polizisten bei geschlossenen Halbschranken und Roter Ampel über die Gleise geht. Kaum hat sie die andere Seite erreicht, donnert hinter ihr eine S-Bahn entlang.
Ein Beispiel, das zeigt, wie wichtig und nötig die Aktion der Polizei offenbar ist. Das meint auch Notfallseelsorger Thomas Weckbecker: "Denn der Zug gewinnt. Er bringt mehr Geschwindigkeit und mehr Gewicht mit."
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Polizei Rhein-Sieg-Kreis
- Gespräch mit Landrat Sebastian Schuster
- Gespräch mit Notfallseelsorger Thomas Weckbecker
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 03.02.2026, 19.30 Uhr
Sendung: WDR 2 Rheinland, Lokalzeit, 03.02.2026, 10.31 Uhr