Kölner expandiert trotz wirtschaftlich schlechten Zeiten
Bildquelle: WDR/Sabine BüttnerWDR. 3 Min. 51 Sek.. Verfügbar bis 14.08.2028.
Viel Stahl und Industriecharme, eine 13 Meter hohe Decke – die Halle im Carlswerk im rechtsrheinischen Kölner Stadtteil Mülheim ist ein Ort mit Geschichte. Jetzt beginnt hier ein neues Kapitel für Nachwuchsbäcker Alex Onasch. Der 34-Jährige hat hier seine neue Backstube eröffnet. In einer Zeit, in der viele in Handwerk und Wirtschaft über schwierige Bedingungen, hohe Rohstoffpreise und Lieferprobleme klagen, expandiert er.
Ein Wagnis, sagt er, das er aber eingehen wollte: "Das hier könnte auch mein Sargnagel sein. Es ist ein Risiko, aber über die letzten Jahre waren meine Zahlen waren eigentlich immer alle gut. Und ich denke, dass auch der Markt noch da ist."
Bislang hat der Bäckermeister in einer Backstube im Belgischen Viertel gebacken - doch der Platz reichte einfach nicht mehr. Im Belgischen und in seiner zweiten Filiale im Stadtteil Lindenthal lief der Verkauf so gut, dass er sich entschied, eine größere Backstube zu suchen.
Sechs Meter hoher Ofen im Carlswerk: Kölner Bäcker startet ab 6 Uhr
Die Teiglinge gehen über Nacht - der Arbeitstag beginnt so erst um 6 Uhr.
Bildquelle: WDR/Sabine BüttnerFündig wurde er in Köln-Mülheim. Gut ein Jahr liefen dann die Umbauarbeiten. Jetzt ist die Halle Backstube, Verkaufsraum und Bürogebäude in einem. Herzstück ist der sechs Meter hohe Ofen: "Dieser Ofen löst mir viele Probleme", erzählt Onasch", "denn er holt mich komplett aus der Nachtarbeit raus. Um 6 oder 7 Uhr fangen wir erst an."
Kölner Bäcker zeigt, warum es kein Nachtberuf sein muss
Modernes Arbeitsumfeld, keine Nachtschicht - Vorteile für Bäcker Bernd Eiden (links) und die anderen im Team.
Bildquelle: WDR/Sabine BüttnerDas besondere Konzept der Bäckerei macht`s möglich: Hier gibt es ausschließlich Brot - keine Brötchen, keine Croissants oder Teilchen. Und: Onasch und sein Team bereiten die Teiglinge jeweils am Vortag zu. Morgens werden sie dann nur noch abgebacken, beschreibt er:
"So kann ich eine moderne Bäckerei entwickeln, ohne zu sagen: Du musst um 23 Uhr in die Backstube und hast um 11 Uhr Feierabend." Alex Onasch, Bäcker
Fachkräftemangel ist hier kein Problem
Früher Schwerindustrie, heute Backstube: Mehr als ein Jahr wurde die Halle im Carlswerk umgebaut.
Bildquelle: WDR/Sabine BüttnerAuch Mitarbeiter Bernd Eiden ist vom Konzept überzeugt: "Das ist sehr gut, dass man länger ausschlafen kann - und entspannter für den ganzen Tag mit Familie", so der Bäcker, "Ich habe lange Nachtschicht gehabt. Es war dann irgendwann auch mal gut, denn es ist schon sehr anstrengend." Einen Fachkräftemangel, von dem viele im Handwerk berichten, kennt Onasch nicht: Er habe immer genug Bewerbungen. Inzwischen hat Onasch 30 Beschäftigte, davon zehn Vollzeitbäcker.
Verkauft werden die Brote zu Preisen zwischen 3,30 und 6,50 Euro - viele Kunden sagen uns, sie finden das für die Qualität der Ware angemessen. Der Preis sei so wie zum Beispiel in einem Bioladen, findet eine Kundin in der Filiale in Lindenthal; ein Mann sagt, ihm sei wichtig, handwerklich gemachte Ware zu kaufen.
Kölner Bäcker wünscht sich noch Filiale in der Südstadt
Alle drei Filialen beliefert Bäcker Alex Onasch nun mithilfe seiner neuen Backstube im Carlswerk - für den Kölner Bäckermeister ein neuer Abschnitt. Einen weiteren großen Traum hat er aber noch: Eine Filiale in der Kölner Südstadt, am liebsten mitten auf der Severinstraße.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Alex Onasch und Team
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 13.08.2026, 19:30 Uhr
