Dieter Holthaus sitzt mit einer speziellen Brille vor dem Laptop

Sehbehinderter Ratsherr in Dinslaken kämpft um Barrierefreiheit

Stand:

Dieter Holthaus fordert einen barrierefreien Zugang zu Ratsunterlagen. Der Dinslakener Ratsherr hat eine schwere Sehbehinderung.

Von Petra Vennebusch

Dieter Holthaus sitzt zuhause vor einem großen Monitor. Er bereitet seine Rede für den Rat vor. Aus dem Lautsprecher klingt sein Text: "Grundrechte gelten unmittelbar und ausnahmslos." Die Vorlesefunktion des Programms erleichtert ihm die Arbeit. Er kann nur noch schemenhaft und verschwommen sehen. Um ihn herum liegen jede Menge technische Hilfen: Lupen, Lesegerät, Laptop mit Spezialfunktionen. Aber leider helfen die nicht immer.

Stress in den Ratssitzungen

Im Ratsinformationssystem gibt es immer noch zu viele Stolpersteine, vor allem während der Ratssitzungen. "Hier ist ein typisches Beispiel, die Gliederung der Vorlagen, die ich nicht vergrößern kann", erzählt der 70-Jährige. Fast berührt seine Nasenspitze das Display des Laptops. "Für mich bedeutet das Stress vor allem während laufender Sitzungen, wenn noch kurzfristig neue Vorlagen hereinkommen."

Dieter Holthaus liest am Laptop einen Text in großer Schrift

Große Schrift erleichtert Dieter Holthaus die Arbeit

Bildquelle: WDR / Petra Vennebusch

Stress der nicht sein müsste, wenn alles barrierefrei wäre. Er hat Ratssitzungen schon unterbrechen müssen, damit er auch kurzfristig eingebrachte Vorlagen lesen konnte. Unangenehm für ihn und die anderen Abgeordneten. Seit fünf Jahre sitzt er für Die Linke im Dinslakener Stadtrat. Doch das Ehrenamt wird ihm erschwert. Dabei wäre es aus seiner Sicht technisch möglich die Dokumente für ihn noch besser lesbar zu machen. "Ich möchte nicht an meiner Behinderung gemessen werden, sondern an dem was ich tue und auch für Menschen tue", sagt der ehemalige Sozialarbeiter und Behindertenbeauftragte der Stadt Dinslaken.

Stadt sieht keine absolute Pflicht

Die Stadt hat in den vergangenen Jahren auch schon einiges getan, um Homepage und Ratsinformationssystem barriereärmer zu machen, sieht aber keine absolute Pflicht die Barrierefreiheit "um jeden Preis" sicherzustellen. Dokumente im Ratsinformationssystem würden möglichst barrierefrei, rechtzeitig und vollständig zur Verfügung gestellt, soweit dies technisch möglich und verhältnismäßig sei. "Damit erfüllt die Stadt Dinslaken grundsätzlich die gesetzlichen Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes NRW und der Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung NRW", so ein Sprecher der Stadt.

Linke prüft rechtliche Schritte

Der Linken im Rat reicht das nicht. Sie hat einen Antrag eingereicht für komplette Barrierefreiheit im Ratsinformationssystem und auch auf der Homepage der Stadt. Sollten die Ratsmitglieder nicht zustimmen, will Die Linke rechtliche Schritte prüfen. "Wir haben eine Rechtsanwaltskanzlei gefunden, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema beschäftigt", erzählt Detlef Fugh. Er ist Sprecher des Stadtverbandes der Linken in Dinslaken. Auch Dieter Holthaus will weiter kämpfen für sich, aber vor allem für andere Menschen mit Behinderungen.

Unsere Quellen:

  • Dieter Holthaus
  • Die Linke Dinslaken
  • Stadt Dinslaken

Über dieses Thema berichten wir am 24.06.2025 auch im Fernsehen - WDR Lokalzeit aus Duisburg ab 19:30 Uhr.

Weitere Beiträge aus dem Rheinland

1 / 2