Kommunalpolitik in NRW. Immer weniger wollen mitmachen
Lokalzeit aus Bonn. 12.09.2025. 02:22 Min.. Verfügbar bis 12.09.2027. WDR. Von Tobias al Shomer.
Kommunalpolitik in NRW: Immer weniger wollen mitmachen
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In Blankenheim und Dahlem im Kreis Euskirchen gibt es nur eine Person auf dem Stimmzettel der Bürgermeisterwahl am Sonntag. Andere Bewerber gibt es nicht. Das ist kein Einzelfall. In 56 Kommunen in NRW ist das so. Es ist ein Alarmzeichen, denn Kommunalpolitik ist das Wurzelwerk der Demokratie- sagt CDU-Politik-Rentner Wolfgang Bosbach. Unser Thema im Lokalzeit Stadtgespräch aus Bonn.
In Metropolen wie Bonn sieht es noch vergleichsweise gut aus. Ein Blick in den 66 Mitglieder starken Stadtrat zeigt aber auch, dass Nachwuchs hier nur selten zu finden ist. Immer weniger wollen sich das Ehrenamt Stadtrat antun. Als wir bei Studierenden an der Universität Bonn nachfragen, sind Zeit und inhaltliche Überforderung häufige Antworten. Da wirkliche Veränderungen zu bewirken, ist schwierig und das finde ich schade, sagt einer.
Es gibt deutlichen Nachwuchs-Mangel
Der Rhein-Sieg-Kreis umfasst Bonn. Hier treten in vielen Gemeinden die Bürgermeister nicht mehr an. Bornheim ist so ein Fall. Max Grosche ist da im Ortsverband der FDP aktiv und er sagt, dass es schon an Nachwuchs mangele. Kaum einer im Stadtrat sei unter 25. Es gebe viele 50jährige, aber Schüler, Auszubildende und Studenten seien Mangelware.
Bei einer FDP-Veranstaltung in Lohmar sitzen Ex-Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) und Wolfgang Bosbach (CDU). Beide machen die Verrohung des politischen Diskurses verantwortlich für die sinkende Bereitschaft, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren.
"Heute geht’s in zu vielen Fällen bei Kritik nicht um die Sache, sondern um die Person. Da werden die Personen angegriffen und niedergemacht und da sagen eben viele: das tue ich mir nicht an", erklärt Wolfgang Bosbach. Wolfgang Kubicki ergänzt: "Nur wenn wir uns wechselseitig respektieren als Menschen, auch wenn wir unterschiedlicher Auffassung sind, können wir wieder dazu beitragen, dass Menschen sich stärker engagieren als bisher."
Vereinbarkeit von Familie und Politik
Welche Möglichkeiten kommunalpolitisches Engagement bietet, weiß Tim Achtermeyer von den Grünen aus Bonn. Vor 10 Jahren hat ihn die Lokalzeit Bonn da noch beim Bürgermeister-Wahlkampf begleitet - als Wahlhelfer. Inzwischen ist er Landesvorsitzender seiner Partei. Er will, dass Kommunalpolitik wieder attraktiver wird. "Ich glaub, wir müssen schon über das Thema Vereinbarkeit reden. Wenn man kleine Kinder hat, dann ist es extrem schwer, Kommunalpolitik zu machen und eigentlich soll Kommunalpolitik möglich für alle sein und deswegen geht’s da um Familienfreundlichkeit, um Zeiten, um Dauer und da können wir glaube ich alle ein bisschen besser werden", erläutert Achtermeyer.
Komunalwahlkampf in NRW
In Bonn haben sie erste Schritte unternommen. Stadtrat Peter Kox (SPD) berichtet, dass sie in der letzten Ratssitzung vor der Wahl noch beschlossen haben, dass die Verwaltung prüfen soll, ob Kinderbetreuung während Ratssitzungen möglich sei. Es ist ein erster Schritt, Kommunalpolitik attraktiver zu gestalten.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Stadtrat Bonn