Zweitgrößter See Deutschlands entsteht: RWE baut Rheinwasser-Pipeline

Bildquelle: Stephan Pesch/WDR

03:17 Min. Verfügbar bis 17.03.2028

Zweitgrößter See Deutschlands entsteht: RWE baut Rheinwasser-Pipeline

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Der Tagebau Hambach soll ab 2030 mit Rheinwasser gefüllt werden. Anwohner freuen sich. Von Naturschützern gibt es Kritik.

Von Stephan Pesch
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Im Bürgerhaus von Elsdorf-Neu Etzweiler wird leidenschaftlich diskutiert. Aus allen Orten rund um den Tagebau Hambach sind etwa 70 Anwohner gekommen. Sie stehen um große Tische, auf denen Luftbilder des Tagebaus und Pläne des Hambacher Sees liegen.

Menschen warten auf "ihren" Hambacher See

Die Menschen schreiben ihre Wünsche auf: Wie sollten nach dem Ende der Kohleförderung der See und das Ufer gestaltet werden?

Auch Karl-Heinz Vaaßen aus Titz ist dabei. Er freut sich auf den Baustart der Rheinwasser-Pipeline. "Wir haben seit den 70er Jahren viel Staub gefressen. Wir hatten damals 'ja' dazu gesagt, weil schließlich ein See hier hinkommen soll". So wie Karl-Heinz Vaaßen sehen das viele im Saal.

So soll das Projekt einmal aussehen, mit neuen Seen im alten Tagebau. | Bildquelle: MapTiler / WDR

Hambach-Landschaft wird sich stark verändern

Tatsächlich sollen die Anwohner des Tagebaus Hambach in wenigen Jahren in einer völlig anderen Landschaft leben. Ab 2030 soll der Tagebau über mehrere Jahrzehnte mit Rheinwasser geflutet werden. Am Ende soll die Tagebau-Grube mit einer Fläche von etwa 42 Quadratkilometern und maximal 200 Metern Tiefe der zweitgrößte See Deutschlands werden - nach dem Bodensee. Allerdings nicht nach Fläche, sondern nach Volumen, also der Wassermenge. In Nordrhein-Westfalen wäre der Hambacher See allerdings auch nach Fläche der größte des Landes.

So könnte der Tagebau Hambach in Zukunft aussehen. | Bildquelle: Neuland-Hambach GmbH.

Auch der Tagebau Garzweiler soll auf lange Sicht mit Rheinwasser befüllt werden. Dort soll das Wasser ab 2036 fließen.

45 Kilometer lange Pipeline zwischen Dormagen und Elsdorf

Spatenstich: Erste Röhre für Rheinwasser- Pipeline wird verlegt | Bildquelle: Stephan Pesch / WDR

Die erste Röhre für die Rheinwasser-Transportleitung wird am Dienstag am Rand des Tagebaus Hambach bei Elsdorf verlegt. Für den ersten Bauabschnitt hat RWE einen etwa sieben Kilometer langen Radschnellweg ausgewählt. Der Speedway Terra Nova ist seit Anfang März gesperrt.

So sieht der See in der Planung aus der Vogelperspektive aus | Bildquelle: RWE

Jede Röhre hat eine Länge von 12 Metern und einen Durchmesser von 2,2 Meter. In den kommenden Monaten wird auch das Pumpbauwerk in Dormagen und ein Verteiler bei Grevenbroich-Allrath gebaut, so RWE. In Allrath wird die Leitung nach Frimmersdorf zum Tagebau Garzweiler abgezweigt.

Das Wasser des Rheins ein Chemiecocktail?

Die Qualität des Wassers im Rhein kann Dirk Jansen vom BUND nicht überzeugen. | Bildquelle: Stephan Pesch/ WDR

Am Ufer des Rheins hockt Dirk Jansen vom nordrhein-westfälischen Umweltverband BUND mit einem Glas Wasser in der Hand. Es ist Wasser aus dem Rhein. Der BUND sieht das geplante Befüllen der Tagebaue Hambach und Garzweiler kritisch.

"Hier in diesem Wasser sind etwa 30.000 chemische Verbindungen, darunter gefährliche Spurenstoffe. Die haben unseres Erachtens nach weder in den Tagebaurestseen, noch im Grundwasser, noch in den von Grundwasser abhängigen Feuchtgebieten was zu suchen." sagt Jansen. Der BUND fordert eine klare Anforderung an die Qualität des Wassers, aber die sei bislang noch nicht definiert.

Genehmigungsverfahren noch offen

Für die Entnahme des Rheinwassers bei Dormagen Rheinfeld und für den Bau der 45 Kilometer langen Pipeline hat RWE vom Land NRW grünes Licht. Für das Einleiten in den Tagebau Hambach noch nicht.

Die zuständige Bezirksregierung Arnsberg rechnet mit dem Beginn des Genehmigungsverfahrens im September 2026. Und es werde umfangreich sein, heißt es. In Elsdorf-Neu Etzweiler bleiben die Besucher des Informationsabends optimistisch - auch Nils Holgersson aus Düren. "Wenn was nicht passt und daran hakt es, da bin ich mir sicher, findet man Mittel und Wege - wie immer !"

Unsere Quellen:

  • RWE
  • Stadt Elsdorf
  • Erftverband
  • Neuland-Hambach GmbH
  • Land NRW
  • Bezirksregierung Arnsberg
  • Gespräch mit Dirk Jansen, BUND NRW
  • Gespräch mit Nils Holgersson aus Düren
  • Gespräch mit Karl-Heinz Vaaßen aus Titz

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Bonn, 17.03.2026, 19.30 Uhr

Transparenzhinweis: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, der Hambacher See werde der zweitgrößte in Deutschland nach Fläche werden. Richtig ist: nach Volumen. Wir haben das entsprechend korrigiert.

Kommentare zum Thema

  • Niemeier Udo 19.03.2026, 10:19 Uhr

    Als erstes fängt man an eine Leitung zu bauen ohne Sicherheit später die Grube zu füllen zu dürfen. Dann Fragen: Versickert das Wasser nicht? Kann der Rhein diese Wassermassen entbehren?Wer bezahlt diesen Unsinn?Wie gefährlich sind die Schadstoffe im Rhein ?

  • Patrick Orléans 19.03.2026, 07:14 Uhr

    Das aus der Anbaugrube ein See entstehen soll, finde ich gut. Allerdings sollte das Wasser sauber sein. Insbesondere wenn dort Wassersport oder Schwimmen geplant ist. Ein See mit Chemikalienkoktail wäre nicht angebracht. Allerdings bin ich nicht auf dem aktuellen Stand, ob das Rheinwasser gereinigt wird . H

  • Naturschutz 18.03.2026, 21:21 Uhr

    Mit Blick auf die ausgekohlten Gruben der von Raubbau verwüsteten Ville südwestlich von Köln sieht man die völlig zerstörte Landschaft mit störendem Aufwuchs durch ungeregelt und wild wuchernde Laubwäldern, in denen viele Insekten wimmeln, darunter allein schon 25 Wildbienenarten, sogar Hornissen. In dem Wasser der vollgelaufenen Baggerlöcher wuchern Algen, Wasserpflanzen, sogar die Giftpflanze Schirling gibt es - schlimm, sehr schlimm das alles...