"Uff, ist die schwer!" Die Sauerstoffflasche plumpst in Emmas Rücken, als sie den Rucksack mit der Flasche überzieht. Am Auto des Technischen Hilfswerks knubbelt sich eine Gruppe Schülerinnen und Schüler. Sauerstoff-Flasche, Gesichtsmaske, Helm - die Ausrüstung für den Ernstfall wiegt schwer: "Bei giftigen Gasen kannst du halt nicht ohne rein", sagt ein Helfer. Für Emma ist das jedenfalls nichts.
An diesem Montag ist am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Wiehl Aktionstag, bei dem alle Beteiligten des Katastrophenschutzes im Oberbergischen Kreis ihre Arbeit präsentieren. "Handeln macht Schule! Sensibilisierung für den Katastrophenschutz" - unter diesem Titel verbirgt sich ein Zusammenschluss aus Katastrophenschutz-Akteuren und Schule. Ein völlig neuer Ansatz, den auch andere Städte und Kreise interessiert verfolgen.
Drohne erkennt Feuerherde
"Dass wir in die Schule gehen und dort sensibilisieren, gibt es bisher nicht", erklärt Kreisbrandmeister Julian Seeger, der im Oberbergischen Kreis auch für den Katastrophenschutz zuständig ist: "Junge Menschen wissen oft gar nicht, was wir tun. Katastrophenschutz geht alle etwas an."
Emma (links) und Johanna (rechts) vom Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Wiehl.
Emma und ihre Freundin Johanna schauen sich heute alles an: ein Rettungsboot der DLRG, den Bagger des Aggerverbandes, der einen umgestürzten Baum aus der Wiehl birgt oder die Wärmebilder der Feuerwehrdrohne, die Waldbrände erkennen kann. Und Menschen in Notlagen.
"Wir wollen, dass die Jugendlichen erleben und verstehen, was wir im Katastrophenfall machen und wie wir arbeiten", erklärt Julian Seeger. Viele Akteure arbeiten bei einer Katastrophe zusammen - ob Starkregen, Sturm, Waldbrand oder aber ein "Blackout", bei dem die Stromversorgung zusammenbricht. Eigentlich zählen auch die Johanniter zu den Katastrophenhelfern - aber die sind kürzlich ausgestiegen. "Zu wenige Ehrenamtler", sagt Julian Seeger.
Gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Viele Menschen nähmen nicht ernst, dass ein Starkregen-Ereignis oder eine Dürre sie direkt betreffen könnte, erklärt der Feuerwehrmann. "Und darauf wollen wir die Kinder auch vorbereiten in der Hoffnung, dass sie ihr Wissen auch in die Familien tragen."
Auch eine Drohne kam beim Aktionstag zum Einsatz.
Emma und Johanna sind vor allem von den Feuerwehr-Drohnen begeistert. Die großen, acht Kilo schweren Drohnen setzt die Feuerwehr nicht nur bei Bränden ein, sondern auch, um Vermisste zu suchen. Emma, die in der Robotik-AG und technisch begeistert ist, fragt Pilot Achim Rudat Löcher in den Bauch.
"Wenn wir über diesen Aktionstag junge Menschen für ein Ehrenamt bei der Feuerwehr, beim DRK, der DLRG oder anderen Katastrophenschutz-Organisationen begeistern können, ist das natürlich ein toller Nebeneffekt", sagt Julian Seeger. Im Vordergrund stünde aber die Sensibilisieren und im besten Fall Hilfe zur Selbsthilfe.
Katastrophenschutz als Unterrichtsfach
Auch im Erdkundeunterricht des siebten Jahrgangs ist der Katastrophenschutz Thema. Sandro Strebe ist von der Resonanz begeistert. "Die Kinder sind total interessiert. Sie sind voller Ideen, wie man Katastrophenschutz sichtbar machen und Verhaltensregeln aufstellen kann."
Das Projekt "Handeln macht Schule! Sensibilisierung für den Katastrophenschutz" läuft erst seit zwei Wochen - das Interesse in anderen Kommunen und Kreisen aber ist groß. Schon jetzt warnt der Deutsche Wetterdienst im Sommer vor Dürre, Waldbränden und Starkregen. Mal wieder.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen der WDR-Autorin vor Ort
- Oberbergischer Kreis