Prozessbeginn: Tierquälerei an einem Schlachthof | WDR Aktuell
Bildquelle: ANINOVA e.V.26 Sek.. Verfügbar bis 24.10.2027.
Die Szenen der versteckten Kameras sind schwer zu ertragen. Ein Schaf zappelt auf dem Fliesenboden des Schlachthofs. Es ist deutllich zu erkennen, dass aus dem Halsbereich immer mehr Blut austritt und sich auf dem Boden verteilt. Es ist nur eine Szene von vielen. Diese soll belegen, dass die Tiere ohne ausreichende Betäubung getötet werden. Anderen Szenen dokumentieren, wie die Tiere geschlagen, getreten oder über den Boden geschleift werden.
Eigentlich sollte am Freitagmorgen vor dem Kölner Amtsgericht insgesamt vier ehemaligen Mitarbeitern der Prozess gemacht werden. Doch weil drei Männer neue Verteidiger haben, wurden diese Verfahren abgetrennt. Zur Überraschung sagte der Verteidiger des Angeklagten im Gerichtssaal, dass seinem Mandanten die Anklageschrift in seiner Muttersprache Bulgarisch nicht vorliege.
Der Mandant spreche nur Bulgarisch, so der Verteidiger. Deshalb setzte der Richter das Verfahren kurzerhand aus. Bei einem nächsten Termin würde dann gegen alle vier Angeklagten verhandelt, so das Kölner Amtsgericht.
Kundgebung vor Kölner Amtsgericht
Vor dem Prozessbeginn am Freitag Vormittag hatten bis zu 80 Menschen gegen Tierquälerei demonstriert. Dabei hielten sie Plakate mit Fotos der Misshandlungen aus dem Schlachthof in Hürth hoch.
Kundgebung vor dem Kölner Amtsgericht
Bildquelle: WDR/ Markus SchmitzDie Kölner Staatsanwaltschaft sagt, dass die Mitarbeiter den Tieren wegen zum Teil fehlender Betäubung, Ruhigstellung oder Fixierung erhebliche Schmerzen und Leiden zugefügt hätten. Das sei über Monate so gegangen, sagt die Anklage – bis die Tierschutzorgnisation Aninova e.V. Bildmaterial, dass sie wiederum von anderen Aktivisten bekommen hatte, den Behörden zur Verfügung stellte. Daraufhin wurde der Schlachthof geschlossen.
Ermittlungen gegen Betreiber eingestellt
Gegen den Betreiber des Schlachthofs wurden die Ermittlungen bereits vor einiger Zeit eingestellt. Gegen ihn habe es keinen hinreichenden Tatverdacht gegeben, so ein Sprecher des Kölner Amtsgerichts.
Der Verteidiger des Angeklagten sagte, dass ein Bestandteil des Prozesses auch die Frage sein werden, ob die Szenen der Überwachungskamera überhaupt als Beweismittel genutzt werden dürfen. Die Aufnahmen seien illegal entstanden, sagt er, das sei rechtlich sehr problematisch.
Unsere Quelle:
- Amtsgericht Köln
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort