Die sechs Angeklagten sitzen mit ihren Verteidigern im Gerichtssaal.

Mönchengladbach: Prozess um Entführung und Folter nach gelöster Verlobung

Stand:

Sechs Männer müssen sich vor dem Landgericht Mönchengladbach unter anderem wegen Freiheitsberaubung und Erpressung verantworten.

Von Martin Höke

Angeklagt sind sechs Männer im Alter von 24 bis 56 Jahren aus Mönchengladbach, Jüchen und Arnsberg. Ihnen werden Freiheitsberaubung, gemeinschaftliche Geiselnahme, Erpressung und Körperverletzung vorgeworfen.

Die Männer sollen gemeinsam im April 2022 einen heute 24-jährigen Mann über mehrere Tage verschleppt haben, so die Staatsanwältin. Sowohl die Angeklagten, wie auch das Opfer stammen aus Syrien. Das Opfer soll mit Messern, glühenden Eisenstangen und heißem Wasser gefoltert und gequält worden sein. Der Anlass: Der junge Mann hatte die Verlobung mit seiner Freundin gelöst und soll deren Familie einige tausend Euro geschuldet haben.

Täter wollten Schulden eintreiben

Das Geld wollten die Angehörigen laut Anklage auf brutale Weise eintreiben. Als der 24-Jährige nochmal zur Familie seiner Ex-Verlobten fuhr, soll ihn einer der jetzt Angeklagten abgeholt und dann in eine Wohnung gebracht haben. Dort sollen zwei weitere Familienmitglieder gewartet haben.

Der 28-jährige Abholer soll dem Opfer massiv gedroht und die Rückzahlung des Geldes gefordert haben, soll dann eine Schreckschusspistole gezogen und auf den Boden geschossen haben. Anschließend soll der junge Mann misshandelt und geknebelt worden sein. Drei Tage lang habe er nichts zu essen oder zu trinken bekommen.

Laut Anklage kam später auch der 56-jährige Vater der Ex-Verlobten hinzu und drohte dem Schwerverletzten, ihn langsam zu töten, falls er nicht zahle. Zuletzt wurden die Eltern des Opfers angerufen, um von das Geld zu erpressen.

Drohung mit Killer

Nach einer gescheiterten Geldübergabe durch den Bruder des Gefangenen erzählten die Angeklagten dem Opfer laut Anklage, sie hätten in Syrien einen Auftragsmörder gefunden, der seine Eltern töten würde. Erst am Tag darauf ließen sie den 24-Jährigen frei.

Nach Angaben der Staatsanwältin sitzt das Folteropfer gerade wegen Betrugs in einem Gefängnis in Norddeutschland.

Zum Prozessauftakt schwiegen die zum Teil mehrfach vorbestraften Angeklagten zu den Vorwürfen - wie schon im Ermittlungsverfahren. Ihnen drohen bei einer Verurteilung mehrjährige Haftstrafen. Für den Prozess sind bis Ende März noch neun Verhandlungstage angesetzt. Bereits am heutigen ersten Tag soll die Ex-Verlobte des Opfers als Zeugin aussagen. Sie wird die Aussage wohl verweigern. Denn, auf der Anklagebank sitzen ihr Vater und einer ihrer Brüder.

Mönchengladbach: Prozess um Entführung und Folter nach gelöster Verlobung

WDR Studios NRW 13.01.2026 28 Sek. Verfügbar bis 14.01.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, "Mönchengladbach: Prozess um Entführung und Folter nach gelöster Verlobung", 14.01.2026, 5:58 Uhr

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