Das alte Hotel Rheingold soll aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden
WDR. 03:17 Min.. Verfügbar bis 20.07.2028.
Der wilde Wein hat die Fassade des alten Hotels fast komplett verschlungen. Hinter den teils rund 150 Jahre alten Mauern machen sich Denkmalschützer seit einem Jahr ein genaues Bild vom Zustand des Gebäudes. "Die Herausfoderung ist erheblich", sagt Simon Geisler von der Stiftung Denkmalschutz beim Gang durch die alten Flure.
Seit mehr als 50 Jahren steht das ehemalige Hotel direkt am Rhein in Rolandseck leer. Eine dünne Schlammschicht ziert die alte Küche im Keller. In den vergangenen Jahrzenten lief der Keller mehrfach bei Hochwasser voll. Auch in der ersten Etage schimmelt überall der Putz an den Wänden.
100 Jahre alte Zeitkapsel
Das Hotel wurde im Jahr 1856 direkt an den Rhein gebaut.
Trotz der Schäden hat die Stifung das Gebäude samt Grundstück im Jahr 2024 gekauft. Denn für die Denkmalschützer ist es ein Glücksfall. Heizungen, Herd, Öfen und Tapeten teils von vor 100 Jahren sind hier oft gut erhalten. "Es ist wie eine Zeitkapsel. Sie ermöglicht uns einen Blick, in den Tourismus in der Zeit der Rhein-Romantik", sagt Simon Geisler. So etwas sei sehr selten, denn die meisten Hotels der damaligen Zeit seien komplett modernisiert oder schon längst abgerissen worden.
Enkel bewahrte den Schatz für Jahrzente
Das alles noch so steht wie damals, haben sie dem Enkel des letzten Hoteliers zu verdanken. Für den bereits verstorbenen Klaus Decker war das Hotel die letzte Erinnerung an seine Familie. Er brachte es nie übers Herz, dieses Erbe zu verkaufen.
Klaus Decker hat sich über 50 Jahre um den Erhalt des Hotels gekümmert.
Persönlich kümmerte er sich damals um den Erhalt des Hotels - jede Woche mit einem Kontrollgang durch alle Zimmer. "Mein größter Wunsch wäre, dass hier wieder Leben einkehrt", sagte er in einem WDR Lokalzeit Interview 2018. Wenig später verstarb er.
Hotel wird aufwendig saniert
Seit einem Jahr legen Experten jede einzelne der acht bis neun Zeitschichten frei. Im großen Speisesaal sieht man das an kleinen, bunten Stücken der Tapete. An verschiedenen Stellen ist eine andere Schicht freigelegt. Mal bunt, mal verspielt und eher dunkel und ganz oben drauf ganz einfach weiß. Die Wand ist ein lebendiges Stück Denkmalforschung geworden. Auf diese Art sollen alle Räumen im Erdgeschoss und Keller aufgearbeitet werden.
"Unser Ziel ist es hier, irgendwann das hier der Öffentlichkeit frei zugänglich zu machen. In einer Art Denkmalschutz-Museum", sagt Geisler, dessen Team sich gerade genauer mit der zukünftigen Nutzung beschäftigt. Ein Hotel soll es wohl nicht mehr geben. Eine Idee sei es, aus den ehemaligen Hotelzimmern kleine Wohnungen zu machen.
"Hier könnten eines Tages Künstler vom benachbarten Arp Museum leben." Simon Geisler, Deutsche Stiftung Denkmalschutz
Wann das alte Hotel Rheingold-Bellevue fertig wird und wieviele Millionen Euro es an Stiftungs-Geldern kosten wird, sei noch nicht abzusehen. Man suche auch noch weitere Unterstützer des Projekts, so Geisler. Die nächste Chance sich das wohl älteste Hotel im Rheinland selbst anzuschauen, ist der Tag des offenen Denkmals am 13. September.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Simon Geisler von der Stiftung Denkmalschutz
- Eindrücke der WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Das alte Hotel Rheingold soll aus dem Dornröschenschlaf geweckt werden, 27.07.2026, 5:10 Uhr
