Gesamtschule Bornheim: Sanierung statt Neubau?
Bildquelle: Josef Kaiser/WDRWDR. 03:24 Min.. Verfügbar bis 11.08.2028.
Kürzlich gab es im Bornheimer Stadtteil Merten eine kleiner Feier: Der erste Spatenstich für das Baugebiet, in dem sich auch das Grundstück für die neue Gesamtschule befindet. Doch ausgebaggert wird hier erst mal nur für Wohnhäuser. Und wenn es schlecht läuft, bleibt es auch dabei. "Meine persönliche Meiung ist, dass wir erst mal nicht neu bauen sollten", sagt Lutz Wehrend, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Bornheimer Stadtrat.
Der bisherige Schulcampus liegt mitten im Stadtteil Merten
Bildquelle: Josef Kaiser/WDRStadt Bornheim beklagt hohes Defizit im Haushalt
Der Grund dafür ist die desaströse Haushaltslage der Stadt. Allein im vergangenen Jahr betrug das Defizit laut Bürgermeister Christian Mandt (CDU) 26 Millionen Euro: "Das ist ein Wahnsinn und muss irgendwie wieder reingeholt werden."
Stadt erwartet Verdoppelung der Grundsteuer
Irgendwie heißt es in solchen Fällen fast immer: Rauf mit der Grundsteuer. Denn neben der Gewerbesteuer ist sie die einzige Einnahmequelle, mit der Städte und Kommunen große Infrastrukturprojekte stemmen können. Schon ohne den Schulneubau wird die Grundsteuer in Bornheim von aktuell 725 auf etwa 1500 Punkte steigen.
Und die Punkte zur Finanzierung der neuen Schule kämen dann noch on top. Das wären nach Angaben der Verwaltung weitere 200 bis 300 Punkte. Für CDU-Mann Lutz Wehrend wäre das kaum darstellbar: "Wir müssen uns genau überlegen, wie wir die Menschen in Bornheim auf diesem Weg mitnehmen." Viele seien von den Kostensteigerungen im Alltag schon jetzt überfordert.
Neubau würde zwischen 70 und 90 Millionen Euro kosten
Bislang hat die Gesamtschule ihren Sitz mitten im Stadtteil Merten, gemeinsam mit einer Grundschule. Die aktuelle Machbarkeitsstudie sieht zwei Varianten vor. Variante 1: Neubau der Gesamtschule auf einem Gelände etwas außerhalb des Stadtteils und die Sanierung der Grundschule am alten Standort. Das wird geschätzt rund 90 Millionen Euro kosten.
Variante 2 sieht den Neubau der Grundschule und die Sanierung der Gesamtschule vor. Die wäre mit 70 Millionen Euro günstiger, aber für den städtischen Haushalt wohl immer noch ein sehr dickes Brett.
Auf diesem Grundstück war bislang der Bau der neuen Gesamtschule geplant
Bildquelle: Josef Kaiser/WDRStadt bringt Sanierung statt Neubau ins Spiel
Deshalb brachte die Verwaltung jetzt eine dritte Möglichkeit ins Spiel: "Wir können auch alles so lassen, wie es jetzt ist. Es funktioniert ja", sagt Bürgermeister Christian Mandt. Natürlich müsse der Campus saniert und auch räumlich erweitert werden. Zumindest CDU und AfD lehnen den Vorschlag nicht rundweg ab. SPD, Grüne, FDP und UWG tendieren weiter zum Neubau der Gesamtschule.
"Jetzt gar nicht zu bauen, wie es die Verwaltung ins Spiel gebracht hat, ist aus meiner Sicht weder pädagogisch noch wirtschaftlich sinnvoll", meint Anna Peters, Fraktionsvorsitzende der SPD. "Das den Menschen zu erklären, wird nicht leicht, aber wir sehen Investitionen in die Bildung als nachhaltig an", ergänzt Manuel van Eikelen, schulpolitischer Sprecher der UWG. "Der Bedarf ist unbestritten, die Haltung von Schülern und Schülerinnen, Eltern und Schulleitungen eindeutig", erklären die Grünen.
Es wäre bildungspolitisch eine Fehlentscheidung, dieses Geld jetzt nicht auszugeben. Klaus Hannak, Leiter der Heinrich-Böll-Gesamtschule
Unter den aktuellen Bedingungen steht nach Ansicht von Schulleiter Klaus Hannak die Existenz der Schule auf dem Spiel. Seit Jahren wird in Containern unterrichtet, es gibt keinen Hitzeschutz und erhebliche Mängel in der Bausubstanz. Bedingungen, die es auch schwer machten, Lehrerinnen und Lehrer zu halten oder anzuwerben.
Eltern-Schüler-Demos für den Schulneubau
Kinder und Eltern demonstrierten mehrfach für den Neubau der Gesamtschule
Bildquelle: Josef Kaiser/WDR"Unserer Kinder brauchen bessere Lernbedingungen", bestätigt die Vorsitzende der Schulpflegschaft, Zeina Abou Sleiman, die selbst zwei Kinder auf der Gesamtschule hat. Ein Umbau wäre vermutlich machbar, aber die Folgen aus ihrer Sicht unzumutbar. "Das würde bedeuten, dass unsere Kinder jahrelang auf einer Baustelle lernen müssen. Ich kann mir das nicht vorstellen." Eltern und Kinder hatten in den vergangenen Monaten immer wieder für den Neubau der Gesamtschule demonstriert.
Ende September müssen die Fraktionen Farbe bekennen. Dann will der Schulausschuss eine Entscheidung treffen. Das letzte Wort hat dann der Stadtrat.
Unsere Quellen:
- Stadt Bornheim
- Heinrich-Böll-Gesamtschule
- Elternpflegschaft
- Fraktionen im Stadtrat
Sendung: wdr.de, 10.08.2026, 18.22 Uhr