Es stinkt nach Biomüll an der Sieg: Zwei Männer stehen in brusthohen Wathosen im Wasser und fischen wortwörtlich im Trüben. Mit einer Art großen Kelle holen sie Schaum, Äste und Algen aus dem Wasser, die sich beim Windecker Ortsteil Wardenbach an einer Ölsperre gesammelt haben. "Macht die Bottiche nicht zu voll", ruft einer der Feuerwehrleute vom Ufer aus. Dann kommt schon der nächste Plastik-Eimer angetrieben, in den die Männer aus der Sieg den Schmodder geschaufelt haben.
Die Reinigungsarbeiten der Feuerwehr an der Sieg
Bildquelle: WDR/Christian von StülpnagelLaster hatte Heizöl verloren
Seit etwas mehr als einem Monat liegen bei Windeck mehrere Ölsperren in der Sieg: Nahe des Flusses war ein Laster mit Heizöl auf einer Straße umgekippt - das Öl floss in einen Gulli, durch die Kanalisation in einen Bach und von dort schließlich auch in die Sieg.
"Das passiert leider und kann man kaum verhindern", sagt Thomas Becher, Beigeordneter der Gemeinde Windeck: "Normalerweise fließt dort nur Regenwasser durch. Und es ist kein Problem, dass das direkt in die Sieg fließt."
Eine der Ölsperren auf der Sieg wird abgebaut
Bildquelle: Freiwillige Feuerwehr WindeckBadeverbot und Großeinsatz an der Sieg
Diesmal war es aber eben kein Regenwasser - sondern Öl. Für die Anwohner bedeutete das: Mitten im Hochsommer durften sie nicht mehr in der Sieg schwimmen.
Und für die Feuerwehr Windeck begann ein Großeinsatz: "Wir haben schon immer mal wieder Unfälle, wo Öl ausläuft", erklärt Daniel Walter: "Aber so ein großer Einsatz ist schon etwas Seltenes."
Hier waren Ölsperren in der Sieg
Bildquelle: Bezirksregierung KölnInsgesamt sieben Ölsperren haben er und seine Kollegen aufgestellt: drei in einem kleinen Bach, vier in der Sieg. Dass sie am Ende einen Monat liegen bleiben mussten, um das gesamte Öl aufzusammeln, hat auch Daniel Walter verwundert.
"Wir haben schon gedacht, dass die Sperren eine Zeit lang liegen bleiben. Aber mit der Zeitspanne haben wir nicht gerechnet. Das ist dem Wetter geschuldet: Wir brauchen einfach den Regen, damit das Öl auch aus den Uferbereichen rausgespült wird." Daniel Walter
Sondermüll aus dem Fluss
Der Regen aus der vergangenen und dieser Woche war nötig und hat gereicht. Jetzt können die Sperren wieder entfernt werden.
Deshalb stehen die Männer in Wathose jetzt in der Sieg: Der Schaum und die Äste könnten ölbelastet sein - das ist stinkender Sondermüll. Eine Spezialfirma saugt außerdem kleinere Partikel aus dem Wasser.
Und dann kann der lange, orangefarbene Schlauch, der das Öl gebunden hat, endlich aus der Sieg gezogen werden. Acht Männer packen zeitgleich an und wuchten die Ölsperre Meter für Meter aus dem Wasser.
Badeverbot aufgehoben
Wie groß die Umweltbelastung durch den Unfall war, ist bisher noch nicht absehbar. Tiere sollen aber deshalb nicht in großem Maße verendet sein, sagt Thomas Blecker von der Stadt Windeck. Wer die Kosten für den Einsatz tragen muss, ist Stand jetzt noch nicht klar. Klar ist dafür: Schwimmen ist ab sofort wieder in der Sieg erlaubt.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit der Stadt Windeck
- WDR-Gespräch mit der Stadt Feuerwehr Windeck
- WDR-Gespräch mit der Stadt Bezirksregierung Köln
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR 2, WDR 2 für das südliche Rheinland, 05.08.2026, 12:30 Uhr