Ein Zettel mit der Aufschrift "Wohnung gesucht" hängt an einer Laterne

Wohnungssuche zum Semesterstart So kommen Studierende in NRW unter

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Für viele Studierende in NRW startet das Wintersemester nicht mit Vorlesungen, sondern mit einer verzweifelten Wohnungssuche. Ein paar Möglichkeiten und Tipps für die Suche nach einer Wohnung, einem Zimmer - oder zumindest einer kurzfristigen Unterkunft für den Notfall.

Ein Zimmer, Küche, Bad in Köln? Und zwar zum Start des Wintersemesters am 1. Oktober? Kein Problem: Wer auf kommerziellen Plattformen nach typischen Studentenbuden sucht, findet schnell ein Angebot: zum Beispiel eine 17-Quadratmeter-Wohnung, spartanisch möbliert, im hippen Stadtteil Neuehrenfeld. Problem dabei: Die Miete liegt bei stattlichen 800 Euro. Und ob man sie am Ende bekommt, ist längst nicht klar.

Kleinstwohnungen in NRW: hohe Mieten für Studierende

Außenansicht: Studierendenwohnheime auf dem Campus der Universität Bielefeld

Heiß begehrt: Studierendenwohnheime auf dem Campus der Uni Bielefeld

Bildquelle: WDR / Robert B. Fishman

Auch wenn man es kaum glauben mag - bei dem Angebot handelt es sich offenbar um ein Schnäppchen. Für viele weitere Kleinstwohnungen um die 20 Quadratmeter werden auf den Portalen aktuell Preise von 1.100 Euro und mehr aufgerufen. Wer nicht zufällig in eine wohlhabende Familie hineingeboren wurde, hat auf dem regulären Wohnungsmarkt großer Universitätsstädte in NRW oft kaum eine Chance.

Wohnheim-Plätze in NRW: Wartelisten und Engpässe

Die Studierendenwerke geben ihr Bestes. Doch angesichts der extrem hohen Nachfrage nach bezahlbaren Wohnheim-Plätzen, sind ihre Möglichkeiten mehr als begrenzt.

Robert Anders, Sprecher Studierendenwerk Bonn

Robert Anders, Studierendenwerk Bonn

Bildquelle: WDR/Weische/Glock

Beispiel Bonn: Dort stehen aktuell 4.000 Studierende auf der Warteliste für einen Wohnheim-Platz, nur maximal 800 von ihnen werden am Ende erfolgreich sein. So berichtet es Robert Anders vom Studierendenwerk Bonn im Interview mit dem WDR. In anderen Städten wie Aachen, Münster, Düsseldorf und Köln sei das nicht anders, sagt er.

"Wir stehen alle vor den gleichen Problemen. Wir haben einen angespannten Wohnungsmarkt. Insbesondere eben, wenn es um sozialverträgliche Preise geht." Robert Anders, Sprecher Studierendenwerk Bonn

Was also tun als Student oder Studentin, wenn man dringend eine Bleibe braucht und am besten eine günstige, schöne Wohnung oder WG finden möchte? Ein paar Möglichkeiten und Tipps:

Jugendherberge mit "Longstay"-Angebot

Das Semester hat begonnen, eine eigene Wohnung oder ein Wohnheim-Platz kann aber erst in einigen Monaten bezogen werden? Für eine relativ günstige Zwischenmiete kann man sich an den Deutschen Jugendherbergsverband (DJH) wenden. Einige der Herbergen bieten spezielle "Longstay"-Modelle für Studierende an - mit deutlichen Rabatten auf den regulären Übernachtungspreis.

Jugendherberge in Köln-Riehl

Jugendherberge in Köln-Riehl

Bildquelle: WDR / Karsten Schöne

"Longstay"-Jugendherbergen in NRW gibt es in gibt es in Bochum, Münster, Essen, Köln, Dortmund und Bonn. Die obligatorische DJH-"Junior"-Mitgliedschaft bis zum Alter von einschließlich 26 Jahren kostet jährlich sieben Euro.

Notschlafstelle oder Gartenhaus

Im Extremfall gibt es in manchen Orten Notschlafstellen speziell für Studierende. In Köln zum Beispiel hat der Allgemeine Studierendenausschuss (Asta) für wohnungslose Erstsemester einen Saal mit rund 30 Luftmatratzen organisiert. Tagsüber darf er jedoch nicht genutzt werden.

Ein kleiner Rollkoffer, ein Rucksack und eine Jacke liegen auf einer aufgeblasenen Luftmatratze

Koffer und Luftmatratze in der Notschlafstelle des Kölner Asta im Jahr 2025

Bildquelle: WDR / Estella Mazur

In Münster hat das Studierendenwerk 29 Notunterkünfte in einer Wohnanlage eingerichtet, darunter auch 16 Gartenhütten. Die Holzhütten in der Wohnanlage kosten: zehn Euro pro Tag. Dort gibt es zwar WLAN, aber keine Möglichkeit zur Küchenmitbenutzung.

Mehrere braune Holzhütten stehen in einer Halle.

Notunterkunft mit Bett, Stuhl und Spind auf wenigen Quadratmetern: Die Holzhütten in einem münsterschen Studentenwohnheim.

Bildquelle: WDR / Iman Hassan
Eine Frau mit langen braunen Haaren, Katrin Peter, lächelt in die Kamera.
"Normalerweise muss man ungefähr ein Jahr warten, bis man ein Zimmer in einer Wohnanlage des Studierendenwerks Münster bekommt." Katrin Peter, Studierendenwerk Münster

Campingplatz statt Wohnheim

Leben auf dem Campingplatz, noch dazu im Herbst und Winter - das ist nicht jedermanns Sache. Für den Übergang oder während einer laufenden Wohnungssuche kann ein gut ausgestatteter und geführter Campingplatz dennoch eine gute Alternative sein. Die Standmieten sind in der Regel bezahlbar und in der Nebensaison kann man gute Rabatte aushandeln.

Ein schlichtes Zelt ist allerdings kaum für einen längeren Zeitraum geeignet - vor allem in der kalten Jahreszeit. Wer mehrere Wochen bleiben möchte, könnte sich im Bekanntenkreis erkundigen, ob jemand einen Wohnwagen oder ein Wohnmobil leihweise zur Verfügung stellen kann.

Housesitting während des Studiums

Eine elegante Lösung für den Übergang kann auch ein Job als Housesitter sein. Typischerweise kommen sie zum Einsatz, wenn die Bewohner einer Immobilie für einen längeren Zeitraum verreist sind. Housesitter ziehen in diesem Zeitraum in das Haus oder die Wohnung ein und sorgen dafür, dass der Garten stets bewässert, der Briefkasten geleert und Einbrecher wirksam abgeschreckt werden. Manchmal müssen auch Haustiere während der Abwesenheit der Bewohner versorgt werden.

An den Nebenjob kommt man am besten entweder über persönliche Beziehungen oder über eine professionelle Agentur. Alternativ auf gut Glück einen Zettel mit Service und Preis im Supermarkt aufhängen. Im Idealfall kann man in der Immobilie nicht nur mietfrei wohnen, sondern es gibt sogar ein Honorar.

Wohnen für Hilfe - Studierendenwerke unterstützen

Ein Zimmer gegen Unterstützung im Haushalt: So funktioniert "Wohnen für Hilfe", das von den Studierendenwerken in mehreren NRW-Städten unterstützt wird. Das Projekt vermittelt Wohnpartnerschaften zwischen Jung und Alt. Studierende bekommen ein günstiges Zimmer, Senioren Hilfe im Alltag. Pflege gehört nicht dazu.

Als Faustregel gilt: Pro Quadratmeter bezogenen Wohnraum sollte eine Stunde Hilfe pro Monat geleistet werden. Die einzigen Kosten, die den Studierenden entstehen, sind Nebenkosten wie Strom, Wasser und Gas. Auch kirchliche Organisationen wie die Caritas haben ähnliche Projekte gestartet.

Wohnungsgenossenschaft - auch für Studierenden-WG

Zwar ist auch bei Wohnungsgenossenschaften die Nachfrage groß. Es kann jedoch lohnenswert sein, sich dort frühzeitig auf eine Warteliste setzen zu lassen, um vielleicht in einem späteren Semester fündig zu werden.

Eine Wohnungsgenossenschaft - auch Baugenossenschaft oder Wohnungsbaugenossenschaft genannt - ist ein Zusammenschluss von Menschen, die gemeinsam Häuser bauen oder kaufen, um selbst darin zu wohnen. Die Genossenschaft gehört also keinen fremden Investoren, sondern den Mitgliedern selbst. In NRW gibt es mehrere Hundert solcher Gemeinschaften - auch in den großen Unistädten -, die viele tausend bezahlbare Mietwohnungen verwalten.

Wer in eine der Genossenschaftswohnungen einziehen möchte, muss der Gemeinschaft beitreten und Genossenschaftsanteile kaufen. Einige Genossenschaften bieten für Studierende Sonderkonditionen an: In diesen Fällen haben die neuen Mitglieder teilweise mehrere Jahre Zeit, um ihre Genossenschaftsanteile abzuzahlen. Dieses Modell eignet sich auch für mehrere Studierende, die eine WG gründen wollen.

Studium: "Darf nicht an zu teurem Wohnraum scheitern"

WDR 5 Morgenecho - Interview 28.08.2026 6 Min. 16 Sek. Verfügbar bis 28.08.2027 WDR 5

Sozialwohnung mit Wohnberechtigungsschein

Zwar mangelt es auch in NRW an staatlich geförderten Sozialwohnungen. Manchmal ist bei den Wohnungsanzeigen aber doch mal eine dabei. Und dann heißt es: Wohnberechtigungsschein (WBS) vorlegen. Ansonsten hat man keinen Anspruch auf eine solche Wohnung.

Die Bewilligung des Antrags beim Wohnungsamt kann eine Weile dauern. Aber hat man ihn erst mal bekommen, dann ist er in dem ganzen Bundesland gültig. Entscheidend ist vor allem das Netto-Einkommen der vergangenen zwölf Monate - also nach Steuern und Sozialabgaben. Für einen Ein-Personen-Haushalt liegt die Höchstgrenze zur Bewilligung bei derzeit 23.540 Euro Jahreseinkommen.

Günstig wohnen für Studierende

WDR 04.09.2026 1 Min. 40 Sek. Verfügbar bis 04.09.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Robert Anders, Sprecher Studierendenwerk Bonn
  • Wohnungsvermittlungs-Plattformen wie "Wunderflats"
  • Studierendenwerke in NRW
  • Deutschen Jugendherbergsverband
  • Campingverband NRW
  • diverse Housesitting-Portale
  • Verband der Wohnungswirtschaft Rheinland Westfalen
  • Stadt Köln zum Wohnberechtigungsschein

Sendung: WDR Hörfunk, WDR 5 Morgenecho, 28.08.2026, 08.40 Uhr

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