Unser Gesicht ist unser erster Eindruck, unsere visuelle Visitenkarte. Für Bernd Schmidtbauer aus Wuppertal änderte sich dieser Eindruck schlagartig: schwarzer Hautkrebs kostete ihn seine komplette Nase. Heute lebt der 62-Jährige mit einer Epithese, also einer künstlichen Nachbildung - und mit neuer Zuversicht.
Als eine Beule das Leben verändert
Im Sommerurlaub 2023 hält er eine kleine Erhebung auf der Nase für einen Mückenstich oder Pickel. Doch sie wächst nach innen, "so groß wie eine Kirsche", erzählt er.
Die Diagnose im Sana-Klinikum Remscheid nach einer Biopsie trifft Schmidtbauer hart: fortgeschrittener schwarzer Hautkrebs. "Da bleibt keine andere Möglichkeit, als zeitnah die ganze Nase zu entfernen", sagen ihm die Ãrzte. Fünf Stunden dauert die OP.
Der Schock und das Loch im Gesicht
Nach dem Eingriff bleibt eine offene Stelle zurück. Schmidtbauer vermeidet Spiegel und Öffentlichkeit.
"Die Nase ist der Mittelpunkt des Gesichts. In ein Loch zu blicken, damit muss man erst mal zurechtkommen." Bernd Schmidtbauer
Nach dem ersten Schock nimmt Schmidtbauer sein Schicksal in die Hand. Er entscheidet sich für eine Nasen-Epithese, eine äußerlich kaum erkennbare Rekonstruktion aus Silikon.
Wie die Epithese gefertigt und befestigt wird
Für die Epithese wird ein Abdruck genommen, ähnlich wie beim Zahnarzt. Anschließend werden ein Modell erstellt und die frühere Nasenform anhand alter Fotos nachgebaut.
Befestigt wird sie über Titanplatten im Jochbein, an denen ein Metallsteg befestigt ist, der über die Nase geht. Daran hängen Magneten. An der Epithese sitzen drei Gegenmagneten. So hält das Ganze.
Alltagstauglich, aber nicht grenzenlos: Spaßbäder mit Strudeln oder Motorradfahren gehen nicht mehr. "Da könnte es sein, dass sich die Magneten durch Druck lösen und dann schwimmt oder fliegt die Nase weg." Auch normales Naseputzen ist nicht mehr möglich.
Neuer Mut durch Austausch mit anderen Betroffenen
Heute nimmt Schmidtbauer vieles mit Humor. Um auch anderen Betroffenen Mut zu machen, hat er ganz frisch eine Selbsthilfegruppe gegründet. Die trifft sich immer am letzten Freitag im Monat im Helios Klinikum Wuppertal.
Unsere Quellen:
- Gespräche der Reporterin vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 26.02.2026, 19.30 Uhr