Wuppertaler lebt mit "Epithese"

Bildquelle: Bernd Schmidtbauer

Lokalzeit Bergisches Land 26.02.2026 03:11 Min. Verfügbar bis 26.02.2028 WDR Von Inke Köster

Wenn dem Gesicht ein Stück fehlt - zurück ins Leben mit einer Epithese

Stand:

Bernd Schmidtbauer aus Wuppertal lebt seit einer Krebs-OP ohne echte Nase. Eine maßgefertigte Epithese gibt ihm sein Gesicht zurück und den Mut, anderen Betroffenen zu helfen.

Von Inke Köster

Unser Gesicht ist unser erster Eindruck, unsere visuelle Visitenkarte. Für Bernd Schmidtbauer aus Wuppertal änderte sich dieser Eindruck schlagartig: schwarzer Hautkrebs kostete ihn seine komplette Nase. Heute lebt der 62-Jährige mit einer Epithese, also einer künstlichen Nachbildung - und mit neuer Zuversicht.

Als eine Beule das Leben verändert

Im Sommerurlaub 2023 hält er eine kleine Erhebung auf der Nase für einen Mückenstich oder Pickel. Doch sie wächst nach innen, "so groß wie eine Kirsche", erzählt er.

Die Diagnose im Sana-Klinikum Remscheid nach einer Biopsie trifft Schmidtbauer hart: fortgeschrittener schwarzer Hautkrebs. "Da bleibt keine andere Möglichkeit, als zeitnah die ganze Nase zu entfernen", sagen ihm die Ãrzte. Fünf Stunden dauert die OP.

Der Schock und das Loch im Gesicht

Mann mit verbundener Nase

Bernd Schmidtbauer nach seiner OP

Bildquelle: Bernd Schmidtbauer

Nach dem Eingriff bleibt eine offene Stelle zurück. Schmidtbauer vermeidet Spiegel und Öffentlichkeit.

"Die Nase ist der Mittelpunkt des Gesichts. In ein Loch zu blicken, damit muss man erst mal zurechtkommen." Bernd Schmidtbauer

Nach dem ersten Schock nimmt Schmidtbauer sein Schicksal in die Hand. Er entscheidet sich für eine Nasen-Epithese, eine äußerlich kaum erkennbare Rekonstruktion aus Silikon.

Wie die Epithese gefertigt und befestigt wird

Für die Epithese wird ein Abdruck genommen, ähnlich wie beim Zahnarzt. Anschließend werden ein Modell erstellt und die frühere Nasenform anhand alter Fotos nachgebaut.

Grafik Epithesenhalterung

Die Epithese wird über Magneten gehalten

Bildquelle: WDR

Befestigt wird sie über Titanplatten im Jochbein, an denen ein Metallsteg befestigt ist, der über die Nase geht. Daran hängen Magneten. An der Epithese sitzen drei Gegenmagneten. So hält das Ganze.

Alltagstauglich, aber nicht grenzenlos: Spaßbäder mit Strudeln oder Motorradfahren gehen nicht mehr. "Da könnte es sein, dass sich die Magneten durch Druck lösen und dann schwimmt oder fliegt die Nase weg." Auch normales Naseputzen ist nicht mehr möglich.

Neuer Mut durch Austausch mit anderen Betroffenen

Bernd Schmidtbauer

Dass Bernd Schmidtbauers Nase unecht ist, fällt nicht auf

Bildquelle: Inke Köster

Heute nimmt Schmidtbauer vieles mit Humor. Um auch anderen Betroffenen Mut zu machen, hat er ganz frisch eine Selbsthilfegruppe gegründet. Die trifft sich immer am letzten Freitag im Monat im Helios Klinikum Wuppertal.

Unsere Quellen:

  • Gespräche der Reporterin vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Bergisches Land, 26.02.2026, 19.30 Uhr

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