Eine alte Industriehalle mitten in Duisburg. Löchriges Dach, Steine aus dem Boden gebrochen, tiefe Bohrlöcher. Da wurden Proben entnommen, früher ist hier mal das Kühlmittel PCB ausgelaufen. Aber Jens Lobert will genau hier Bier brauen - und zwar möglichst schon nächstes Jahr.
Wie teuer es wird, die Halle dafür umzubauen, hängt jetzt am Gutachter. Der entscheidet, ob die Altlast im Boden bleiben kann oder abgetragen werden muss. "Das ist ein Unterschied zwischen: Wir haben 0 Euro Aufwand - oder 500.000 Euro Aufwand", sagt Lobert.
Traditionsmarke "Rheingold"-Bier
Und dennoch: Sein Plan steht. Lobert will "Rheingold" wieder in Duisburg brauen - die alte Bier-Traditionsmarke, die er übernommen hat.
Damit ist der Unternehmer, der eigentlich einen Handwerksbetrieb führt, Teil der Ruhrgebiets-Kleinbrauer-Szene. Die wächst mancherorts gegen den Trend. Seit Jahren sinkt der Bierkonsum - selbst im Ruhrgebiet. Doch Lobert will Duisburg um handwerklich gebrautes Pils und Alt bereichern - ganz normale Biere also, aber eben regional hergestellt.
Hilfe von "Vormann" - in Hagen
Und tatsächlich läuft schon jetzt wieder "Rheingold" in Flaschen. Weil sich die Szene gegenseitig hilft - und die Traditions-Kleinbrauerei "Vormann" in Hagen Bier für Lobert braut.
Hier geht es nach schweren Jahren wieder aufwärts. Christian Vormann, Brauer in fünfter Generation, sagt: "Der Regionalgedanke kommt ja immer mehr, das merken wir ja auch, zum Glück." Dabei gehe es gar nicht mehr so sehr um "Craft Beer" und besondere Rezepte - sondern um gut gemachtes, möglichst ursprüngliches Pils und Alt.
Vormann ist dabei unter den Kleinen eine große Brauerei. Etwa 4.000 Hektoliter produzieren sie hier im Jahr. Das ist genug, um für jüngere Klein-Unternehmen mitzubrauen. Aber gerade mal so viel, wie große Brauereien an einem Tag zwischen Schichtbeginn und Frühstückspause schaffen.
Individueller, weniger am Massengeschmack orientiert
Und der Vorteil der kleinen Brauereien? Sie können individueller arbeiten, müssen weniger auf den Massengeschmack achten. Können eher experimentieren und auch mal Rezepte ändern. Und brauen oft natürlicher, etwa unfiltriert - mit kürzeren Haltbarkeitszeiten.
Doch entscheidend bleibt, das sagt Christian Vormann der Ältere, Brauer in vierter Generation, dass es schmeckt.
"Wenn du denkst: so, jetzt noch ein Schluck - dann ist es ein gutes Bier." Christian Vormann, Vormann Brauerei
Auch beobachte Vormann, dass die Ruhrgebiets-Bierszene wieder ein bisschen spannender geworden sei: "Weil viele kleinere Brauereien wieder da sind - und wenn das dazu führt, dass auch das Bier selber aus dem Ruhrgebiet wieder mehr Wertigkeit hat, das wäre natürlich toll."
"Rheingold" irgendwann gebraut auf dem Rhein?
Jens Lobert fängt mit der alten Duisburger Traditionsmarke "Rheingold" gerade wieder von ganz klein an. Das Bier, das Vormann in Hagen abfüllt, bietet er bei Veranstaltungen an. Der Saal dafür ist schon fertig. Aber die Träume sind größer - er will dem Namen "Rheingold" Taten folgen lassen.
"Das ist so die die Ober-Vision: Dass wir eine mobile Brauerei auf ein Schiff packen können und dann tatsächlich von Rotterdam bis nach Basel da anlanden, wo man dann halt Rheingold trinken soll." Jens Lobert, Unternehmer und Neu-Brauer
Während der Biermarkt insgesamt schwächelt und der Absatz seit Jahren zurückgeht, helfen sich kleine Ruhrgebiets-Brauereien gegenseitig. Und wachsen - gegen den Trend - in ihren regionalen Nischen.
Unsere Quellen:
- Besuch bei Rheingold in Duisburg
- Besuch bei Vormann in Hagen
- Schriftliche Stellungnahme des Brauereiverbands NRW
Sendung: WDR.de, Klein-Brauer im Pott trotzen der Krise, 27.07.2026, 05:09 Uhr