Duisburgs erster Cannabis Verein hat eigene Hanfpflanzen

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WDR 01:50 Min. Verfügbar bis 20.05.2028

Marihuana für Mitglieder Duisburgs erster Social Club hat eigene Plantage

Stand:

Kiffen ist in Deutschland legal. Und Duisburgs erster Cannabis-Verein möchte das unterstützen. Denn Cannabis legal zu kaufen, ist gar nicht so einfach. Der Green Mile Social Club e.V. geht noch weiter: Um gute Qualität zu garantieren, haben die Mitglieder eine eigene Plantage hochgezogen.

Von Ralph Brix

Als wir in der Redaktion hörten, dass wir den ersten Cannabis-Verein Duisburgs vorstellen und dessen eigene Plantage besuchen dürfen, waren wir direkt begeistert. Ich bin seit nun 30 Jahren Journalist - aber so ein Termin ist sogar für mich neu. Doch der Start war etwas mysteriös. Denn der Verein wollte uns partout nicht die Adresse der Plantage im Kreis Kleve nennen. Vielmehr sollte ich zu einer Tankstelle an der B9 kommen. Man würde mich dort abholen.

Illegale Drogenhändler fernhalten

Dort angekommen, wurde ich freundlich begrüßt. Und ich musste mich auch nicht auf den Rücksitz eines Autos zwischen düster dreinblickende Gestalten zwängen, die mir zudem einen schwarzen Sack über den Kopf ziehen. Ich sollte einfach dem Kleinwagen der beiden Vereinsmitglieder folgen und vorher eine Erklärung unterschreiben, dass ich den Standort der Plantage keinem Dritten mitteile.

Der Grund ist nachvollziehbar: So wenig wie möglich Personen sollen wissen, wo genau der Verein sein Gras anbaut. Denn für den illegalen Drogenmarkt wäre ein Überfall oder Einbruch hier durchaus lukrativ und für die vielen Ehrenamtlichen gefährlich.

Hohe hygienische Standards

Nach einigen Minuten errreichen wir eine große Lagerhalle - und ich muss mich umziehen. Denn für den Zugang zur Plantage gelten hohe hygienische Standards, damit die Pflanzen nicht durch Verunreinigungen oder gar Bakterien gefährdet werden. Das sehe ich ein und schlüpfe in einen weißen Schutzanzug, bekomme blaue Überzieher für die Schuhe, Gummihandschuhe für die Hände und - natürlich - ein schickes Haarnetz. Endlich im "Heiligtum" angekommen sehe ich fünf riesige, kubische, tiefschwarze Zelte. Jedes circa 90 Quadratmeter groß.

Süßer Duft - warme Luft

Nun kommt Florian Bartl dazu. Er hat Garten- und Landschaftsbau studiert und gehört seit einigen Monaten zum "Grow"-Team (engl. grow = wachsen). Er zieht an einem großen Reißverschluss und öffnet damit die große Stoff-Tür. Zuerst blendet mich sehr helles, kaltes Licht. Dann strömt mir ein schwerer süß-herber Duft und warme Luft entgegen.

Hier im Herzstück der Anlage, wo zurzeit 220 Pflanzen mit fetten Blüten stehen, beträgt die Temperatur strikt 26 Grad Celsius und die Luftfeuchtigkeit ist extrem hoch. Mitten in der Blütenpracht ist Florians Arbeitsplatz. Ein Job, den er liebt.

"Es war schon immer ein Traum von mir, auf einer Cannabisplantage zu arbeiten und bin froh, dass ich jetzt in diesem Bereich Erfahrungen sammeln kann." Florian Bartl, Green Mile Social Club e.V.

Vom Gras-Aroma wird man nicht high

Eine Cannabis-Plantage in einem Gewächshaus. An der Decke hängen Ventilatoren und in der Mitte zwei Personen in Hygiene-Anzügen, die sich die Pflanzen anschauen.

Die Cannabis Plantage

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Wegen des besonderen Klimas könne man es hier drin aber nicht länger als vier bis fünf Stunden aushalten, sagt er und beteuert, dass man von dem Gras-Aroma, das hier alles überlagert, definitiv nicht high wird. Na, da bin ich ja beruhigt.

20 Gramm pro Monat pro Person

Florian und andere Vereinsmitglieder sorgen dafür, dass die Plantage eine monatliche Ernte von 10 Kilogramm Gras erbringt. Diese Menge ist auch nötig. Denn schließlich müssen maximal 500 Vereinsmitglieder versorgt werden. 20 Gramm pro Person pro Monat kalkuliert der Verein.

Dessen Club-Heim in Duisburg-Rheinhausen ist daher auch kein Coffee-Shop nach niederländischem Vorbild. Auf den karg eingerichteten 30 Quadratmetern, die von einer großen Theke beherrscht werden, wird nämlich nie Marihuana verkauft. Es wird nur vereinsintern ausgegeben - aber selbstverständlich trotzdem bezahlt.

Preise erfahren nur Mitglieder

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind nämlich streng. Alles hier wurde von der Bezirksregierung in Düsseldorf auf Antrag genehmigt. Und der Verein möchte seine Privilegien auch behalten und tut alles dafür, dass es hier regelkonform zugeht.

Ein leeres Einmachglas mit Aufschrift "Fizzy Buzzlegum" und Inhaltsangaben

Die Mitglieder können die Ware vorher ansehen und daran riechen.

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Sebastian Cianforcaro hat sich gerade an Theke ein paar Gramm der Sorte Fizzy Bubblegum geben lassen. THC-Gehalt: 28 Prozent. Der Duisburger ist froh, dass es den Verein seit Herbst 2025 gibt: "Das ist ne coole Sache. Ich rauche einfach gerne Gras. Ich weiß, was ich hier kaufe. Das Zeug hat ne gute Qualität." Auch die Preise seien gut. Doch die erfahren nur Vereinsmitglieder.

Ohne Ehrenamt kein Gras

Weil die Qualität gleichbleibend gut sein soll, hat der Verein entschieden, die eigene Plantage aufzubauen. Die offizielle Eröffnung war eigentlich erst für Ende Juni geplant. Doch schon jetzt sind 450 Cannabis-Fans beigetreten und lassen sich regelmäßig mit Gras (und manchmal auch Haschisch, also Cannabisharz) versorgen.

An gewöhnlichen Tagen kommen etwa 30 Leute vorbei. Gestern - nachdem der Club eine Woche lang geschlossen war - waren es dann plötzlich 100. Alle Mitglieder müssen übrigens auch ehrenamtlich helfen: mal im Verkauf, mal auf der Plantage, beim Putzen oder bei allen anderen Arbeiten, die bei so einem Verein anfallen.

Nach meinem Tag auf der Plantage bin ich um eine Erfahrung reicher. Berauscht bin ich aber tatsächlich nicht - auch wenn meine Kleidung und das Auto noch immer von Weitem nach Cannabis riechen. Der Ort der Plantage mag geheim sein. Aber dass ich dort war, kann ich nicht verheimlichen.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Presse-Informationen des Green Mile Social Club e.V.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 20.05.2026, 19:30 Uhr

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