Der Rheinpark in Duisburg-Hochfeld ist für viele Menschen im Viertel ihr wichtigster Ort im Grünen. Hier treffen sie sich, machen Pause vom Alltag, holen sich ein Stück Naherholung - in einem Stadtteil, der als sozialer Brennpunkt gilt.
Im Oktober 2025 sind die Bauarbeiten für die Internationale Gartenausstellung (IGA) gestartet. Seitdem ist der Park geschlossen. Und das noch für Monate. Die IGA startet zwar am 23. April 2027, aber auch dann bleibt der Rheinpark eingezäunt und ist nur gegen Eintritt zu betreten.
Viele Hochfelder sehen das kritisch. Sandra Dahmen fährt mit dem E-Scooter am Bauzaun entlang und erzählt: "Wir haben im Grunde überhaupt nichts von der IGA. Dass wir jetzt hier fast zwei Jahre auf unser Naherholungsgebiet verzichten müssen, finde ich überhaupt nicht schön."
Gartenschau: Millionen für Hochfeld
Für Claudia Schoch, IGA-Projektleiterin bei den Wirtschaftsbetrieben Duisburg (WBD), ist das Projekt eine große Chance für den Stadtteil: "Da fließen 60 Millionen Euro in den Stadtteil, 40 Millionen davon aus Fördermitteln. Das haben wir nur der IGA zu verdanken." Auf dem Gelände ist schon zu sehen, was für die IGA entsteht und darüber hinaus bleiben soll.
"Die Vision ist, einen Park für alle zu schaffen: Für Natur, für die Menschen - mit zentralen Spielorten, nachhaltiger Bewässerung und ganz tollen Aufenthaltsbereichen und auch Schattenplätzen." Claudia Schoch, IGA-Projektleiterin (WBD)
"Imageprojekt" oder Hilfe fürs Viertel?
Moritz Grzybowski sieht die IGA anders. Er forscht in seinem Geographie-Studium seit Jahren zu dem Stadtteil. Für ihn ist die Gartenausstellung vor allem ein Imageprojekt der Stadt mit Blick auf Touristinnen und Touristen.
"Braucht Hochfeld wirklich ein Imageprojekt?" Moritz Grzybowski, Geographie-Student Ruhr-Universität Bochum
Besonders problematisch findet Grzybowski, dass nicht nur der Rheinpark, sondern gleichzeitig auch der "Grüne Ring" gesperrt ist. In einem dicht besiedelten Viertel, in dem viele Menschen in kleinen Wohnungen leben und dringend Freiflächen brauchen. Es gebe im Stadtteil ohnehin zu wenig soziale Treffpunkte.
Er glaubt außerdem nicht, dass viele Hochfelder Eintritt für die IGA-Parks zahlen werden. Damit blieben die neuen Flächen auch während der Gartenschau von April bis Oktober 2027 für einen Teil der Anwohner unzugänglich.
Freier Eintritt für alle Kinder bis 14 Jahren
Die Wirtschaftsbetriebe verweisen darauf, dass Kinder bis 14 Jahre freien Eintritt haben und es Ermäßigungen geben wird. Trotzdem ist die IGA selbst bei der Gruppe "Grün für Hochfeld", die sich für mehr und bessere Grünräume im Viertel einsetzt, umstritten.
Gudrun Weber-Gerhards sieht in der IGA eine Chance: "Manchmal gilt es, Einschränkungen auszuhalten, mitzutragen, um dann langfristig auch was Gutes zu gewinnen." Ihr "Grün-Mitstreiter" Jürgen Rohloff dagegen sieht das Konzept kritisch. Für ihn ist es zu sehr "Blumenschau". Er vermisse den langfristigen Sinn für die Natur "bei den Sachen, von denen ich bisher gehört habe".
Noch viel Überzeugungsarbeit
Vor Projektleiterin Claudia Schoch und ihrem IGA-Team liegt also noch viel Überzeugungsarbeit bei den Hochfeldern. Die Argumente für mehr Grün, neue Bäume, Bienenflächen und moderne Bewässerung lassen sich erklären.
Schwerer wiegt im Moment etwas anderes: Die Menschen in Hochfeld spüren vor allem, dass ihr Park weg ist. Und der Tag an dem sie wieder einfach ohne Zaun in "ihren" Park können, der liegt noch in einer weit entfernten Zukunft.
Unsere Quellen:
- IGA-Rundgang und Gespräch mit der WBD-Projektleitung
- Gespräch mit Geographie-Student Moritz Grzybowski
- Besuch der Gruppe "Grün für Hochfeld"
- Gespräch mit Anwohnern im Viertel
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Rheinpark-Sperrung spaltet Hochfeld, 06.08.2026, 05:10 Uhr