Landgericht Essen von außen

Buchhalterin gesteht Millionenbetrug in Essen

Stand:

Eine Buchhalterin hat ihren Arbeitgeber in Essen um mehr als eine Million Euro betrogen. Freitag hat dort am Landgericht der Prozess gegen die 58-Jährige begonnen.

Von Thomas Becker

Es wird kein schwieriges Verfahren werden für die Erste Große Strafkammer am Landgericht in Essen. Denn die Frau auf der Anklagebank ist voll geständig. Gleich zu Beginn des Verfahrens sagt ihr Verteidiger: "Die Vorwürfe sind zutreffend, es war so, wie es in der Anklageschrift dargestellt ist."

Und dann beginnt die 58-Jährige zu erzählen. 2019 habe sie in dem Essener Unternehmen angefangen, als Leiterin des Rechnungswesens. Eine Position, die ihr die Möglichkeit gab, das interne Buchungssystem zu manipulieren und Kontrollen zu umgehen. So konnte sie Überweisungen vornehmen, ohne dass ein anderer Mitarbeiter das prüfen musste.

Motiv: Geld für den Sohn

Die angeklagte Buchhalterin sitzt neben ihrem stehenden Verteidiger im Verhandlungsraum.

Vor Gericht gesteht die Angeklagte uneingeschränkt.

Bildquelle: WDR/Thomas Becker

Und die Angeklagte hatte ein finanzielles Problem: ihren Sohn. Den habe sie immer finanziell unterstützt, sagt sie im Prozess: "Ich konnte ihm nicht abschlagen, Dinge zu kaufen." Dafür habe sie zunächst Kredite aufgenommen. Doch dann reichte das offenbar nicht mehr. Im Januar 2024 überwies sie zum ersten Mal einige tausend Euro Firmengeld auf ihr Konto. Und das steigerte sich, die Beträge wuchsen, im Jahr 2025 wurden sie fünfstellig. 

Als Grund nennt die Angeklagte immer wieder ihren 2002 geborenen Sohn: "Ich brauche Geld, ich muss das und das bezahlen, Mama kannst du mir helfen", habe er gesagt. "Und ich habe ihn aus falsch verstandener Mutterliebe weiter unterstützt."

Ein Haus am Starnberger See

Der Großteil der Betrugssumme, mehr als 800.000 Euro, kam allerdings nicht dem Sohn zugute, er floss in ein ganz anderes Projekt: den Kauf eines Hauses im Örtchen Bernried am Starnberger See. Sie und ihr Mann hätten die Region und die Lebensart dort kennen und schätzen gelernt und überlegt, ihren Wohnsitz von Dorsten dorthin zu verlegen, erzählt die Angeklagte. Den Sohn hatte es beruflich auch schon nach Bayern verschlagen.

Also beschloss das Ehepaar, seine beiden Häuser in Dorsten zu verkaufen und eines am Starnberger See zu erwerben. Der Kaufvertrag in Bayern wurde unterschrieben, bloß waren die Häuser in Dorsten noch nicht verkauft, weil der Preis, den die Angeklagte sich vorstellte, nicht zu erzielen war. Im Juli 2025 überwies sie sich deshalb kurzerhand 833.000 Euro und bezahlte damit und mit einem zusätzlichen Kredit das neue Heim am See.

Vom Gefängnis ins neue Haus

Ende Juli sollte dann der Umzug stattfinden. Doch genau an diesem Tag kam die Polizei und nahm die 58-Jährige fest. Sie saß einige Zeit in Untersuchungshaft, kam dann aber wieder auf freien Fuß. Ihr Mann war inzwischen tatsächlich umgezogen, derzeit lebt die Angeklagte mit ihm und ihrem Sohn in dem mit ergaunertem Geld bezahlten Haus in Bayern. Und sie hat dort auch einen neuen Job als Buchhalterin gefunden.

Buchhhalterin gesteht Millionenbetrug

WDR Studios NRW 09.01.2026 29 Sek. Verfügbar bis 08.01.2028

Auf 1.023.864,77 Euro beziffert die Staatsanwaltschaft die Betrugssumme, die die Angeklagte ihrem Arbeitgeber zurückzahlen muss. Makler bemühen sich deshalb dringend, so beteuert die 58-Jährige, das Haus in Bayern zu verkaufen, genauso wie die beiden in Dorsten, die immer noch der Familie gehören.

Am Ende droht der Frau nicht nur der finanzielle Ruin, sondern auch eine Haftstrafe wegen gewerbsmäßigen Betrugs. Das Urteil wird Anfang Februar erwartet. 

Unsere Quellen:

  • Landgericht Essen
  • Reporter vor Ort

Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 09.01.2026, 14.31 Uhr

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