Neuer Prozess im Germanwings-Fall: bis zu 110.000 Euro Schadensersatz gefordert | Aktuelle Stunde

00:26 Min. Verfügbar bis 29.07.2028

Germanwings-Absturz 2015

Hinterbliebene verklagen Deutschland

Stand:

Nach dem Absturz eines Germanwings-Flugzeugs vor elf Jahren wird Ende August über eine Schadensersatzklage verhandelt.

Das Landgericht Braunschweig verhandelt ab dem 28. August die Schadensersatzklage von 30 Betroffenen, die vor elf Jahren Angehörige beim Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen verloren haben. Bei dem Vorfall kamen 150 Menschen ums Leben.

Vorwurf: Flugtauglichkeit nicht überprüft

Wie das niedersächsische Gericht am Mittwoch mitteilte, richtet sich diese Klage konkret gegen das in Braunschweig ansässige Luftfahrtbundesamt. Laut Klägern sollen die Behörden die Flugtauglichkeit des Copiloten nicht genügend überwacht und damit ihre Amtspflichten verletzt haben. Der damalige Copilot steuerte die Maschine absichtlich in den Abgrund.

Ende August soll nun der Prozess in Braunschweig beginnen. | Bildquelle: dpa/Michael Matthey

Schadenersatz von bis zu 110.000 Euro gefordert

Laut Gericht fordern die Kläger in dem Zivilverfahren Schadenersatz von je zwischen 500 und 110.000 Euro. Ob die Klage Erfolg haben wird, ist allerdings fraglich. Das Gericht hält es nach erster Einschätzung für wahrscheinlich, dass der Staat keinen Schadenersatz zahlen muss. Das hatte das Gericht vorab bereits schriftlich mitgeteilt. Eine Klage gegen den Mutterkonzern von Germanwings, die Lufthansa-Gruppe, wurde im Jahr 2020 abgewiesen.

Angehöriger: "Das kann ja wohl nicht wahr sein"

Klaus Radner kämpft seit 11 Jahren dafür, dass jemand für den Flugzeugabsturz in den französischen Alpen zur Rechenschaft gezogen wird. Der 71-jährige Unternehmer hat seine Tochter Maria Radner, eine bekannte Opernsängerin, seinen anderthalbjährigen Enkel Felix und seinen Schwiegersohn Sascha bei dem Absturz verloren.

"Ich verstehe die Welt nicht mehr! Da kann man doch nur noch verzweifeln." Klaus Radner
Klaus Radner hat Tochter, Enkel und Schwiegersohn bei dem Absturz verloren. | Bildquelle: WDR

Die Mitteilung des Landgerichts Braunschweig, in der angedeutet wird, dass die Ansprüche der Angehörigen sich gegen die Fluggesellschaft richten müssten, also gegen die Lufthansa, findet Radner unmöglich. "Das kann ja wohl nicht wahr sein, das Landgericht Essen hat uns doch genau aus dem Grund abgewiesen, weil es damals hieß, das Luftfahrtbundesamt sei zuständig", sagt er.

Schüler aus Haltern am See haben kurz nach dem Absturz Kerzen und Blumen für die Opfer aufgestellt. | Bildquelle: dpa

16 Schüler aus Haltern starben beim Absturz

Das Germanwings-Flugzeug hatte sich auf Weg vom spanischen Barcelona nach Düsseldorf befunden, alle Insassen kamen beim Absturz ums Leben. An Bord der Maschine waren 144 Passagiere und sechs Crewmitglieder. Unter den Toten waren insgesamt 72 Deutsche, darunter 16 Schülerinnen und Schüler und zwei Lehrerinnen einer Schule aus Haltern am See.

Schmerzensgeld-Prozess zu Germanwings beginnt Ende August

WDR 29.07.2026 00:24 Min. Verfügbar bis 28.07.2028 WDR Online

Download Podcast

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagenturen AFP, dpa

Sendung: WDR 5, WDR aktuell, 29.07.2026, 11 Uhr