Mutter aus Werne spendet Niere für ihre Tochter
Bildquelle: WDR/Claudia DolgnerWDR. 06:06 Min.. Verfügbar bis 11.03.2028. Von Claudia Dolgner.
Kerstin Stolze aus Werne besucht ihre Mutter Annette täglich. Die beiden verbindet ein ganz besonderes Band, denn die Mutter hat ihrer Tochter ein unbezahlbares Geschenk gemacht: Annette Stolze spendete eine ihrer Nieren und rettete damit ihrer Tochter Kerstin das Leben.
Seit sieben Jahren lebt die heute 56-jährige Kerstin nun mit dem Organ ihrer Mutter. Bis es dazu kam, hatte Kerstin Stolze eine lange Krankengeschichte hinter sich.
Psychische Erkrankung in der Jugend
Kerstins Leidensweg beginnt schon früh. Mit 17 Jahren erhält sie die Diagnose: bipolare Störung. Die junge Frau muss starke Medikamente nehmen. Darunter auch Lithium. Bereits damals waren mögliche Auswirkungen des Medikaments auf die Nieren bekannt. Dennoch: Lithium war lange als Standardtherapie bei bipolaren Erkrankungen eingesetzt - meist unter regelmäßiger medizinischer Kontrolle.
Für Kerstin Stolze war die Spenderniere ihrer Mutter ein unbezahlbares Geschenk.
Bildquelle: WDR/Claudia DolgnerDoch nach vielen Jahren stellen Kerstins Nieren den Dienst ein. Sie muss an die Dialyse, dreimal die Woche, für mehrere Stunden. Da ist sie 48 Jahre alt. "Es war der blanke Horror für mich", erinnert sich die ehemalige Vermögensberaterin an diese Zeit. Nur eine Nierentransplantation konnte sie retten, aber ein Spenderorgan stand nicht zur Verfügung.
Mutter Annette entscheidet sich zur Nierenspende
Während dieser Zeit ist Mutter Annette an der Seite ihrer Tochter. Sie leidet mit ihrem Kind, möchte irgendwie helfen. Als sie hört, dass es keine Spenderniere gibt, zögert sie keinen Augenblick und bietet Kerstin eine ihrer eigenen Nieren an.
Mit ihrer Niere schenkte Annette Stolze ihrer Tochter neue Hoffnung und Lebenszeit.
Bildquelle: WDR/Claudia DolgnerZuerst lehnt die Tochter entsetzt ab, weil sie ihre Mutter nicht gefährden will. Aber eine Freundin überzeugt sie dann doch, das Geschenk anzunehmen. Mutter und Tochter melden sich zu der Operation an.
Langwieriges Prozedere beginnt
Aber zunächst prüfen Ärzte und Psychologen die beiden sozusagen auf "Herz und Nieren." Man will sichergehen, dass Annette nicht von ihrer Tochter zu dieser Entscheidung gedrängt wurde. Sogar vor einer Ethikkommission muss Annette aussagen. "Ich war empört. Ich habe gefragt, was unterstellen Sie mir? Ich bin eine Mutter und will mein Kind retten!", erinnert sich die heute 79-Jährige.
Transplantation im Uniklinikum Münster
Eineinhalb Jahre dauerte es, bis die Mutter die Erlaubnis bekommt, ihr Organ für die Tochter zu geben. 2019 ist es soweit: Beide werden in den OP geschoben, Kerstin bekommt eine Niere ihrer Mutter transplantiert. Die Transplantation verläuft glatt, die Patientinnen sind bald wohlauf und starten eine gemeinsame Reha.
"Ich trage wortwörtlich einen Teil meiner Mutter in mir." Kerstin Stolze
Heute, sieben Jahre später, geht es beiden gut. Kerstin kann wieder ein aktives Leben führen. Sie fährt Rad, spielt Bridge und leitet eine Selbsthilfegruppe für Transplantierte in Werne. "Ich bin meiner Mutter unendlich dankbar", erzählt sie mit Tränen in den Augen. Und auch der Mama geht es gut. "Ich merke gar nicht, dass da was fehlt. Kerstin ist glücklich und lebt, das ist mir das Wichtigste", freut sie sich. Und schiebt noch hinterher: "Ich würde das immer und immer wieder so machen."
Unsere Quellen
- WDR-Interview mit Kerstin und Annette Stolze
- Selbsthilfegruppe "transplantiert LEBEN WERNE"
- Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe des Kreises Unna (KISS)
- Netzwerk Organspende NRW
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Dortmund, 20.08.2026, 19:30 Uhr
