Schule in Schwerte: Fünfte Klasse ohne Smartphones | WDR aktuell

WDR 02:00 Min. Verfügbar bis 15.06.2028

Projekt an Schule in Schwerte

Diese fünfte Klasse hat keine Smartphones

Stand:

Am Ruhrtal-Gymnasium in Schwerte dürfen alle Schüler ihre Smartphones schon länger nicht auf dem Schulgelände benutzen. Die Schule geht jetzt noch einen Schritt weiter.

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Eltern einer neuen fünften Klasse sichern dem Gymnasium zu, dass ihre Kinder bis mindestens Ende der sechsten Klasse kein eigenes Smartphone bekommen. Die Vereinbarung ist freiwillig - in den anderen Klassen wird alles wie bisher gehandhabt. Die Schule orientiert sich damit an der Elterninitiative "Smarter Start ab 14".

Nebenwirkungen von Smartphones und Social Media

Mit dem Projekt reagiert die Schule auf die Auswirkungen der Smartphonenutzung, die die Lehrkräfte oft bei ihren Schülern beobachten. "An erster Stelle merkt man das an der Aufmerksamkeitsspanne, die immer weiter zurückgeht. Ich glaube, Kinder brauchen durch die Gewöhnung an Games, Social Media, die digitale Welt, immer wieder schnelle Inputs - das macht Schule so erstmal nicht mit", sagt Tobias Kraushaar, Lehrer und Digitalisierungsbeauftragter am Schwerter Gymnasium.

Lehrer Tobias Kraushaar hat als Digitalisierungsbeauftragter das neue Projekt an der Schule mitgestaltet. | Bildquelle: WDR / Thomas Gerhardt

Deshalb ist es der Schule umso wichtiger, einen bewussten Umgang mit Medien zu fördern und Kinder langsamer an Smartphones heranzuführen - damit sich die Fünftklässler voll und ganz auf das Lernen konzentrieren können.

Familien dankbar für Projekt

Die Idee stößt bei vielen Familien auf großes Interesse. So auch bei Familie Müller aus Iserlohn. Der zehnjährige Benjah wechselt nach den Sommerferien in die smartphonefreie Klasse. Dafür hat er sich gemeinsam mit seinen Eltern entschieden.

In seiner Freizeit liest Benjah gerne Bücher. Ein Smartphone besitzt er nicht. | Bildquelle: WDR / Thomas Gerhardt

Er ist von der Idee grundsätzlich überzeugt, trauert aber schon ein bisschen einem eigenen Smartphone hinterher, auch weil seine beiden älteren Brüder eins haben: "Also es ist schon irgendwie doof auch, weil man selber dann halt nicht den ganzen Kram machen kann, den die so am Handy machen. Aber das kann man ausblenden."

Um genau solchen sozialen Druck zu reduzieren und Konzentration zu fördern, will die Schule mit ihrem Projekt einen bewussteren Umgang fördern und langsamer an Medien heranführen. Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, Technik zu verteufeln. Digitale Medien wie Laptops oder Tablets bleiben weiterhin Teil des Schulalltags.

Der Einfluss von Social Media

Der Umgang mit Smartphones wird in vielen Familien diskutiert. Dabei geht es vor allem um den Einfluss der sozialen Medien wie Instagram und TikTok. Das Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat sich in Zusammenarbeit mit der Krankenkasse DAK in einer Studie mit dem Effekt von Social Media auf das Online-Kaufverhalten von Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Für die Studie wurden 1.005 Kinder und Jugendliche und jeweils ein Elternteil befragt. Das sind die Ergebnisse.

Soziale Medien und der Einfluss auf Online-Shopping

Influencer und soziale Medien haben einen erheblichen Einfluss auf das Online-Kaufverhalten von Kindern und Jugendlichen. 47 Prozent der Mädchen und Jungen im Alter von 10 bis 17 Jahren werden durch Social-Media-Werbung auf Produkte aufmerksam. 40 Prozent werden durch Empfehlungen von Influencerinnen und Influencern beeinflusst.

In einer Befragung haben 12,2 Prozent der Kinder und Jugendlichen angegeben, bis zu 1.200 Euro im Jahr beim Online-Shopping auszugeben. Ungefähr ein Drittel (32,1 Prozent) kaufen für immerhin bis zu 240 Euro pro Jahr ein. Bei den Produkten geht es vor allem um Kleidung, Schuhe und Accessoires (66,9 Prozent), aber auch Eletronik (43,6 Prozent).

Kinder und Jugendliche sind psychologisch und neurobiologisch noch in der Entwicklung. Deshalb seien sie besonders beeinflussbar durch Werbung und Influencer in den sozialen Medien, heißt es von Kerstin Paschke, der Studienleiterin und ärztlichen Leiterin des Deutschen Zentrums für Suchtfragen des Kindes- und Jugendalters am UKE.

Handy‑Experimente und Social‑Media‑Verzicht an NRW‑Schulen

Ähnliche Vorstöße wie in Schwerte gibt es auch an anderen Schulen, wie zum Beispiel in Solingen. Mit Beginn des laufenden Schuljahres ist auch hier an sämtlichen weiterführenden Schulen eingeführt worden, dass Schüler der fünften Klasse auf Social Media verzichten. Die Mehrheit der Eltern hat sich dazu bereit erklärt, darauf zu achten, dass ihre Kinder auch zu Hause auf Social Media verzichten.

In Bergisch Gladbach lief zu Beginn des Jahres ein Experiment, bei dem eine siebte Klasse inklusive Lehrerin ihre Handys für drei Wochen in einen Glaskasten gesperrt hat - der volle Entzug also. Zwar waren sich nach den drei Wochen viele der Schüler sicher, dass sie ihr Handy weiter nutzen werden - aber das vielleicht nicht mehr die ganze Zeit.

Smartphonefreie Schule in Schwerte

WDR 15.06.2026 00:37 Min. Verfügbar bis 14.06.2028

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Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit Tobias Kraushaar in Schwerte
  • WDR-Interview mit Familie Müller in Iserlohn
  • bisherige WDR-Berichterstattung

Sendung WDR.de, Smartphonefreie Schule in Schwerte, 15.06.2026, 5:05 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 15.06.2026, 12.45 Uhr

Kommentare zum Thema

  • Spielplatz 16.06.2026, 16:06 Uhr

    Ein tolles Projekt, fast schon mutig, wenn man diese negativen Reaktionen liest. Verrückt, dass man sich heute rechtfertigen muss, dass sein Kind kein Smartphone besitzt...müsste ja eigentlich umgekehrt sein! Lasst die Kinder draußen spielen, selbst Erfahrungen machen, im Hier und Jetzt leben und nicht auf viereckige Teile starren... und auch wir als Eltern oder Erwachsene sollten hier ein Vorbild sein! Seid achtsam mit euch und euren Kindern! Was diese Schule da probiert, ist genau der richtige Weg!

  • Maximilian 15.06.2026, 18:35 Uhr

    Auch ohne Smartphone gab es zu meiner Zeit Schultrends, die wie analoge Algorithmen funktionierten u. das Kaufverhalten beeinflussten. Damals waren Vanilia-Hosen oder Netzhemden angesagt in fünfter Klasse. Der Zauberwürfel, fast alle kannten die Formel, setzte sich durch. Yoyos lagen im Trend. Natotaschen wurden kurz darauf mit Kuli gestaltet. Später trugen wir Halstücher aus dem Indien-Shop und dazu Schieberkappen. Bis heute verstehe ich das Sammelsurium der Trends nicht. Adidas Universal war cool, der Schuh Top-Winner von Puma zum Fremdschämen. Aber in den Pausen gab es mehr Gemeinschaft. Wir spielten mit Tennisbällen Fußball oder Rundlauf um die Tischtennisplatte. Oder Schlagball mit einer Kugel Silberpapier. Zu dieser Zeit waren eher die Lehrer das Problem, nicht die Schüler. Schule war eine pädagogische Geisterbahn.

    • Ruhri 15.06.2026, 20:57 Uhr

      Zustimmung, @Max, die Mechanismen sind die gleichen wie früher. Nur hat niemand bei einer Leseratte von Büchersucht gesprochen oder bei Panini-Bildern und Wundertüten von Sammelsucht bei fortlaufenden Kaufanreizen die Kinder verführen. Der Lehrer hat Literatur empfohlen statt Comics, wir haben schnell selbst gelernt wie schnell das Taschengeld aufgebraucht war, in freier Entscheidung lernt man besser mit diesen Dingen umzugehen. Die ganze Verbotsdebatte ist kompletter Müll. Als Motivation glaube ich nicht „Schutz“ sondern vermute Unterschieben von Überwachung, dazu einen Angriff Art. 5(1) Grundgesetz: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“ Auch weiß ich noch wie Ursula von der Leyen den Spitznamen ZENSURsula bekommen hat.

    • @Ruhri 16.06.2026, 15:06 Uhr

      Bei totaler Meinungsfreiheit dürfte ich nach Lust und Laune beleidigen und bedrohen, das ist aber aus guten Gründen nicht erlaubt und steht unter Strafe.

  • Vera Aloe Spüli 15.06.2026, 18:01 Uhr

    Die Eltern tragen Verantwortung, wenn die Kinder später Haltungsschäden entwickeln. Die Schulen sollten generell die Smartphonenutzung untersagen und zwar für alle bis Ende zehnte Klasse. In der Freizeit könnten die Kinder dann ihr Handy nutzen.

    • Aquaman 15.06.2026, 21:19 Uhr

      Finde ich genauso

    • Azzuro Klar Spüler 15.06.2026, 22:56 Uhr

      ... und Strom auch, damit werden ja diese bösen Fernseher betrieben. Und besser auch Papier, da stehen ja auch üble Sachen drauf. Leute, kommt endlich in die Gegenwart, ihr könnt doch nicht die Uhr auf Kosten der Kinder zurückdrehen, nur weil ihr mit der Entwicklung überfordert seit.

    • @Azurro 16.06.2026, 15:02 Uhr

      Fehlentwicklungen müssen wir korrigieren. Manche Wege führen halt in den Abgrund, die macht man dann dicht oder leitet sie um.