Musik an und ran an die Arbeit: Die Schülerinnen und Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule Mülheim wollen die schnöden Toiletten auf dem Pausenhof in bunte Wohlfühlorte verwandeln.
Die Elftklässlerinnen Ranya und Mira kleben schwarze Blumensticker an die roten Türen: Pusteblumen, Sonnenblumen und Schmetterlinge - jedes Klo hat sein eigenes Motiv. "Das haben wir Mädels gemeinsam so abgestimmt, ganz demokratisch". Die Jungs haben sich für das Thema Sport entschieden: auf jede Tür kommt ein Sticker, etwa mit einem Gewichtheber, Fußballspieler oder Handballer.
Schüler übernehmen die Verantwortung für die Toiletten
Schultoiletten sind ein Thema für sich und sorgen an vielen Schulen für Streit und Ärger. Verstopfte Kloschüsseln, vollgepinkelte Böden, abgerissene Wasserhähne, Vandalismus. Auch an der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Mülheim mit 1500 Schülerinnen und Schülern ist das ein Problem.
Mit dem neuen Projekt "Demokratie auf dem stillen Örtchen" soll alles anders werden. Die Idee: Die Schüler bestimmen mit, wie sie ihre Klos gestalten und in Schuss halten. Die Hoffnung der Lehrkräfte ist, dass sie dann auch sorgfältiger damit umgehen und alles sauberer bleibt.
Schüler wünschen sich mehr Gehör
"Das zeigt uns einfach, dass wir auch eine Stimme und das Sagen haben an der Schule. Und es gibt uns ein gutes Gefühl, dass die Lehrkräfte das fördern und wertschätzen. Viele Schüler fühlen sich nämlich nicht gehört", meint Elias und dekoriert die Urinale mit grünen Sieben, auf denen ein Fußballtor mit einem kleinen Ball angebracht ist - passend zur WM.
Der 17-Jährige wünscht sich generell mehr Mitspracherecht der Schüler: "Das sollte normal sein". Die Aktion sei zwar viel Arbeit, aber "ich helfe hier gerne mit, dafür dürfen wir auch entscheiden, was wir mit der Toilette machen".
Tatsächlich sind die Klos nach zwei Stunden kaum wiederzuerkennen: Spiegel an der Wand, Kunstblumen auf den Heizkörpern, Glühbirnen an den Leisten, sogar Discokugeln an den Decken. "Wie eine Clubtoilette", schwärmt auch Mathelehrerin Alexandra Savvidou, die die Schülerinnen und Schüler bei dem Projekt begleitet.
"Lernen verändert sich. Lehrkräfte dürfen sich nicht so wichtig nehmen und müssen den Schülerinnen und Schülern mehr zutrauen". Alexandra Savvidou, Beratungslehrerin
Hoffnung auf Wertschätzung
Auch der 14-jährige Emil engagiert sich bei dem Projekt, "weil die Toiletten immer sehr dreckig sind und wenn sie sauber sind, möchte man lieber draufgehen und nicht einhalten und auf zuhause warten".
Die Lehrkräfte hoffen, dass das Projekt von Schülern für Schüler zu einem Umdenken bei vielen Jugendlichen führt. Sie sollen ein größeres Verantwortungsbewusstsein, mehr Wertschätzung gegenüber dem Schulinventar entwickeln und das von Generation zu Generation weitergeben.
Toilettenpaten sollen für nachhaltig saubere Toiletten sorgen
Damit das Projekt auch nachhaltig klappt, sollen Toilettenpaten im Einsatz sein. Sie sollen dafür sorgen, dass alles sauber bleibt, nichts geklaut und zerstört wird. Einmal die Woche wollen sie sich treffen und organisieren, welche Schüler die Toiletten aufschließen und beaufsichtigen.
Denn die Kinder, die die frisch designten Klos benutzen, müssen sich in eine Liste eintragen und angeben, wann sie auf welchem "Örtchen" waren. Alles wird dokumentiert. Auch eine App soll bei der Organisation helfen. Die Schülerinnen und Schüler können darin Vorschläge sammeln, diskutieren und kommentieren. Die Krupp-Stiftung fördert das Projekt mit 20 000 Euro.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und Gespräche der Reporterin vor Ort
- Gustav-Heinemann-Gesamtschule Mülheim
- Krupp-Stiftu ng
Sendung: WDR.de, Projekt sorgt für saubere Schultoiletten in Mülheim, 24.06.2026, 16:55 Uhr