Bilanz nach Waldbränden in Südwestfalen
Bildquelle: WDR/ Eva Schulze-GabrechtenWDR. 02:36 Min.. Verfügbar bis 17.08.2028.
Die Waldbrände in Südwestfalen sind alle gelöscht - trotzdem ist noch jede Menge zu tun. Vor dem Rettungszentrum Hochsauerlandkreis in Meschede türmen sich Container voller Wasserschläuche. Viele der ursprünglich gelben Schläuche sind schwarz verfärbt. Sie kommen mitten aus den Waldbrandgebieten in Sundern und Marsberg.
Philipp Schulte von der Feuerwehr im Hochsauerlandkreis koordiniert die Aufräumarbeiten. Hinter ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen liegen aufreibende Tage. Noch bis zum Sonntagabend liefen die Nachlöscharbeiten in Marsberg. 45 Hektar Wald standen in Flammen und verursachten hier einen der größten Feuerwehreinsätze der letzten Jahrzehnte.
Größter Feuerwehreinsatz seit Jahrzehnten in Marsberg
Philipp Schulte, Leiter Technik bei der Feuerwehr im Hochsauerlandkreis
Bildquelle: WDR/ Eva Schulze-GabrechtenDie Schläuche werden in einer speziellen Maschine vom Ruß befreit und auf mögliche Löcher überprüft. Am Mittag stapeln sich in einem Container schon dutzende Exemplare, die die heftigen Einsätze nicht überstanden haben. Insgesamt 1.000 Schläuche müssen jetzt auf Vordermann gebracht werden, schätzt Schulte. Dazu kommt die Überprüfung der Klamotten, Geräte und Fahrzeuge.
"Wir arbeiten im Moment schon im Zwei-Schicht-Betrieb. Aber wir können das Ausmaß noch gar nicht einschätzen. Wir können jetzt nur Vollgas geben." Philipp Schulte, Leiter Technik bei der Feuerwehr im Hochsauerlandkreis
Denn oberstes Ziel ist es, wieder einsatzfähig zu sein, betont Schulte. Der nächste Waldbrand komme bestimmt. Sicherheitshalber hat die Feuerwehr im Hochsauerlandkreis laut Schulte daher schon 350 Schläuche nachbestellt, um sofort wieder ausrücken zu können.
Große Unterstützung unter Einsatzkräften: "Wir können stolz sein"
In der letzten Woche sind insgesamt mehr als 60 Hektar Wald in Südwestfalen abgebrannt. Bei Bränden in Sundern, Möhnesee, Marsberg und Altena. Teils standen die Flächen zeitgleich in Flammen. Das machte den Einsatz besonders schwierig, erklärt Markus Paetzold von der Feuerwehr Möhnesee:
"Normalerweise können wir Einsatzkräfte aus Arnsberg zur Unterstützung anfordern. Die waren aber selbst im Hochsauerlandkreis gefordert." Markus Paetzold
Glücklicherweise kamen Löschzüge aus dem gesamten Kreis Soest sowie aus Hamm und Unna zur Hilfe, so Paetzold. So hätten zeitweise bis zu 500 Einsatzkräfte gleichzeitig gelöscht. Ein echter Erfolg, betont der Feuerwehrmann.
Folgen für die Natur: "Wald um sechs bis acht Jahre zurückgeworfen"
Die Spuren der Waldbrände werden noch lange zu sehen sein. Die sechs Hektar Wald, die am Möhnesee verbrannt sind, werden sich nur langsam erholen, schätzt Revierförsterin Diana Göke. "Die Vegetation hier wurde jetzt sechs bis acht Jahre zurückgeworfen. Junge Eichenkulturen haben gebrannt, das ist alles weg", so Göke.
Sie teilt zwar die Forderung des Deutschen Forstwirtschaftsrates, der angesichts der starken Waldbrände in Deutschland und Belgien aktuell einen Umbau zu mehr Mischwäldern fordert. Betont aber auch: "Endgültig schützen kann das den Wald nicht. Der verbrannte Wald hier am Möhnesee war auch ein Laubmischwald."
Brandursachen noch unklar - Ermittlungen wegen Zigarettenkippe in Altena
Die Ursachen für die Waldbrände in Südwestfalen sind noch unklar. In Altena stand zwichenzeitlich eine Zigarettenkippe als Auslöser für den Waldbrand in Verdacht. Das könne man weder bestätigen noch dementieren, heißt es dazu am Montag von der Polizei. Die Ermittlungen zu den Brandursachen laufen noch in allen betroffenen Gebieten.
Uwe Schwarz, stellvertretender Kreisbrandmeister Hochsauerlandkreis
Bildquelle: WDR/ Eva Schulze-GabrechtenFest steht: Für die Feuerwehrleute in Südwestfalen waren die kräftezehrenden Einsätze der vergangenen Tage auch ein großer Erfolg. Alle Waldbrände konnten gelöscht werden, niemand wurde ernsthaft verletzt. Uwe Schwarz, der stellvertretende Kreisbrandmeister im Hochsauerlandkreis, sieht das als ein Ergebnis guter Ausbildung. Und großen Zusammenhalts:
"Alle Kommunen aus dem Hochsauerlandkreis - sofern sie nicht selbst betroffen waren - sind der Feuerwehr in Marsberg und Sundern zur Hilfe gekommen, um die erschöpften Einsatzkräfte auszulösen. Wir dürfen wirklich mit Stolz auf die letzten Tage blicken." Uwe Schwarz, stellvertretender Kreisbrandmeister im Hochsauerlandkreis
Die Feuerwehren in Südwestfalen hätten alles gegeben, betont Schwarz. Aber solch eine Brandlage bräuchten sie bitte so schnell nicht wieder.
Unsere Quellen:
- Feuerwehren Altena, Marsberg, Möhnesee, Sundern
- Gespräche und Beobachtungen der Reporterin vor Ort
- Polizei Hochsauerlandkreis, Kreis Soest, Märkischer Kreis
- Regionalforstamt Arnsberger Wald
- dpa-Meldung vom 17.08.2026: Ruf nach Waldumbau wird größer
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Sauerland, Siegerland und Südwestfalen, 17.08.2026, 16:30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Südwestfalen, 17.08.2026, 18:09 Uhr
