Um kurz vor neun zieht Hendrik Lind das erste Rolltor an der Bergstation der Kappe nach oben. Der 40-Jährige aus Winterberg Langewiese ist ein alter Hase. Mit 16 Jahren hat er angefangen, im Skigebiet zu arbeiten: "Damals war es noch ein Minijob. Heute ist es mein Traumberuf."
Lind hat sich hochgearbeitet. 2002 war er noch eine einfache Hilfskraft. Nach anderen beruflichen Zwischenstationen ist er heute Seilbahn-Betriebsleiter. Schreibt Dienstpläne. Und ist vor allem dafür verantwortlich, dass der Lift sicher läuft. Deshalb beginnt der Arbeitstag auch mit Routinekontrollen.
Erst geht es hoch in die Antriebsstation. Dort müssen Laufräder und Antriebsriemen überprüft werden. Unten im "Maschinenraum" ist es dann der 408-PS-starke Elektromotor. Und auch der deutlich kleinere Notantrieb, der im Störungsfall die Menschen in den Sesseln langsam, aber sicher zurück ins Lifthäuschen befördert.
"Die Anlage läuft sieben Tage die Woche - im Prinzip das ganze Jahr durch. (...) Da muss man schon aufpassen, dass nichts kaputt geht." Hendrik Lind, Seilbahn-Betriebsleiter Kappe Winterberg
Hochbetrieb im Sommer und Winter
Bis 2013 gab es an der Kappe nur einen kleinen Zweier-Sessellift. Die neue Anlage hat völlig andere Dimensionen. Sechs Skifahrer, Mountainbiker oder Wanderer haben in jedem Sessel Platz. 2.700 Personen können so pro Stunde hoch zur Bergstation gebracht werden. Kostenpunkt: rund sechs Millionen Euro.
Skifahren in NRW
Die meisten Möglichkeiten für Skifahrer in NRW bietet das Sauerland. Mit fast 100 Liftanlagen gehört die Region zu den wichtigsten deutschen Wintersportregionen jenseits der Alpen.
Auch in der Eifel bietet NRW kleinere Ski- und Wintersportgebiete.
In den Skihallen in Neuss und Bottrop sind Skifahren und Snowboarden mitten in NRW sogar im Sommer möglich.
Ein Investment, das sich gelohnt hat. Im Winter nutzen zehntausende Wintersportler den Lift - im Sommer sind es zahlreiche Mountainbiker. Die Winterberger Liftbetreiber sagen, dass die Sommersaison wirtschaftlich mittlerweile genauso wichtig wie der Winter ist. Ein Trend, der sich mit Blick auf den Klimawandel weiter verstärken könnte.
Gondel-Tattoo am Oberschenkel
Zurück im Lifthäuschen: Hier hat Hendrik Lind inzwischen zusammen mit einem Kollegen die letzten Sessel auf das Seilbahnkabel gezogen. Die Kappe ist startklar. Um kurz nach halb zehn kommen die ersten Mountainbiker an der Talstation an. Lind weist ein, hilft beim Fahrräder-Verstauen. Und zeigt uns noch ein ganz besonderes Tattoo.
"Die Gondel ist ein Symbol für die Seilbahntechnik. Und auch eines für mein liebstes Hobby: Skifahren. Das musste ich mir einfach tätowieren lassen." Und dann verabschiedet sich Lind auch schon in Richtung Büro. Hier verbringt er mittlerweile fast die meiste Zeit.
Dienstpläne müssen geschrieben, Ersatzteile bestellt werden. Immer griffbereit: das Handy. Falls es Probleme am Lift gibt. Heute ist das zum Glück nicht der Fall. Der Betrieb an der Winterberger Kappe läuft auf Hochtouren. Vor und hinter den Kulissen.
Alle Beiträge aus dieser Serie:
Unsere Quellen:
- Interview mit Seilbahner Hendrik Lind
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Sesselbahn Kappe Winterberg
Sendung: WDR.de, So tickt NRW - 9 Uhr: Traumjob Seilbahn-Betriebsleiter in Winterberg, 03.08.2026, 12:46 Uhr