Freundschaften wie die zwischen Leo (links) und Omar sind das große Ziel des Austauschs.
"Wenn ich jemals nach Israel reisen werde, kann ich immer zu ihm kommen. Das hätte ich nicht gedacht, dass so etwas so schnell funktioniert", sagt Leo Schmidt. Arm in Arm mit seinem neuen Freund Omar Dekel. Da sei einfach eine Freundschaft entstanden.
Auch Omer Dekel ist froh, dass er Leo kennengelernt hat: "Ich habe jetzt erfahren, dass es ist wichtig ist, Menschen zu treffen, ihnen gegenüber zu stehen und sie kennenzulernen."
"In sozialen Netzwerken gibt es so viele schlimme Beiträge, in denen die eine Gruppe etwas Schlechtes über die andere sagt." Omer Dekel aus Israel
Wegen Nahostkonflikt gemeinsamer Urlaub in Albanien
Gemeinsam mit anderen Jugendlichen und Helfern feiern sie heute in Siegen die deutsch-israelische Freundschaft. 20 Jugendliche aus dem Kreis Siegen-Wittgestein und der israelischen Region Emek Hefer sind gerade aus dem gemeinsamen Urlaub in Albanien zurückgekommen.
Die deutschen Jugendlichen wollten in diesem Jahr eigentlich die israelischen Familien besuchen, so wie es letztes Jahr umgekehrt stattgefunden hatte. Doch der Nahostkonflikt und die politische Situation in Israel machen das unmöglich. Die Lage gilt als zu unsicher.
Frühe Partnerschaft zwischen den Kreisen
Es ist eine ungewöhnliche Partnerschaft zwischen zwei Kreisen, die schon unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entstand. In einer Zeit, in der eine Annäherung zwischen Deutschen und Juden fast undenkbar war.
Viele tiefe Beziehungen sind entstanden. Menschen aus beiden Ländern, die jetzt in Siegen feiern, haben sich sich jahrelang um den Austausch gekümmert haben. Ohne sie gäbe es die Verbindung nicht mehr.
Freunde Dank des Austauschs: Hila Coehen (links) und Stella Tsolkidis.
Mor Maor zum Beispiel hat 1992 den Jugendaustausch mitgemacht, eine gute Freundin in Siegen-Wittgenstein gefunden und arbeitet ehrenamtlich im Austausch-Komitee. "Für mich ist klar: Wir müssen offen sein."
"Es ist wichtig, uns nicht als Staaten, sondern als Menschen zu sehen." Mor Maor aus Israel
"Ich wurde in den Austausch hineingeoboren. Meine Eltern, meine Großeltern hatten oft Jugendliche aus Deutschland zu Gast. Ich will einfach der nächsten Generation weitergeben, dass es wichtig ist, solche Kontakte zu haben und zu pflegen," sagt Sivan Winter aus Emek Hefer.
Sivan Winter aus Emek Hefer will den Kontakt nach Deutschland weiter pflegen.
Austausch wird zurzeit schwieriger
Die Erfahrungen sind offensichtlich durchweg positiv. Doch Barbara Friedrich vom Kreisjugendring in Siegen-Wittgenstein stellt fest, dass es immer schwieriger wird, einen solchen Jugendaustausch zu organisieren: "Die Eltern werden ängstlicher und auch die Kids durch soziale Netzwerke verunsichert- das ist ein großes Problem. Aber genau da setzt unsere Arbeit an."
Weitergeben, was man selbst mitbekommen hat - um die Freundschaft zu intensivieren und ihr eine gute Zukunft zu geben, finden im Siegener Lyz Ausstellungen, Gespräche, Videoprojekte und Konzerte statt.
Unsere Quellen:
- Eindrücke des Reporters vor Ort
- Gespräche mit Helferinnen und Helfern des Austausch-Komitees
- Gespräch mit Barbara Friedrich, Kreisjugendring Siegen-Wittgenstein
Sendung: WDR.de, Siegen feiert 60 Jahre deutsch-israelische Freundschaft, 25.07.2026, 13.14 Uhr.
