Bei dem Projekt "Design Fiction" - Pflege im Jahr 2045" geht es darum, Zukunftsszenarien für die Alten- und Krankenpflege zu gestalten - und das kreativ, praxisnah und ohne technisches Vorwissen. Auszubildende in der Pflege aus der Region und Studierende der Universität Siegen mit den Fachrichtungen Wirtschaftinformatik und Mensch - Computer - Interaktion haben sich zusammen getan. Das Ergebnis sind ganz unterschiedliche Ansätze. Gemeinsam haben alle den Einsatz von Technik und KI.
Roboter als Sterbebegleiter?
Ein Roboter beispielsweise könnte Berührungen eines anderen Menschen über große Distanzen übertragen. "Bridge-Touch" heißt dieser Prototyp: Ein kleiner Roboter mit treuem Blick, der bei der Sterbebegleitung eingesetzt werden könnte. Tausende Kilometer entfernt trügen Angehörige Handschuhe, deren Sensorik der Roboter an die sterbende Person übermitteln könnte.
Der Roboter-Hund "Chippy" kam beim Publikum besonders gut an. Er könnte Demenzkranke im Alltag begleiten, so die Zukunftsvision. Der smarte Hund soll seiner Betreuungsperson Wege zeigen, im Haus Licht- und Temperatur anpasssen und Ungewöhnliches per App beispielsweise an die Familie melden können. Gleichzeitig helfe seine Anwesenheit gegen Einsamkeit, so die Projektgruppe.
Der entwickelte Roboter "Aura" könnte die Morgenroutine im Krankenhaus übernehmen, dabei Blutdruck und Fieber messen. Die Daten würde "Aura" an das Pflegepersonal übermitteln. "So kann Zeit eingespart werden, die das Pflegepersonal für intensivere Betreuung nutzen kann", erläuterte das Entwickler-Team.
Mit dem Motto "Nähe trotz Distanz" stellte ein Team "HoloCare" vor. Optisch ähnlich wie eine Tischlampe, soll das Gerät in Zukunft Menschen per Hologramm zu ihren Angehörigen ins Wohnzimmer projizieren können. Pflegebedürftige blieben kommunikativ vernetzt, bekämen verbal Hilfe und müssten sich nicht allein fühlen.
KI ist nicht empathisch
Die Ideen sind erst einmal reine Zukunftsmusik. Die aber wichtig sei, um die Zukunft der Pflege sichtbar zu machen, so Claudia Müller, Professorin des Projekts.
"Wir spekulieren über die Zukunft, um daraus zu lernen und damit zu planen." Prof. Dr. Claudia Müller, Uni Siegen
Das Projekt ist Teil des Großvorhabens Fusion (Transformation des ländlich-industrialisierten Raums), das sich zum Ziel setzt, Wissenschaft und Gesellschaft lokal zu vernetzen.
Einig sind sich alle Projektgruppen bei ihrer Arbeit: Die Technik soll in Zukunft die Arbeit in der Pflege lediglich unterstützen. Nicht nur, weil Technik auch fehlerhaft sein kann. Sondern weil echte Menschen und damit ihre Menschlichkeit und Empathie nicht vollständig ersetzt werden kann.
Wie sieht Die Pflege in der Zukunft aus?
Bildquelle: WDR/Susanne SchoeppnerWDR. 28.05.2026. 00:39 Min.. Verfügbar bis 27.05.2028. WDR Online.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und Interviews der Reporterin vor Ort
- Universität Siegen
Sendung: WDR.de, Wie sieht die Pflege in der Zukunft aus?, 28.05.2026, 06:38 Uhr