Ende der Sondermülldeponie in Troisdorf-Spich
Bildquelle: WDR/A. BurghardWDR. 3 Min. 16 Sek.. Verfügbar bis 26.08.2028.
Wer von Troisdorf über den Mauspfad durch die Wahner Heide nach Köln fährt, der kann nur einen flüchtigen Blick auf die Sondermüll-Deponie erhaschen. Ein brauner Hügel lugt hinter den dichten Bäumen hervor. Mehr sieht man nicht. Auf der anderen Seite ist das Gelände weiträumig eingezäunt.
Hinein darf man nur mit Genehmigung der Betreiber-Firma MINERALplus. Und dort steht man als Besucher gleich vor einem massiven Berg aus Sondermüll. Lkw liefern noch am letzten Tag Material an, das nicht auf eine normale Müllkippe darf, weil es mit Schadstoffen belastet ist.
Bauschutt und Abfälle aus Batterie-Produktion
"Im Moment sind das vorwiegend Bauabfälle, Bodenaushub und teilweise Produktions-Abfälle. Zum Beispiel aus der Produktion von Glas oder Batterien", erklärt Frank Borchers. Er ist der Geschäftsführer von MINERALplus, "Aus alten Zeiten lagern in tieferen Schichten auch noch Abfälle von Dynamit Nobel."
Lkw aus ganz Deutschland belieferten die Sondermüll-Deponie in Troisdorf-Spich
Bildquelle: WDR/A. Burghard1986 hat der Sprengstoffhersteller Dynamit Nobel die Deponie eröffnet und hier seinen Sondermüll abgekippt. Dann folgten wechselnde Besitzer. Jetzt geht es dem aktuellen Betreiber darum, dass bloß keine gefährlichen Stoffe austreten können oder gar ins Grundwasser gelangen. Dafür soll eine unterirdische Dichtung sorgen – mit einer halben Meter dicken Tonschicht und noch mehr.
Deponie wird abgedichtet
Geschäftsführer Borchers zeigt das Muster einer speziellen Kunststoff-Dichtungs-Bahn. "Die kommt über die Tonschicht. Das Material ist zweieinhalb Millimeter dick, biege-steif, und es sorgt dafür, dass kein Wasser den Ton erreicht", erläutert Borchers. In den Boden bringen Fachleute zudem Sensoren ein, die auf mögliche Lecks hinweisen sollen.
Jahrelange Proteste der Anwohner
Viele Anwohner sind trotzdem skeptisch. Seit fast 20 Jahren protestieren sie immer wieder gegen den Sondermüll im Spicher Wald. Sie gründeten die Naturfreunde Troisdorf und forderten schon 2009 die Schließung der Deponie. Unterstützt wurden sie von den damaligen Fraktionen im Stadtrat und auch von der Stadtverwaltung. Heute ist der Troisdorfer Bürgermeister Alexander Biber froh, dass es mit dem Sondermüll in Spich nun ein Ende hat. "Das ist ein wunderbarer Erfolg", betont Biber, "Nicht nur für uns als Stadt Troisdorf, sondern auch für die Menschen, die hier leben."
Straßen-Pläne stoßen auf Widerstand
Doch die Troisdorfer Naturfreunde protestieren erneut. Und zwar gegen die Pläne des Bürgermeisters, die Zufahrt zur Deponie im Wald breiter und länger auszubauen – als Umgehungsstraße für Troisdorf-Spich. "Wir wollen nicht, dass unser Wald noch mehr belastet und durch eine zweispurige Straße zerschnitten wird. Wir dürfen den Wald als funktionierenden Lebensraum und als Klimaanlage nicht ramponieren", so Gerd Bücher, Sprecher der Naturfreunde Troisdorf.
Anwohner protestieren gegen Ausbau der Deponie-Straße in Troisdorf-Spich
Bildquelle: WDR/A. BurghardEinige Naturschützer hätten sogar gerne, dass die Deponiezufahrt ganz weg käme. Doch das geht nicht. Denn: Auf der Deponie ist längst nicht Schluss. MINERALplus arbeitet dort noch lange weiter. Denn das Gelände muss gesichert, rekultiviert und bepflanzt werden. Und das wird noch gut 10 Jahre dauern.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit MINERALplus
- WDR-Gespräch mit dem Bürgermeister von Troisdorf
- WDR-Gespräche mit Anwohnern
- Naturfreunde Troisdorf
- Archiv-Recherche
- Beobachtungen WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, Sondermüll-Deponie Troisdorf schließt nach jahrelangem Protest, 31.08.2026, 5:06 Uhr
