Mit einem bundesweiten Aktionstag haben am Mittwoch Taxifahrer und -fahrerinnen in insgesamt 14 deutschen Großstädten auf ihre "existenzbedrohende" Situation aufmerksam gemacht. Schwerpunkt der Demonstrationen war diesmal Nordrhein-Westfalen: Für sieben Städten waren für den Vormittag große Autokorsos durch die Innenstädte angekündigt.
- Wuppertal
- Dortmund
- Bochum
- Duisburg
- Köln
- Bonn
- Solingen
Fahrer fordern identische Festpreise für Uber und Taxis
Hintergrund der Proteste ist die schwierige wirtschaftliche Situation vieler Fahrer, welche die Branche vor allem mit der Konkurrenz durch Fahrdienstleister wie Uber oder Bolt erklärt. Für Michael Oppermann, Geschäftsführer des Bundesverbandes Mietwagen, beruht der große Erfolg der App-basierten Dienstleister nicht auf einem besseren Service, sondern vor allem auf einer aggressiven und unfairen Preispolitik. "Im Taxi gibt es behördlich festgesetzte Preise und revisionssichere Aufzeichnungen aller Vorgänge – bei Uber & Co herrschen Wildwest und Willkür. So kann Wettbewerb nicht funktionieren."
Die Branche fordert deshalb, dass der von den Kommunen festgelegte Mindestpreis künftig nicht nur für die klassischen "gelben" Taxis gilt, sondern auch für Uber und andere Dienstleister. "Wir haben nichts gegen Wettbewerb. Aber erst mit annähernd gleichen Preisen ist er auch fair", betont Oppermann. Bislang können sogenannte Plattform-Mietwagenfirmen wie Uber ihre Tarife ohne behördliche Kontrolle selbst festlegen, bei Taxis hingegen bestimmen die Städte und Gemeinden die Höhe der Preise.
Mehrere hundert Taxi-Fahrer protestieren in Düsseldorf
In Düsseldorf forderten mehrere hundert Taxis "Mindestpreise für alle". Der Korso begann an der Messe, wo sich die Fahrer trafen und Protest-Schilder zeigten, und führte dann durch den Kö-Bogen-Tunnel in der Innenstadt.
"Große Konzerne wie Uber und Bolt arbeiten im Graubereich, unterbieten uns mit Dumpingpreisen. Da kommt ein amerikanischer Großkonzern, der auf alles scheißt, und wir fordern Mindestpreise für die, dass wir die selben Rahmenbedingungen haben, dass die nicht für einen Appel und Ei fahren." Ali Jaouad, Taxifahrer
Viele Taxifahrer sagen, dass merklich weniger Kunden kämen als früher. Viele fürchten um ihre Existenz. Auch in Bonn gab es deshalb eine Taxi-Kolonne. Dutzende Taxis waren zu sehen wie sie über die Adenauerallee fuhren und am Museum Koenig vorbei.
"Familienunternehmen lohnt sich kaum noch"
Taxifahrerin Martina Heym beteiligte sich bei der Demo in Wuppertal: "Wir haben ein Familienunternehmen seit fast 60 Jahren. Das lohnt sich heute kaum noch. Am Samstagabend können wir die Autos praktisch stehen lassen. Da arbeitet ein Fahrer 8 Stunden und kommt dann mit 50 Euro zurück. Da lohnt sich gar nicht. Wir brauchen Mindestpreise für alle", fordert sie.
Streckenzähler und Einhaltung der Rückkehrpflicht gefordert
Auch Tahir Akbas nahm an den Protesten teil. Der Vorstand von Taxi Dortmund eG fordert: "Es muss ein Mindesttarif für Mietwagen kommen und die Fahrzeuge müssen ohne Ausnahme mit einem Streckenzähler ausgestattet sein." Auch die Einhaltung der Rückkehrpflicht für diese Fahrzeuge müsse eingehalten werden. Diese ist gesetzlich geregelt und sieht vor, dass Mietwagen von Firmen wie beispielsweise Uber nach jeder Fahrt zu ihrem Betriebssitz zurückfahren müssen, sofern kein Folgeauftrag vorliegt. Sie dürfen also nicht wie Taxis Kunden direkt an der Straße aufnehmen. Mietwagen-Unternehmen kritisieren, dass solche Leerfahrten wirtschaftlich und ökologisch nicht nachhaltig sind.
Interview Akbas Protest der Taxifahrer:innen
Bildquelle: WDR/Marc SenseWDR Studios NRW. 02.07.2025. 06:46 Min.. Verfügbar bis 02.07.2027. WDR Online.
Akbas wies im Interview mit dem WDR auch auf die Rolle des Taxis als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs und dessen Bedeutung für spezielle Personengruppen hin: "Bei Bedarf fahren Taxis den Schienenersatzverkehr, ausgefallene Buslinien oder Fahrten, die öffentliche Interessen betreffen, wie Schul- oder Behindertenfahrten. Taxis stehen in der Betriebs- und Beförderungspflicht und daher sind sie gegenüber Mietwagen jederzeit für die Menschen da."
Preise sehr unterschiedlich
Tatsächlich können die Fahrpreise für die gleiche Strecke stark variieren, je nachdem welches Unternehmen engagiert wird. Bei einem Test des WDR vor einigen Monaten kostete die einfache Fahrt zwischen dem Kölner Hauptbahnhof und dem Rhein-Energie-Stadion im Kölner Stadtteil Müngersdorf im klassischen Taxi je nach Verkehrslage zwischen 27 und 35 Euro. Bei Uber konnte man die Fahrt bereits für rund 18 Euro buchen, bei Bolt für rund 21 Euro.
Teilweise haben die klassischen Taxiunternehmen bereits mit neuen Services auf die Uber-Konkurrenz reagiert. So kann man in Köln oder Düsseldorf seit einiger Zeit auch "gelbe" Taxis zum Festpreis buchen: Dabei wird der Preis für die Strecke vor der Fahrt festgelegt und steigt auch dann nicht, wenn durch Stau oder andere Behinderungen die Fahrt deutlich länger dauert als geplant. Festpreise gibt es allerdings nur bei telefonischer Bestellung oder in der "taxi.eu"-App.
Das sagt Uber zum Taxi-Streit
Das Unternehmen Uber hält dagegen: Mit Mindestpreisen für Mietwagen gäbe es nicht mehr Fahrgäste für Taxis. Die Personen würden dann wieder vermehrt in den eigenen Pkw getrieben, äußerte sich das Unternehmen gegenüber dem WDR. Nötig wären stattdessen nach vorne gewandte Lösungen für moderne Mobilität und mehr Wettbewerb im Sinne der Umwelt, der Verbraucher und des Taxi-Gewerbes.
"Wir brauchen keine Zementierung des Status quo. Der Ruf nach mehr Regulierung sorgt nicht für eine Verbesserung der Situation, sondern schadet allen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Taxipreise durch flexible Vorab-Preise liberalisiert werden und so die Taxifahrer durch möglichst breite Korridore ihre Auslastung und somit auch ihre Umsätze signifikant erhöhen können", teilte Uber-Sprecher Oliver Fritz dem WDR schriftlich mit.
Unsere Quellen:
- Bundesverband Taxi
- Taxiruf Köln
- Bundesverband Mietwagen
- Uber
- WDR-Reporter in Düsseldorf, Bonn, Dortmund, Wuppertal
Über dieses Thema berichtet der WDR am 02.07.2025 auch im Fernsehen: Aktuelle Stunde um 18.45 Uhr.
Kommentare zum Thema
Ohja die armen Taxi Fahrer. Sorry aber uber funktioniert in anderen Ländern auch. Aber da lassen sich die Taxi Fahrer auch nicht so fürstlich entlohnen. Wirklich dir letzte Gruppe von Menschen die demonstrieren sollten.
Auch in anderen Ländern gehen die Taxifahrer und nicht nur die auf die Barrikaden. Unter anderem in Brüssel, London, Paris,Genf, New York usw. Zum Beispiel musste Uber 164 Millionen Euro in Australien an Taxiunternehmer wegen illegalem Verhalten zahlen. In den Niederlanden war die Strafe wegen Verstoß gegen die Datenschutzregeln 290 Millionen Euro fällig. Wir verstehen ja die Verbraucher das Geiz geil ist, aber die gesetzlichen Regeln sollen wir einhalten und natürlich den Mindestlohn zahlen. Hinzu kommt das in anderen Ländern auch wesentlich weniger bürokratische Vorschriften gelten. Alleine die ab Januar für Taxis geltenden neuen Steuervorschriften verursachen Erst-Kosten von 1.800€ je Fahrzeug ohne die dadurch entstehenden weiteren laufenden Kosten. Also vielleicht mal informieren was hinter diesen Preisen steht. Hinter den Taxen stehen nicht miloionenschwere Sponsoren sondern deutsch Bürokratie. Schon heute ist Uber teurer als Taxen wenn hoher Bedarf besteht.
Über den Ideenreichtum bei Lohn- und Sozialdumping auf allen Ebenen kann man nur staunen. Vielleicht könnte die gescholtene Bürokratie helfen, wenn Gewerbeanmeldung für private Personenbeförderung versagt wird, oder wenn Mieter verdrängt werden durch kommerzielle Vermittlung privater Hotelleistungen. Zwar geht mir der immer stärker werdende Drang zu verbieten auf den Senkel, hier ausnahmsweise mal nicht.
Schade das bei den ganzen Berichten nicht ordentlich recherchiert wird. Siehe auch meine Antwort bei Peter. Die taxitarife werden vom jeweiligen Kreistag bzw. dem Rat der Stadt festgelegt. Für die Beantragung einer Erhöhung muss eine fundierte Kostenkalulation vorgelegt werden. Diese wird vom Straßenverkehrsamt aufwändig und langwierig ( teilweise über mehrere monate) geprüft ggf. wird ein Gutachten erstellt das dann zur Vorlage in den Kreisausschuss bzw. Stadtausschuss gelangt. Dort wird nochmals beraten ob das in der vorgelegten Höhe genehmigt werden kann. Erst dann gelangt der Antrag auf Erhöhung in der Kreistag bzw. Rat der Stadt und wird dort beschlossen und im Amtsblatt veröffentlicht. Erst dann darf bzw muss der Unternehmer zur neuen Einstellung in die Werkstatt und anschließend zum Eichamt. Das hierbei auch noch mehrere hundert Euro für fällig werden sei am Rande erwähnt. Ab der Veröffentlichung hat die Fahrt nach dem festgesetzten Tarif zu erfolgen.