Probleme bei Streckensanierung der Bahn | Video

WDR 00:54 Min. Verfügbar bis 13.07.2028

Marode Infrastruktur

Warum es bei der Bahn-Sanierung Probleme gibt

Stand:

Auf der frisch sanierten Strecke Köln-Wuppertal-Hagen gibt es direkt wieder Probleme. Jetzt wird diskutiert, ob die Deutsche Bahn ihre groß angelegten Sanierungs-Projekte ändern muss.

Von Felix Wessel

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Eigentlich wollte die Deutsche Bahn am Freitag zum Ende der gut fünfmonatigen Generalsanierung der Strecke Köln-Wuppertal-Hagen gute Nachrichten verbreiten: Die Arbeiten seien pünktlich abgeschlossen und die Kosten sogar etwas niedriger als die geplanten rund 800 Millionen Euro.

Doch schon kurz danach gab es auf der Strecke wieder Probleme: Bei einer "routinemäßigen Prüfung" kam heraus, dass eine Eisenbahnbrücke in Opladen beschädigt ist. Deswegen ist dort nun ein Gleis gesperrt. Außerdem durften Züge auf der frisch sanierten Strecke zunächst nur Tempo 70 fahren, was für zusätzliche Probleme sorgte.

NRW-Verkehrsminister Krischer bei der Wiedereröffnung der sanierten Bahnstrecke Hagen-Wuppertal-Köln. | Bildquelle: WDR

NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer war am Freitag bei der feierlichen Streckeneröffnung mit dabei. Es sei - wie versprochen - gelungen, "diese Sanierung in der vorgegebenen Zeit voranzubringen", freute er sich da noch.


Im WDR-Interview am Sonntag klang der Grünen-Politiker dann sichtlich verärgert. "Wenn man sagt, wir machen eine Generalsanierung, wir sperren für fünf Monate, dann erwarte ich, dass bei der Wiedereröffnung auch alles funktioniert", so der Landesverkehrsminister. Die Brücke hätte in dem Zusammenhang eigentlich mit untersucht werden müssen, findet Krischer.

"Ganz offensichtlich hat die Bahn das nicht im Griff, anders kann man das im Moment nicht sagen." Oliver Krischer, NRW-Verkehrsminister

Auch der Bundesvorsitzende der Lokführer-Gewerkschaft GDL, Mario Reiß, sagte auf WDR-Anfrage: Besonders komplexe Anlagen wie Eisenbahnbrücken müssten "aufgrund ihrer langen Planungs-, Genehmigungs- und Bauzeiten weit vor der eigentlichen Streckensanierung untersucht und planerisch behandelt werden". Der Fall in Opladen werfe zumindest die Frage auf, "wie umfassend die Zustandserfassung und Priorisierung im Vorfeld einer solchen Korridorsanierung tatsächlich gewesen sind".

Wie kann es also sein, dass so kurz nach einer umfangreichen Sanierung so ein Problem neu auftaucht? Von der Bahn hieß es dazu: Die Brücke sei nicht erneuert worden, weil bisherige Inspektionen - zuletzt Ende 2025 - keine Schäden gezeigt hätten.

Die Strecke Hagen-Wuppertal-Köln wurde monatelang saniert. | Bildquelle: Rolf Vennenbernd/ dpa

"Im Einzelfall kann bei so einem großen Projekt immer etwas schiefgehen", sagt Professor Christian Böttger im Gespräch mit dem WDR. Er lehrt und forscht an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin zu Eisenbahn-Themen. Für Böttger ist jedoch klar: Die Häufigkeit, in der so etwas passiere, zeige, dass die Bahn einfach überfordert sei.

Marode Bahn-Infrastruktur macht große Sanierungsprojekte nötig - Probleme nicht nur in NRW

Die in vielen Teilen marode Infrastruktur in Deutschland muss dringend saniert werden. Bis Mitte der 2030er-Jahre will die Bahn deshalb nach und nach mehr als 40 wichtige Strecken erneuern. Die Rede ist hier von Generalsanierungen oder Korridorsanierungen.

In NRW hat vor Kurzem die Generalsanierung der Strecke von Troisdorf ins hessische Wiesbaden begonnen. Auch hier müssen sich Reisende monatelang auf Einschränkungen einstellen.

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Zuletzt gab es bei den Generalsanierungen auch außerhalb von NRW Probleme. So verzögerte sich die Sanierung der Strecke Hamburg-Berlin. Vor wenigen Tagen musste die Bahn außerdem verkünden, dass sie auch die Strecke Nürnberg-Regensburg in Bayern erst mit Verspätung wieder in Betrieb nehmen kann.

Bahn-Sanierung: Ressourcenmangel sorgt für Schwierigkeiten

Am Geld liege es nicht, betont Böttger. Mit den Generalsanierungen stehe der Bahn nun ungefähr doppelt so viel Geld zur Verfügung wie zuvor. Aber es gebe einen Ressourcenmangel an allen Ecken. Industrie, Baufirmen, Planungsbüros und auch Projektsteuerer hätten sich über die Jahre an die zur Verfügung stehenden Mittel angepasst, jetzt könne man zum Beispiel die benötigten Mitarbeiter nicht über Nacht ausbilden.

Auch bei der Sanierung der Strecke Hamburg - Berlin lief nicht alles wie geplant. | Bildquelle: Jens Büttner/dpa

Böttger sieht auch Versäumnisse bei der Bahn selbst: Diese habe etwa verpasst, genügend Abnahmeprüfer auszubilden, die man am Ende jeder Baumaßnahme braucht, um Anlagen wieder in Betrieb zu nehmen. Das sei ein "gravierendes Managementversagen", so der Bahn-Experte.

Die GDL weiß nach vielen Gesprächen mit Vertretern der Bauwirtschaft: Die Unternehmen benötigten frühzeitige Klarheit, welche Projekte wann, in welchem Umfang und unter welchen finanziellen Bedingungen umgesetzt werden sollen. Nur auf dieser Grundlage könnten sie Personal-, Maschinen- und Materialkapazitäten aufbauen.

"Wer von der Bauwirtschaft kurzfristig maximale Leistung verlangt, ihr aber keine langfristige Auftrags- und Finanzierungssicherheit bietet, darf sich über Kapazitätsengpässe und steigende Kosten nicht wundern." Mario Reiß, GDL-Bundesvorsitzender

Auch Bundesverkehrsminister Schnieder sieht Defizite

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder hat Defizite bei den Generalsanierungen eingeräumt. "Wir haben nicht alle Ziele erreicht, die wir vorher vereinbart haben", sagte der CDU-Politiker in einem Podcast von "Politico". Auch Bahn-Chefin Evelyn Palla hatte bereits mögliche Änderungen am Sanierungskonzept ins Gespräch gebracht. Wie genau die aussehen könnten, ist allerdings noch unklar.

Wie ließen sich die Bahn-Sanierungen besser umsetzen?

Der GDL-Vorsitzende Reiß hatte sich schon in der Vergangenheit kritisch über die Generalsanierungen geäußert. Eine Rückkehr zum "früheren System kleinteiliger Dauerbaustellen und immer neuer kurzfristiger Sperrungen" sei jedoch keine Alternative, stellt der Gewerkschaftschef auf WDR-Anfrage klar.

Aber wenn eine Strecke über Monate vollständig gesperrt werde, müssten die verfügbaren Bauzeiten auch konsequent genutzt werden. Eine Vollsperrung über mehrere Monate sei nur dann zu rechtfertigen, "wenn sämtliche relevanten Anlagen belastbar untersucht, die notwendigen Arbeiten vollständig erfasst und die Bauabläufe einschließlich aller Schnittstellen verlässlich durchgeplant wurden".

Christian Böttger, Bahnexperte und Professor an der HTW Berlin | Bildquelle: WDR

Aus Sicht von Böttger ist es an der Zeit, über neue Konzepte nachzudenken. So könnte man etwa darauf verzichten, die Strecken so lange komplett zu sperren. Stattdessen wäre es möglich, Züge eingleisig weiterfahren zu lassen. Hierfür müssten allerdings Regeln geändert werden. Doch bei der Bahn traue sich niemand, das anzupacken, sagt Böttger. Er befürchte, dass auch das Bundesverkehrsministerium das nicht angehen werde.

WDR-Bahnexperte: Grundidee der Generalsanierungen nach wie vor sinnvoll

WDR-Bahnexperte Niklas Hoth | Bildquelle: WDR

WDR-Bahnexperte Niklas Hoth hält die Grundidee der Generalsanierungen nach wie vor für richtig. Er sieht aber auch ein Problem: Die Bahn hat sich immer mehr von der Grundidee verabschiedet, dass nach ein paar Monaten Vollsperrung wirklich alles auf Vordermann gebracht sei und die Strecke dann praktisch wie neu sei.

Auf der Strecke Köln-Wuppertal-Hagen habe man etwa die Stellwerke nicht erneuert und auch nicht überall die Oberleitung - und eben auch nicht alle Brücken saniert. "So macht dieses Konzept natürlich nur bedingt Sinn", findet Hoth. Und der WDR-Reporter betont: Vor allem die Kommunikation bei der Bahn müsste an dieser Stelle verbessert werden.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interview mit NRW-Verkehrsminister Krischer (Grüne)
  • WDR-Gespräch mit Prof. Christian Böttger von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
  • WDR-Anfrage bei der Lokführergewerkschaft GDL
  • Einschätzungen von WDR-Bahnexperte Niklas Hoth
  • Bundesverkehrsminister Schnieder im Politico-Podcast "Berlin Playbook"
  • Material der Nachrichtenagentur dpa

Sendung: wdr.de, Warum es bei der Bahn-Sanierung Probleme gibt, 13.07.2026, 17 Uhr.
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 13.07.2026, 18:45 Uhr

Kommentare zum Thema

  • Sebastian 15.07.2026, 15:40 Uhr

    Unfassbar: Eben wurde das Enddatum des Opladener Brückenproblems auf zuginfo.nrw vom 20. Juli auf den 09. September 12:00 geändert (obwohl natürlich weiter unten die übliche Phrase auftaucht "Das Ende können wir leider noch nicht abschätzen."). Von der Bahn gibt es immer noch keine offizielle Informationen zum Schaden und der resultierenden Reparaturdauer. Das passt alles nicht zusammen und ist mehr als eine Unverschämtheit. Wie kann man nur so kommunizieren?

  • Lisa 15.07.2026, 14:43 Uhr

    Die Opladenrr Brücke wurde Ende 2025 überprüft und für mängelfrei befunden, kurz darauf, Anfang Februar wurde die Strecke vollständig wegen der Sanierung gesperrt. Die Belastungen dürften daher während dieser Zeit trotz der Baufahrzeuge deutlich geringer gewesen sein als im normalen Zugverkehr. Wie kann es dann in dieser Zeit zu solch gravierenden Schäden an besagter Brücke kommen, daß die Sicherheit gefährdet ist ?!? Wäre schön gewesen, hätte man seitens des WDR einen passenden Sachverständigen dazu angehört. Auf das Blabla der Bahnleute kann ich gerne verzichten, ist eh immer das gleiche nichtssagende Geschwafel. Aber hey, man staune: im Solinger Hauptbahnhof gibt's jetzt eine schicke WC-Anlage. Mal gespannt wie lange es dauert, bis der Vandalismus dort zuschlägt - wofür die Bahn natürlich nichts kann.

  • danke für nix cdu/csu 15.07.2026, 10:21 Uhr

    Wird noch spannend aufgrund der kaputten Schienen und der kaputten Brücken. Paradoxerweise ist der Sanierungs-Treiber die Nato/Bundeswehr, weil mit kaputter Infrastruktur kein Kriegs- bzw. Verteidigungsgerät schnell und zuverlässig in großer Zahl transportiert werden kann. Gilt für Straße und Schiene. Menschen die zuverlässige Versorgung benötigen, die zur Arbeit müssen - scheißegal, habt ihr halt Pech gehabt, macht doch Teleportation, wir sind da technologieoffen. Danke für nix CDU/CSU (haben die letzten 80 Jahre fast immer regiert).