Busse leer im Schienenersatzverkehr: Solinger nehmen S1-Ausfall locker

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Pendler zwischen Solingen und Düsseldorf müssen ein halbes Jahr ohne S1 auskommen. Viele sind genervt, aber nehmen es gelassen.

Von Benny Degen

"Achtung, dies hier ist der Ersatzbus für die S1", tönt es aus dem Buslautsprecher. "Dieser Bus fährt alle Halte auf der Strecke an. Wenn Sie direkt zum Düsseldorfer Hauptbahnhof wollen, kommt in vier Minuten der Schnellbus." Zügig steigen einige der Fahrgäste wieder aus, bevor sich die Türen des Busses schließen.

So wie Osman Caner. Er pendelt jeden Tag von Solingen nach Düsseldorf. Für ein halbes Jahr ist ab heute die Strecke zwischen den beiden Städten gesperrt, weil die Bahn neue elektronische Stellwerke einbaut. Das betrifft die Linien S1 und RE47. "Man kann sich immer beschweren, aber irgendwann muss hier ja auch mal saniert werden", meint Caner.

"Klar ist das nervig. Aber man muss eben einfach etwas Geduld mitbringen." Osman Caner

Immerhin: Eine Übersicht mit den aktuellen Wartezeiten auf die nächsten Ersatzbusse wird in Echtzeit auf einem digitalen Fahrplan angezeigt - sogar mit Audio-Option auf Knopfdruck.

Hoffnung, dass bald alles pünktlich fährt

Auch Michael Banz ist auf die Durchsage hin wieder aus dem Bus ausgestiegen und wartet nun auf den Schnellbus, der den RE47 ersetzt. Auch er ist Pendler und sieht die Situation ähnlich wie Osman Caner:

"Das ist ja nun das erste Mal heute, mal schauen, wie der Zeitaufwand so sein wird. Ich denke, man muss das in Kauf nehmen in der Hoffnung, dass dann demnächst alles pünktlich fährt."

Zwischen 07:00 und 08:00 Uhr ist normalerweise die Zeit mit dem größten Betrieb auf den Strecken von S1 und RE47, die von Solingen aus nach Düsseldorf fahren. Alle zehn Minuten fährt die S1 hier in diesem Zeitraum, so wie nun auch der Bus, der sie ersetzen soll. Der Schnellbus fährt zweimal die Stunde.

Kritik im Vorfeld

Im Vorfeld hatte es Kritik an diesem Plan gegeben. "So ein Bus hat eine Länge von 16 Metern und soll nun einen Zug mit einer Länge von 145 Metern ersetzen", erklärt Leon Kröck von den Grünen seine ursprünglichen Bedenken.

Kröck ist Vorsitzender des ÖPNV-Fahrgastbeirates der Stadt, der den Solinger Verkehrsausschuss berät. Der Beirat hatte eine höhere Taktung insbesondere des Schnellbusses in der Zeit der Streckensperrung gefordert.

Doch an diesem Montagmorgen ist der Bussteig erstaunlich leer. Vielleicht liegt es daran, dass es noch zu früh ist und der Hauptverker noch bevorsteht? Eine der ganz frühen ist Evelyn Ebbyzantes, die nach Düsseldorf zur Schule muss.

"Eine Stunde extra eingeplant"

"Für mich ist das sehr blöd", sagt sie, "ich muss eine halbe Stunde länger fahren. Ich bin halt auf die Bahn angewiesen, weil ich noch keinen Führerschein habe. Eigentlich ist die S1 auch viel schneller, als wenn man mit dem Auto fährt. Aber wegen meines Anschlusses brauche ich jetzt 1 Stunde und 25 Minuten statt wie vorher 45 Minuten."

Immerhin bekommt sie im ziemlich leeren Ersatzbus locker einen Sitzplatz. Während die Sonne aufgeht, füllt sich der Wartebereich langsam ein wenig, aber nicht ansatzweise so sehr, wie man es vermutlich erwartet hätte.

Sören Schön muss heute zu einem Arzttermin. "Ich habe ein Stündchen mehr eingeplant", erzählt er, "das ist meine persönliche Sicherheitsmaßnahme, um annähernd pünktlich zu sein."

Busse leer im Schienenersatzverkehr: Solinger nehmen S1-Ausfall

Bildquelle: WDR

WDR Studios NRW 06.05.2025 00:42 Min. Verfügbar bis 06.05.2027 WDR Online

Überraschend wenig Verkehr

Für ihn ist die aktuelle Situation keine Überraschung: "Willkommen in Deutschland. Wir haben jahrelang von der Substanz gelebt und das sind jetzt die Folgen, da müssen wir jetzt reinbuttern. Und das ist jetzt eben meine Stunde Extra-Einsatz."

Die Extra-Stunde kann aber auch er in einem nur spärlich besetzten Bus verbringen. Und auch in der Rushhour zwischen sieben und acht Uhr kann jeder ohne Probleme im Bus sitzen. Das kommt auch für den Fahrgastbeiratsvorsitzenden Kröck überraschend:

"Ich bin echt erstaunt, wie wenig Verkehr hier herrscht. Dann scheint das Angebot ja vielleicht wirklich okay zu sein." Woran mag es liegen, dass das erwartete Chaos hier heute ausbleibt? "Vielleicht spielt Homeoffice eine Rolle", überlegt Kröck.

Mögliche Ausweich-Bewegungen

"Oder die Menschen weichen einfach auf andere Verbindungen aus, die es ja auch gibt." Da wäre zum Beispiel die Buslinie 782, die bestimmte Bereiche in Düsseldorf anfährt oder die RB48 nach Haan, von wo aus man mit der S8 weiter nach Düsseldorf fahren kann.

Oder - und darauf geben die ersten Stunden einen Hinweis - die Menschen steigen dann doch lieber wieder ins Auto. Denn die A3 zwischen Hilden, wo ebenfalls ein Stellwerk gebaut wird, und Ratingen ist am selben Morgen noch viel voller als sonst. Die RB48 ist derweil zwar wie üblich verspätet, aber eben auch nicht wirklich vollgepackt.

So wie am Solinger Hauptbahnhof. "Wir werden uns das Ganze jetzt nochmal zu anderen Zeiten anschauen", sagt Kröck, "aber für den Moment kann man hier glaube ich einen Haken dran machen und sagen: das hat gut funktioniert'".

Und so ist die Erkenntnis an diesem Montagmorgen, dass endlich auch einmal etwas gut läuft im Nahverkehr - also im Kontext dessen, dass hier ja gerade eigentlich nichts läuft, versteht sich.

Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort

Über dieses Thema berichtet der WDR am 05.05.2025 auch in der Lokalzeit Bergisches Land um 19:30 Uhr.