Jetzt darf der Wolf gejagt werden

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Aktuelle Stunde 01.07.2026 12 Min. UT Verfügbar bis 01.07.2028 WDR Von Fritz Sprengart

Neues Jagdgesetz gilt Werden in NRW jetzt mehr Wölfe geschossen?

Stand:

Ab heute läuft die neu beschlossene Jagdsaison für Wölfe - die Bundesregierung hatte im April das Jagd-Gesetz angepasst. Wie viele Tiere dürfen geschossen werden? Wann ist was erlaubt? Und warum ändert sich in NRW erstmal nicht viel?

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Philipp Brandstädter

Das Wichtigste in Kürze

  • Es gibt erstmals eine Jagdsaison für Wölfe, die geht vom 1. Juli bis 31. Oktober
  • Wölfe, die wiederholt Nutztiere reißen, dürfen als Schnellabschuss gejagt werden
  • In Interventionsgebieten, mit gehäuften Schäden, können auch mehrere Wölfe oder ganze Rudel entnommen werden
  • Dazu braucht es für die Interventionsgebiete aber einen Managementplan, den gibt es in NRW nicht, also gibt es auch erstmal keine Jagdsaison

Eine reguläre Jagdsaison für den Wolf gab es in der Bundesrepublik noch nie: Offiziell wurde der Wolf zwar erst ab 1977 streng geschützt, aber da waren Wölfe in Deutschland schon lange ausgestorben - eine Jagd gab es also auch vorher nicht.

Jetzt ist der Wolf zurück - das sorgt für Freude, aber auch für Sorgen und Streit.

Schäfer Benedikt Hüttemann

Schäfer Benedikt Hüttemann

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"Es wird kommen, aber ich bin ungeduldig", sagt Benedikt Hüttemann. Er hält eine kleinere Schafherde in Schermbeck am Niederrhein. Vier seiner Tiere hat er schon an den Wolf verloren. Er fordert, dass jetzt endlich gejagt wird.

Wolfsexperte Jos de Bruine

Wolfsexperte Jos de Bruine

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Jos de Bruine findet es dagegen falsch, dass die Tiere jetzt prinzipiell geschossen werden können. Er arbeitet als Wolfsexperte im Naturwildpark in Haltern am See. "Wer bestimmt dann, was zu viele Wölfe sind?", fragt er. Normalerweise würden die Wölfe das selbst regeln.

Warum soll der Wolf jetzt gejagt werden?

Immer wieder reißen Wölfe Nutztiere wie Schafe und Ziegen - in Wenden im Kreis Olpe waren es im April 35 Schafe und Lämmer. Vor allem Schäfer und andere Nutztierhalter haben Angst um ihre Herden und fordern Gegenmaßnahmen.

Die Bundesregierung hat im April geliefert und das Jagdgesetz geändert - trotz Kritik von Naturschützern. Der Wolf darf wieder gejagt werden, wenn auch unter strengen Auflagen.

Alois Rainer (CSU), Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat

Alois Rainer (CSU), Bundeslandwirtschaftsminister

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"Mit der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdgesetz kommen klare, praxistaugliche Regeln und Rechtssicherheit", so Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU). "Damit kann dort gehandelt werden, wo Zäune oder Herdenschutzhunde nicht mehr ausreichen - gerade auch in den alpinen Regionen."

Wann dürfen Wölfe geschossen werden?

Es gibt grundsätzlich zwei Wege zur Jagd: Wenn ein konkreter Wolf Nutztiere reißt, darf er getötet werden - das ist der sogenannte Schnellabschuss. Und wenn sich in einer Region Vorfälle häufen, kann diese zum Interventionsgebiet werden - da darf dann in der Jagdzeit auch mehr als ein Tier oder sogar ein ganzes Rudel entnommen werden.

Carsten Schneider

Carsten Schneider (SPD), Bundesumweltminister

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Für beides müssen aber weitere Vorraussetzungen erfüllt sein, denn der Wolf bleibt ein geschütztes Tier. "Wichtig ist: Der Wolf darf bleiben", so Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). "Es geht nicht darum, den Wolf wieder zu vertreiben, sondern um gangbare Wege, friedlich mit ihm zu leben."

Heute beginnt die Jagdzeit, die im neuen Bundesjagdgesetz vorgegeben ist - sie geht vom 1. Juli bis zum 31. Oktober und gilt für Interventionsgebiete. Die können nur da erlaubt werden, wo ein "günstiger Erhaltungszustand" der Wolfspopulation vorliegt. In Deutschland ist das im größten Teil des Landes so, das hat ein Bund-Länder-Bericht an die EU schon 2025 festgehalten - auch wenn Tierschützer teils widersprechen.

Außerdem darf ein Interventionsgebiet nur dann eingerichtet werden, wenn es dort mehrere Schadensfälle mit Nutztieren gab, bei denen "zumutbarer Herdenschutz" gegeben war.

Ein Wolf steht auf einer Lichtung

Ein Wolf auf einer Lichtung.

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Wie genau so ein Gebiet geregelt ist und wie viele Wölfe geschossen werden dürfen, muss jedes Bundesland in einem Managementplan festlegen. Der soll sicherstellen, dass durch die Jagd der Wolfsbestand nicht gefährdet wird, aber eingehegt werden kann. Ohne so einen Plan, gibt es keine Interventionsgebiete und keine Jagdzeit.

In NRW gibt es einen solchen Managementplan bisher nicht - laut dem Jagdverband ändert sich hier deshalb vorerst nichts und die Jagdzeit fällt vorerst aus. Laut dem zuständigen Landwirtschaftsministerium soll der Plan für NRW voraussichtlich in diesem Jahr folgen.

Werden in NRW jetzt mehr Wölfe geschossen?

WDR 01.07.2026 4 Min. 36 Sek. Verfügbar bis 30.06.2028 WDR Online

Die Jagd ist in bestimmten Fällen auch außerhalb der Jagdzeit und ohne Managementplan möglich. Zum Beispiel dann, wenn ein bestimmter Wolf immer wieder Nutztiere angreift und andere Schutzmaßnahmen versagen.

Das wollte der Kreis Olpe nutzen und den Wolf jagen lassen, der im Kreis Wenden etliche Tiere gerissen hatte. Es wäre der erste Wolf in NRW, der nach dem neuen Bundesgesetz gejagt wird. Allerdings wurde die Erlaubnis vom Kreis Olpe vor Gericht zunächst kassiert - ohne weiteres können Wölfe also auch weiterhin nicht gejagt werden.

Wo beginnt die Jagd jetzt wirklich?

Einige Bundesländer haben besonders große Wolfpopulationen und die damit einhergehenden Probleme sind größer. Eins davon ist Niedersachsen - hier leben 54 von den 219 registrierten Wolfsrudeln in Deutschland. Die neuen Jagd-Möglichkeiten sollen schnell genutzt werden: Pünktlich zu Beginn der Jagdsaison ist hier der nötige Managementplan da.

Niedersachsen sieht je nach Region den Abschuss von maximal fünf beziehungsweise 22 Wölfen pro Jahr vor. Der Plan geht aber in einigen Bereichen auch weiter als es im Bundesjagdgesetz festgehalten ist. So gilt etwa ein lägerer Jagdzeitraum.

In Niedersachsen könnte es also schon bald die ersten Wolfsjagden in Interventionsgebieten geben. Alle anderen Bundesländer müssen erst noch entsprechende Regelungen vorlegen.

NRW gehört zu den Bundesländern in denen sich verhältnismäßig wenig Wölfe angesiedelt haben. Aber da, wo Wölfe Nutztiere reißen, ist die Geduld begrenzt. Klare Regeln für die betroffenen Regionen wird es aber erst mit dem Managementplan für NRW geben.

Unsere Quellen:

  • Niedersächsisches Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
  • Ministerium für Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW
  • Bundesjagdgesetz
  • Bundesregierung
  • Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
  • Bundesamt für Naturschutz
  • Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW
  • Jagdverband NRW
  • Nabu NRW
  • DBBW - Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf

Werden in NRW jetzt mehr Wölfe geschossen?

WDR 01.07.2026 4 Min. 36 Sek. Verfügbar bis 30.06.2028 WDR Online

Sendung: WDR.de, Werden in NRW jetzt mehr Wölfe geschossen?, 01.07.2026, 16:29 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 01.07.2026, 18:45 Uhr

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