"Never again" – "Niemals wieder", sage seine Familie in Israel. Niemals dürften sich die Greueltaten des Holocaust wiederholen. "Doch es ist wieder geschehen", sagt Liran Berman. Und jetzt steht der junge Israeli mit dem deutschen Pass zusammen mit einigen der wenigen letzten Zeitzeugen des Naziterrors hier im Düsseldorfer Landtag. Auf der Gedenkveranstaltung zu 60 Jahren Versöhnung nach dem Holocaust ist er auf einer Mission: "Ich muss meine Brüder zurück nach Hause bringen."
Gali und Ziv hatten am Morgen des 7. Oktober 2023 friedlich in ihren Betten geschlafen, im Kibbuz Kfar Aza, nur zwei Kilometer vom Gazastreifen entfernt. Hamas-Kämpfer verschleppten sie brutal. Von anderen, inzwischen befreiten Geiseln wisse seine Familie, dass die beiden heute 27-Jährigen noch am Leben seien. Doch die Zwillinge Gali und Ziv seien getrennt worden. Der Gedanke sei für ihn unerträglich. "Ich bin hier, um unter Freunden dafür zu kämpfen, dass sie lebend nach Hause kommen", sagt Liran.
"Wahre Freundschaft zeigt sich in der Dunkelheit"
Gerade in den schweren Stunden offenbare sich, wer wirklich zu Israel halte, sagt der Botschafter des Landes in Deutschland, Ron Prosor. "Wahre Freundschaft zeigt sich nicht im Licht, sondern in der Dunkelheit". Noch immer seien 58 Geiseln in der Gewalt der Hamas-Terroristen. Es müsse alles getan werden, damit alle so schnell wie möglich wieder nach Hause kommen.
Es gebe bereits Ideen, um neue Strukturen zu schaffen, wie man die Zivilbevölkerung, die im Würgegriff der Hamas sei, erreichen könne. "Wir sind dran. Wir werden es tun", versicherte er. "Wir müssen die Geiseln befreien und uns alle von der Hamas befreien, damit wir eine neue Zukunft aufbauen können." Prosor lobt: NRW sei einer der treuesten Begleiter Israels: "Ein Freund, der auch bei rauem Seegang fest an unserer Seite steht und uns gemeinsam durch schwierige Gewässer steuert."
Gemeinsame Werte müssen für alle gelten
Angesichts der Menschheitsverbrechen der Nazis sei diese Freundschaft alles Andere als selbstverständlich, sagte Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). Enge Bande zwischen beiden Völkern zeigten: Hass könne überwunden werden. Aussöhnung sei möglich. "Unsere enge Freundschaft zu Israel steht auf einem festen Fundament: unseren gemeinsamen Werten."
Israel sei die einzige Demokratie in der Region. In Israel gelten Rechtsstaatlichkeit, Meinungs- und Glaubensfreiheit. Vor allem das klare Bekenntnis zur unveräußerlichen Würde jedes Menschen sei Grundlage dieser Freundschaft. "Wir stehen an der Seite Israels, diese Werte gegen Angriffe zu verteidigen", sagt Wüst. Wer Israel das Existenzrecht abspreche, wer jüdisches Leben angreife, wer Terror relativiere – "der stellt sich gegen alles, was uns als demokratische Gemeinschaft ausmacht."
Gleichzeitig hebt Wüst das große Leid und die Not der Menschen im Gaza-Streifen hervor. "Wenn die gemeinsamen Werte universell sind, müssen sie für alle Menschen gleichermaßen gelten", unterstreicht der Ministerpräsident. Deshalb müssten Wege gefunden werden, die Versorgung der Zivilbevölkerung im Gazastreifen zu verbessern, "ohne damit der Hamas in die Hände zu spielen."
NRW hat die längste Beziehung zu Israel
NRW hat eine besonders enge Beziehung zu Israel. Die Freunde verbinden rund 30 Städtepartnerschaften sowie zahlreiche Partnerschaften und Kooperationen in Wissenschaft, Vereinen, Verbänden und Zivilgesellschaft. Daneben gibt es rund 50 Schulpartnerschaften, zudem Jugendbegegnungen und Stipendienprogramme für Studierende. Seit fünf Jahren baut NRW mit einem eigenen Landesbüro in Tel Aviv weitere Brücken – dem Büro für Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung sowie Jugend und Kultur.
Landtagspräsident André Kuper erinnert daran: "Im Jahr 1954 ging vom NRW-Landtag ein Impuls der Aussöhnung aus: Der jüdische Rabbiner und Gelehrte Leo Baeck sprach im Ständehaus." Es war die erste öffentliche Rede eines Holocaustüberlebenden vor einem deutschen Parlament.
Elf Jahre später nahmen Israel und Deutschland diplomatische Beziehungen auf. Kuper mahnt: "Wir sind uns bewusst, dass die Aussöhnung bis heute schwere Beziehungsarbeit ist. Wir haben uns der Freiheit und der Demokratie verschrieben. Wir sind dem Frieden verpflichtet." Auch der Schatten der aktuellen Herausforderungen dürfe nicht die Freude trüben, dass die Aussöhnung zu einer echten Freundschaft geworden sei, die bleibe.
Unsere Quellen:
- Feierstunde im NRW-Landtag