Jedes Jahr nimmt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Dienstwagen von Politikerinnen und Politikern bundesweit unter die Lupe: Wie umweltfreundlich fahren diejenigen selbst, deren Aufgabe es unter anderem ist, den Klimawandel zu stoppen? Das Ergebnis des diesjährigen "Dienstwagenchecks" ist ernüchternd.
Insgesamt attestiert die DUH der deutschen Spitzenpolitik ein schlechtes Zeugnis. 160 der 249 Dienstwagen erhielten die Rote Karte, weil sie mit ihrem CO2-Ausstoß den Grenzwert überschritten, den die EU für "Flotten" festgelegt hat. Besonders schlecht schneidet NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) ab. Sein Audi A8 - ein Sondermodell - ist ein Benziner. Das entsprechende Basismodell hat 571 PS, der CO2-Ausstoß liegt laut DUH bei 262 g/km.
Wüst bekommt dafür die Rote Karte der DUH. Gemeinsam mit Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) und Kai Wegner (Berlin) fährt er von allen 16 Ministerpräsidenten den am wenigsten umweltfreundlichen Dienstwagen.
Gepanzerte Limousinen zu schwer für E-Antrieb
2024, als die NRW-Politiker Wüst und Reul bereits schonmal schlecht abschnitten beim DUH-Dienstwagencheck, hatte der WDR die Hintergründe der DUH-Listung untersucht. Und festgestellt, dass formal besonders hochrangige Politiker - wie eben Ministerpräsident und Innenminister - in "sondergeschützten" Limousinen fahren müssen. Das heißt, normale Modelle werden mit einer Panzerung aufgerüstet und sind dadurch deutlich schwerer
In diesem Jahr hat die DUH ihre Systematik geändert: Die Panzerung der Fahrzeuge für besonders geschützte Politiker wurde bei der Bewertung nicht berücksichtigt. Durch das erhöhte Gewicht könnte der reale Verbrauch also noch höher liegen. Zudem wird nun nicht mehr angenommen, dass Plug-In-Hybride durchgehend im Verbrennermodus unterwegs sind. Die DUH setzt nun auch einen geringen Anteil an Elektrofahrten voraus, was sich mit Studien zur Dienstwagennutzung deckt.
Politiker fahren wieder mehr Verbrenner
Der Anteil von Fahrzeugen mit Verbrennermotoren in der Politiker-Flotte sei im Vergleich zum Vorjahr sogar gestiegen, sagte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz am Dienstag: Zwei von drei Dienstwagen in der Abfrage fahren mit klimaschädlichem Verbrennungsmotor. "Das ist eine Kampfansage gegen zukunftsgerichtete Verkehrspolitik und ein desaströses Signal für die deutsche Klimapolitik", so Metz. Die Politikerinnen und Politiker der Bundes- und Landesregierungen verfehlten damit ihre Vorbildfunktion "massiv".
NRW liegt im Ländervergleich insgesamt im mittleren Bereich: Auf Platz 9 von 16, mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 160 g/km. Von der DUH bekommt NRW dafür ebenfalls die Rote Karte.
Nur vier Ministerinnen und Minister mit E-Auto
In NRW fahren von den 13 NRW-Kabinettsmitgliedern nur vier ein Elektroauto - allesamt Grüne: Familienministerin Verena Schäffer, Verkehrsminister Oliver Krischer, Wirtschaftsministerin Mona Neubaur und Justizminister Benjamin Limbach.
Mit Benzin/Elektro-Hybriden unterwegs sind Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen, Schulministerin Dorothee Feller und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (alle CDU). Wissenschaftsministerin Ina Brandes, Europaminister Nathanael Liminski, Bauministerin Ina Scharrenbach und Finanzminister Marcus Optendrenk (alle CDU) fahren einen Diesel. Nur Wüst und Innenminister Herbert Reul (CDU) sind mit reinen Benzinern unterwegs und haben damit den höchsten CO2-Ausstoß im Kabinett.
Interessant: 2025 fuhr Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU) laut DUH ein Elektroauto. Inzwischen fährt er einen Diesel, der deutlich mehr CO2 ausstößt.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe vom 01.09.2026
- WDR Recherchen
Sendung: WDR.de, Dienstwagen der NRW-Minister im Klima-Check, 01.09.2026, 12:40 Uhr