Seit Jahren wird über eine Zuckersteuer auf süße Getränke diskutiert. Vor allem Gesundheitsverbände und -experten hatten immer wieder auf die Gefahren für den menschlichen Körper hingewiesen. Doch anders als etwa Großbritannien hat sich die Bundesregierung bislang schwer getan mit dieser Idee.
Jetzt besteht Handlungsbedarf - wegen der finanziell angeschlagenen Krankenkassen - und nun soll hierzulande eine neue Regelung kommen. Am Dienstag wurde bekannt, dass sich die Bundesregierung auf die Einführung einer Abgabe auf zuckerhaltige Getränke ab 2028 geeinigt haben soll.
Eine von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) beauftragte "Finanzkommission Gesundheit" hatte Ende März einen ersten Bericht dazu vorgelegt, wo und wie in der Gesundheitsversorgung eingespart werden könnte. Unter den 66 Vorschlägen der Kommission war auch die Idee einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke - wie Cola, Limo oder Eistee. Vorgeschlagen werden 26 Cent pro Liter, wenn mehr als fünf Gramm Zucker auf 100 Milliliter enthalten sind und 32 Cent bei mehr als acht Gramm.
Die Einnahmen sollen den gesetzlichen Krankenversicherungen zufließen. Deshalb handelt es sich um eine zweckgebundene Abgabe und keine Steuer. Das geht aus dem neuen Gesetzentwurf für die Krankenkassenreform hervor, der am Mittwoch vom Bundeskabinett beschlossen werden soll.
125 Liter Cola pro Kopf
Cola, Fanta, Sprite, aber auch hippe Softdrinks wie Mate-Limos, isotonische Getränke oder Energydrinks - sie alle enthalten oft große Mengen an Zucker. Fast 125 Liter solcher Erfrischungsgetränke trinkt jeder Mensch in Deutschland durchschnittlich pro Jahr.
Ganz oben auf der Beliebtheitsskala stehen Limonaden. Gefolgt von Cola und Cola-Mischgetränken in der "normalen" Version mit vollem Zuckergehalt, nicht light. Auch die Hersteller von Energydrinks wie Red Bull oder Monster verzeichnen seit Jahren stark steigende Absätze in Deutschland.
Cola enthält besonders viel Zucker
Eine Ein-Liter-Flasche Cola enthält volle 100 Gramm Zucker, umgerechnet etwa zwölf Teelöffel. In einer einzelnen Dose Cola sind es 35 Gramm. Auch Eistee hat es in sich: Laut Verbraucherzentrale trinkt man mit einem einzigen Glas je nach Sorte umgerechnet bis zu sieben Zuckerwürfel.
Die jetzt geplante Abgabe sei "ein zentraler Baustein für eine gesündere Ernährung und entlastet langfristig unser Gesundheitssystem", sagte die Chefin der Verbraucherzentrale, Ramona Pop, am Dienstag. Sie sprach von einer "guten Nachricht".
Zuckerabgabe: Das sind die Pläne der Regierung
Bildquelle: dpaWDR Studios NRW. 28.04.2026. 01:40 Min.. Verfügbar bis 27.04.2028. WDR Online.
Für Gesundheitsökonom Frank Wild ist sie ein richtiger Schritt, aber weitere müssten folgen.
"Der Blick auf andere Länder zeigt, dass die Zuckersteuer auch nur Teil eines Gesamtpaketes sein kann." Gesundheitsökonom Frank Wild
Es brauche ein ganzes Maßnahmenbündel, um das Thema anzugehen. Man müsse andere Aspekte auch mitdenken. Als Beispiele nennt Wild etwa Werbebeschränkungen oder das Essen in Schulen. Außerdem fordert er mehr Informationen und eine Verbesserung der Gesundheitskompetenz - mehr Menschen sollen also mehr darüber wissen, was gut für die eigene Gesundheit ist. Und es brauche "auch den Appell an die Eigenverantwortung".
Gibt es anderswo schon eine Zuckersteuer oder -Abgabe?
Vorbild ist unter anderem Großbritannien, wo 2018 eine Steuer auf zuckerhaltige Getränke eingeführt wurde. Laut einer Studie der Cambridge University hatte sich die Fettleibigkeit bei zehn- und elfjährigen Mädchen innerhalb von sechs Jahren um acht Prozent verringert. Umgerechnet seien das mehr als 5.200 Fälle von Übergewichtigen weniger pro Jahr in dieser Altersklasse. Außerdem haben viele Hersteller den Zuckergehalt ihrer Softdrinks gesenkt.
Damit die Abgabe auf Zucker ihre volle gesundheitliche Wirkung entfalte, müssten aber auch Süßstoffe einbezogen werden, sagte Verbraucherschützerin Pop. Das empfehle auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Außerdem müsse die Abgabe jährlich an die Inflation angepasst werden, "sonst verliert sie ihren Lenkungseffekt".
Wichtig sei außerdem, dass das Geld aus der Abgabe gezielt in Prävention fließe - vor allem in Programme für Kinder und Jugendliche.
Gesundheitspolitik wirkt am besten, wenn sie verhindert, dass Krankheiten überhaupt entstehen. Ramona Pop, Chefin der Verbraucherzentrale
Warum sollen süße Getränke reduziert werden?
Zwar ist Zucker auch eine lebenswichtige Energiequelle für den Körper. Herz und Gehirn zum Beispiel brauchen Glukose, um richtig zu funktionieren. Zu viel Zucker aber macht nicht nur dick, sondern kann auch zu diversen Krankheiten führen.
In ihrem Bericht hatte die "Finanzkommission Gesundheit" geschrieben: "Zuckergesüßte Getränke sind ernährungsphysiologisch komplett entbehrlich und fördern wegen der geringen Sättigungswirkung flüssigen Zuckers eine erhöhte Energieaufnahme." Der Konsum führe somit zu einer Zunahme des Körpergewichts und damit zu einem erhöhten Risiko für Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen oder Karies.
Diese Krankheiten führten zu hohen Kosten im Gesundheitssystem, heißt es in dem Bericht weiter: Die Kassen gingen von zusätzlichen Versorgungskosten durch erhöhten Softdrinkkonsum von etwa 3,5 Milliarden Euro pro Jahr aus.
Süßgetränke-Produzenten auch in NRW
Nordrhein-Westfalen ist ein wichtiger Lieferant süßer Getränke: Die mächtige Coca-Cola-GmbH betreibt an fünf Standorten in NRW Produktion oder Logistik. Das Unternehmen produziert nicht nur Coca-Cola, auch andere Süßgetränke wie Sprite, Fanta, Lift, Powerade oder Fuzetea gehören dazu.
Auch der Getränkehersteller Niederrhein Gold mit Sitz in Moers produziert nach eigenen Angaben täglich mehr als eine Million Liter Saft, Nektare, Fruchtsaftgetränke, Eistee und Wein. In Bielefeld sitzt der Limonadenhersteller Limoment, außerdem gibt es zum Beispiel mit Salvus, Römerwall, Schlossquelle, Carolinenbrunnen oder Ardeyquelle diverse Mineralbrunnen, die auch Limonaden herstellen.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
- Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin
- WHO
- IT.NRW
- Statistisches Bundesamt
- Verbraucherzentrale
- Gesundheitsökonom Frank Wild im Interview
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 28.04.2026, 21:45 Uhr
Kommentare zum Thema
Natürlich wäre es optimal, wenn wir nur noch Essen zu uns nehmen, welches sich -selbstverständlich freiwillig(!)- pflücken lässt und trinken, was aus'm Wasserhahn, (oder der Regentonne?), kommt. Steuerung über Steuern und Abgaben hat bisher selten funktioniert. Ergo: Eher eine willkommene, neue Einnahmequelle für "Vater Staat", der offenbar kaum noch weiß, wie Er seine (Finanz-)Löcher stopfen soll. Also: Neben den Rauchern ein neues "Feindbild" kreiert, nur um Mehreinnahmen zu generieren. Hauptsache Alk bleibt spottbillig, oder was?!?
Die Abgabe ist längst überfällig und ein wichtiger Schritt. Zu viel Zucker kann krank machen. Vor allem die jungen Leute trinken viel zu viel von diesen stark zuckerhaltigen Getränken.
Die jetzt geplante Abgabe sei "ein zentraler Baustein für eine gesündere Ernährung und entlastet langfristig unser Gesundheitssystem, sagte die Chefin der Verbraucherzentrale. Zitat. Ziemlich gewagt die Aussage. Was sagt langfristig aus? Das mehr den Kranken, weitere Kosten auferlegt werden? Ein unausgegorener Plan die Reform im Gesundheitssystem. Es kann teuer nachhaltig sich zeigen für Kranke, wenn der Staat weiterhin Sozial - Geld benötigt. Nicht jeder schafft es bei Genussmittel-Sucht- Konsum, die Finger davon zu lassen. Wer lässt sich von ihnen den Genuss verbieten? Appell mehr Eigenverantwortung, welcher Genuss- Süchtige hört darauf? Die Werbung für Zucker-Säfte hat much Umsatz gebracht. Der Staat sagte lange, Danke dafür. Zigarettenwerbung konnte die Politik verbieten, warum nicht bei Zucker / krankmachende Produkte vom Markt? Auch die Apotheke ist der Laden für freie Medikamente geworden von der Politik erlaubt. Der Arzt kuriert die Nebenwirkungen, die KK zahlt den Arzt?