Bittersüßes Kennenlernen : Bongeziwe Mabandla – "Ndingubani"
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Bongeziwe Mabandla aus Südafrika begeistert seit Jahren mit seiner einzigartigen Stimme und seinem frischen und minimalistischen Stilmix. Auf "Ndingubani" blickt er persönlich und offen zurück auf seinen bisherigen Weg – und richtet den Fokus auch auf dunkle Phasen.
Von Kai Brands
Wer bin ich?
Die Frage im Albumtitel "Ndingubani" - "Wer bin ich?" auf Xhosa (isiXhosa) - ist für den südafrikanischen Sänger, Songwriter und Gitarristen Bongeziwe Mabandla gleichbedeutend mit der Antwort: "Wer ich bin." Die eigene Identität und vieles, was sie ausmacht und ihn selbst beschäftigt hat, ist zentrale Idee hinter seinem fünften Studio-Album. "Ndingubani" ist sein persönlicher und offener Blick in den Rückspiegel, bevor es wieder nach vorne geht.
"Ich wollte autobiografischer sein. Ich wollte darüber schreiben, wo ich herkomme. Über die Erfahrungen, die ich gemacht habe. Ich wollte, dass die Leute mich besser kennenlernen und verstehen können", sagt er.
In Südafrikas Musikszene ist Bongeziwe Mabandla eine Instanz. Er hat sich über die Jahre und seine vier Studioalben viele Fans erspielt. Dreimal hat er schon den renommierten South African Music Award bekommen. Er performte fürs berühmte Online-Format COLORS und füllt seit Jahren auch internationale Venues. Deshalb hält er auf seinem neuen Album auch für Reflektion inne: "In meinem Leben war ich an einer Kreuzung. Es gab viele Veränderungen. Und ich denke, wenn du weißt, wer du bist, kannst du wissen, wo es hingeht – was der nächste Plan ist."
Musikalisches Archiv
Auf "Ndingubani" hält Bongeziwe Mabandla seine persönlichen Erfahrungen wie in einem musikalischen Archiv fest. Auf den insgesamt achtzehn Tracks auf Xhosa und Englisch thematisiert er mentale Struggles. Denn: Zu wissen, dass man mit etwas nicht allein ist, ist für ihn Teil des Heilungsprozesses.
Es geht auf dem Album um Depression, Einsamkeit, Druck – aber auch um Hoffnung. Es ist ein persönliches Album, auf dem er auf dem Song "Yalwa" Frauen und Mütter ehrt (seine eigene Mutter war alleinerziehend). Auf "Mpendulo" geht es um die tiefe Enttäuschung über eine nahstehende Person, der er etwas anvertraut hat und dann von ihr hintergangen wurde.
Egal ob zu einem wuchtig clubby Instrumental, reduzierten elektronischen Beat oder zu seiner Akustikgitarre - Bongeziwe Mabandla erzeugt mit seiner (Kopf-)Stimme intensive Gefühle bzw. transportiert die eigenen. Er hat seine ganze eigene Nische aus südafrikanischer Tradition, Indie-Folk und elektronischen Sounds geschaffen. Auch auf dem neuen Album ist sein Langzeit-Producer Tiago Correia-Paulo aus Mosambik dafür an seiner Seite.
Die Reise geht weiter
Bongeziwe Mabandla kommt ursprünglich aus der Kleinstadt Tsolo in der ländlichen Provinz Eastern Cape. Schon früh merkt er, dass er künstlerisch arbeiten will und besucht unter anderem ein Kunst-Internat. Später zieht er in die Großstadt Johannesburg, wo er an der Kunst- und Medienhochschule Schauspiel studiert. Währenddessen begann er seine Musikkarriere, spielte Shows und schrieb Songs.
Heute lebt er neben Südafrika auch in Frankreich. 2025 ist er nach Paris gezogen, tourt viel in Europa. Von hier aus sucht er auch nach neuen künstlerischen Verbindungen, ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit dem kamerunischen Artist Blick Bassy, der der einzige Gast-Musiker auf dem Album ist.
So schmerzhaft Rücklicke auch sein können, möchte Bongeziwe Mabandla auch Hoffnung ausstrahlen. Er weiß, wer er ist – und wird auch mit seinem neuen Album "Ndingubani" viele Menschen berühren, die es möglicherweise brauchen.