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Cover Future: "The Real Me"

King of Trap Future –"The Real Me"

Stand:

Future ist der einflussreichste Rapper des 21. Jahrhunderts. Er brachte Trap-Beats und Autotune in den Mainstream und machte Atlanta zur internationalen Hauptstadt des HipHop. Auf "The Real Me" verfeinert er seine Formel mit 22 tiefergelegten Tracks für die Straße und das Schlafzimmer.

Von Adrian Nowak

Future - "The Real Me"

COSMO Album der Woche 20.07.2026 03:05 Min. Verfügbar bis 20.07.2027 COSMO


Future ist der einflussreichste Rapper des 21. Jahrhunderts. Für die einen ist das Konsens, für die anderen Blasphemie. Für Oldschool-Vertreter ist er kein realer Rapper, sondern macht R’n’B mit Autotune-Gesang. Für Rap-Fans von heute steht er im Schatten von Genre-Königen wie Pulitzer-Preisträger Kendrick Lamar oder Streaming-Rekordhalter Drake. Allerdings hat niemand die Musikszene in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten so geprägt wie Future. Niemand hat so viele MCs beeinflusst, niemand so viele gute und schlechte Nachahmer wie Future. Ohne ihn gäbe es vielleicht nicht den Megaerfolg von Travis Scott, es gäbe keinen Trettmann in Deutschland, keinen Jul in Frankreich.

Trap King

Trap-Beats mit Autotune-Singsang und eine große Portion Melancholie – diese Formel machte Future populär. Auch wenn es schon vorher Autotune-R’n’B von T-Pain aus Florida gab und tiefergelegte Beats der 808-Drum-Machine eine lange Vorgeschichte in Houston, Memphis und Atlanta haben. Future hat auch die Grenzen zwischen realem Street-Rap und kommerzieller Popmusik gesprengt. Seine Songs verbinden eingängige Melodien und Mainstream-Appeal mit den ungefilterten Erzählungen eines ehemaligen Crackdealers. Ein Markenzeichen seiner Lyrics: die simple Wiederholung von coolen Namen und Marken aus der Sport-, Film- oder Modewelt: "Gucci, Prada, Tony Montana" in heutigen Rap-Texten verdanken wir ihm. Bei seinen Konzerten gipfelt das dann in ekstatischen Moshpits und Mitgröhl-Hooks. Auch diese neuartige Form der HipHop-Party verdanken wir zum großen Teil Future.

Atlanta Love

Angefangen hat die Geschichte von Future in Atlanta, wo er am 20. November 1983 als Nayvadius DeMun Wilburn das Licht der Welt erblickte. Sein älterer Cousin war der verstorbene HipHop-Producer Rico Wade, Mitglied des Produktionsteams Organized Noise, das u. a. verantwortlich ist für TLCs Welthit "Waterfalls". Unten, bei Ricos Mutti im Keller, traf sich die Dungeon Family, ein Kollektiv aus aufstrebenden Artists aus Atlanta. Darunter die damals noch unbekannten Outkast und Goodie Mob – die Crew des späteren R’n’B-Stars CeeLo Green. Schon als Teenager war Nayvadius mit im Studio, als Welthits eingespielt wurden – eine Riesen-Inspiration.

Weltstar Vibes

2010 begann Future mit ersten Solo-Mixtapes und Tracks wie "Tony Montana" Atlanta und den Rest des Dirty South aufzumischen. Später folgten neun international erfolgreiche Studio-Alben, unzählige Mixtapes, Megahits wie "Turn On the Lights" oder "Mask Off". Trap war nun nicht mehr eine obskure Rap-Strömung, sondern der prägende Sound der HipHop-Welt. Atlanta löste New York und L. A. als dominierende Rap-Metropole ab. Und die ganze Rap-Elite wollte ein Stück von Future abhaben. Der neue König von Atlanta arbeitete mit Jay-Z, Kanye West, DJ Khaled, Drake und Kendrick Lamar oder mit Popstars wie Rihanna, Taylor Swift und Ed Sheeran.

Der echte Future?

Auf seinem zehnten Album suchen wir Star-Features allerdings vergeblich. Auch der Titel "The Real Me" führt in die Irre, introspektive Zeilen und persönliche Einblicke sind die Ausnahme, es geht viel um Sex, Liebe und Erfolg, bleibt aber an der Oberfläche. Auf "If I Could" allerdings gibt der siebenfache Vater seinen Söhnen den Ratschlag, nicht in seine Fußstapfen zu treten, sondern lieber die Schule abzuschließen. Dazu wummert ein Standard-808-Beat, begleitet von souligen 80er-Jahre-Keyboard-Akkorden. Viel Gefühl gibt es auch auf "Weight Up", das mit einem runtergepitchten Sample von Country-Sänger Glen Campbell beginnt. Danach switcht der Beat zu Trap und die Thematik von Liebesdrama zur Crime-Story um Koksverstecke und Drogentransporte. Ein markantes Sample gibt es auch auf "No Misery". Hier spricht Atlantas Rap-Ikone André 3000 von Outkast: "One thing I can say is, Future has a certain pain behind what he's doing. And you can call it soul, you can call it whatever, but to me it comes off as pain." Danach gibt es einen sphärischen Beat, auf dem Future melancholisch flowt.

Turn up und Experimente

Natürlich gibt es auch deftige Party-Momente, darunter das mächtige "Trench Coat" oder "Konnichiwa", mit einem schrägen Synthie-Sample der französischen Space-Rockband Alpha Ralpha. Viele der 22 Songs hat man so ähnlich schon mal gehört. Ab und zu zeigt sich Future doch experimentierfreudig – manchmal misslingt das, wie auf "2018", wo er in einer irren Falsetto-Tonlage rappt, ein andermal gelingt ihm zusammen mit Producer Pharrell Williams ein pumpender Dance-Track wie "Alice". Hier liegt auch der Reiz von "The Real Me": Album Nummer zehn ist sicherlich nicht Futures bestes Werk, aber es ist schön zu hören, dass der 42-Jährige nach über zwanzig Jahren im Rapgame immer noch Lust an Neuem hat.

 

Future - "The Real Me"

COSMO Album der Woche 20.07.2026 03:05 Min. COSMO

Future ist der einflussreichste Rapper des 21. Jahrhunderts. Auf "The Real Me" verfeinert er seine Formel mit 22 tiefergelegten Tracks für die Straße und das Schlafzimmer.  |  audio