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Tropisches Eis mit Synthie Helado Tropical: "Helado Tropical"

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Das Superduo des Latin-Indie harmoniert schon auf dem Debüt-Album perfekt. "Helado Tropical" serviert Chillwave, Lo-Fi-Elektronik und Einflüsse aus den lateinamerikanischen Wurzeln – und alles fließt nur so ineinander.

Von Marc Mühlenbrock

Helado Tropical: "Helado Tropical"

Reviews 22.07.2026 04:00 Min. Verfügbar bis 21.07.2028 COSMO Von Marc Mühlenbrock


Helado Tropical besteht aus den Musiker:innen Helado Negro und Reyna Tropical. Helado Negro ist ein Indie-Artist aus Florida mit Wurzeln in Ecuador, mit dem auch Indie-Fans in Europa schon vertraut sein können, weil er schon einige Male hier getourt ist. Bekannt ist er für seinen chilligen Sound mit elektronischen Frickeleien, zu denen er – anders als bei diesem neuen spanischsprachigen Kollabo-Album – meist auf Englisch singt. Ein weiteres Markenzeichen des studierten Computergrafik- und Sounddesigners ist die Vorliebe für 80er-Retro-Optik in seinem Artwork und seinen Videos.

Reyna Tropical, geboren in Mexiko, ist ein:e non-binäre:r Artist aus der alternativen Musikszene Kaliforniens. Reyna hat auf Tour an der Gitarre ausgeholfen bei der wichtigen weiblichen Vorreiter-Punk-Band Sleater Kinney und ein Punk-Magazin für Frauen, queere und non-binäre Menschen ins Leben gerufen. Beide haben vorher schon gezeigt, was für unterschiedliche Facetten Latin Music haben kann, mit einer Art Lofi-Indie-Sound, der sich auf ihre Wurzeln bezieht. Auf ihrem Debüt-Album "Helado Tropical" bringen sie das zusammen.

Harmonie mit neuem Duo-Partner

Das gemeinsame Album klingt sehr homogen, so als würden die beiden schon ewig zusammen spielen. Das ist auch deswegen so erstaunlich, wenn man um die Geschichte hinter dieser Kollaboration weiß. Reyna war nämlich lange Teil eines Duos. Das andere Mitglied Nectali Díaz ist vor vier Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Jetzt hat Reyna einen neuen musikalischen Partner gefunden, und hier harmoniert alles: Die Lieder wirken wie Love-Songs, auch wenn die Texte sehr abstrakt bleiben, aber auch unausgesprochen spürt man zwischen den Zeilen ein großes Vertrauen der beiden zueinander.

 Softe Songs für heiße Sommertage

Dieses Vertrauen überträgt sich auch auf den Sound. Der hat keine Ecken und Kanten, die Drums sind abgedämpft, die Musik verschmilzt mit den Stimmen. Die beiden haben im Studio von Helado Negro in North Carolina viel mit Retro-Synthesizern gearbeitet, das sieht man schon auf dem Albumcover, wo sie von sechs Synthies umringt sind. Alles klingt also ein wenig nach 80er und trotzdem modern. Aber gerade die softe, konturenlose Produktion macht "Helado Tropical" zu einer perfekten Platte für die ganz, ganz heißen Sommertage. Der Klang des Albums ist nicht greifbar, im doppelten Sinne: Einmal, weil man ihn nur schwer beschreiben kann, was die Musik sehr interessant macht. Und weil der Klang eben so schön schwebend und federleicht ist. "Helado Tropical" fließt nur so dahin, während bei uns der Schweiß rollt.