Neubeginn : Ibeyi: "Offering"
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Mitte des vergangenen Jahrzehnts eroberte das Schwesternduo mit einem außergewöhnlichen Mix aus perkussivem Soul, reduzierter Elektronik und Yoruba-Kultur die Global Pop Welt. Es folgten Zusammenarbeiten mit Beyoncé und Chilly Gonzales. Mit "Offering" stellen sie alles nochmal auf null und erweitern damit ihren Horizont.
Von Marc Mühlenbrock
Aber vorher brauchten Ibeyi erstmal Zeit, um sich neu zu sortieren. Ihr Plattendeal mit XL Recordings war ausgelaufen. Das britische Indie-Label gilt als eines der renommiertesten überhaupt, u.a. veröffentlichen dort auch so Größen wie Radiohead, Beck oder Jack White. Für Ibeyi war XL aber immer mehr als ein Label – XL-Chef Richard Russell war so eine Art Mentor, seit er 2013 die beiden damals 18-jährigen Schwestern Naomi und Lisa-Kaindé Diaz unter Vertrag genommen hatte. Russell macht auch selbst Musik und hat die ersten drei Alben von Ibeyi produziert. "Offering" ist nun das erste Album, das sie auf ihrem eigenen Label Ibeyi Records veröffentlichen. Zusammen geschrieben und produziert mit einem Team aus Musikern aus England, Frankreich, Italien, den USA und Haiti.
Tribut an die Yoruba-Göttin
Die Veränderung hört man dem neuen Album nicht unbedingt an. Die Jahre bei XL waren schließlich auch sehr prägend. Das neue Album "Offering" ist aber konzeptionell ein Neuanfang. Dazu bemühen Ibeyi wieder die Yoruba-Kultur. Yoruba stammt eigentlich aus Nigeria und Benin, ist aber auch sehr präsent auf Kuba, wo der Vater der beiden Schwestern, das Buena-Vista-Social-Club-Mitglied Anga Diaz herkommt. Ibeyi singen auch teilweise auf Yoruba, der Bandname ist Yoruba für Zwilling. In ihrer allerersten und bis heute bekanntesten Single "River" von 2014, huldigen Ibeyi Oshun, das ist in der Yoruba-Kultur die Göttin der Bäche und Flüsse. Der erste Song des neuen Albums heißt "Olokun", benannt nach der Yoruba-Göttin des Meeres.
Einklang und Unterschiede
Metaphorisch sind Ibeyi also auf zu neuen Ufern – und das alles im Flow und sehr organisch – auch musikalisch gesehen. Auf "Offering" dominieren die perkussiven Beats, die analogen Instrumente und das eindringliche, beinah mystische Zusammenspiel der Zwillingsstimmen. Der Reiz der Band lag bei allem Einklang aber auch immer darin, dass die beiden Schwestern Naomi und Lisa-Kaindé so unterschiedlich sind. Naomi liebt Hip-Hop und ist bei Ibeyi für die Beats und die lauten Momente verantwortlich, z.B für das treibende "Moshpit" oder für den rhythmischen Part in der exzellenten ersten Single "Aset". Lisa-Kaindé ist die gefühlvolle Singer-Songwriterin: Wenn sie auf "Focus" von einer spanischen Gitarre begleitet wird, erinnert sie an Rosalía. Auf dem beinah Titeltrack "Offerings" hört man sie ganz reduziert nur mit E-Piano, was ein neues Element im Ibeyi-Klangkosmos darstellt.
Spirituelle Reise
Ibeyi haben den Sound, für den sie stehen, in alle Richtungen breiter gefächert, was "Offering" sehr abwechslungsreich macht. Bei den sehr körperlichen Tribals sind die Beats härter, die ruhigen Songs sind noch reduzierter, auf eben Klavier oder Akustik-Gitarre. Es erscheint fast so, als würde man mit Ibeyi auf Selbstfindungsreise gehen – eine spannende und beinah spirituelle Erfahrung.