Kelela: "new avatar" - Gitarre freigespielt
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Kelela hat als erste Schwarze Musikerin für ein House-Revival gesorgt, noch bevor Beyoncé die Musik zurück in den Mainstream gebracht hat. Auf ihrem dritten Album "new avatar" fügt sie ihrem elektronischen Sound die elektrische Gitarre hinzu.
Von Marc Mühlenbrock
Die Musikerin aus Washington mit äthiopischen Wurzeln ist bekannt für ihre ungewöhnlichen Genre-Fusionen, die aber immer sehr homogen wirken.
Für "new avatar" hat sie die elektrische Gitarre freigespielt, die ihrem House- und R'n'B-Mix eine interessante neue Note gibt. Schon das Eröffnungsstück "idea 1" erinnert in seiner Kombination aus harten Gitarrenanschlägen und verträumtem Gesang an Shoegaze. Die Musikrichtung ist Ende der 80er-Jahre in Großbritannien und Irland entstanden und bekannt dafür, dass die Sounds der E-Gitarre als breitflächige Texturen eingesetzt werden.
Shoegaze-Tribut
Der Einsatz der Gitarre ist auch ein Schritt zurück in die eigene persönliche Vergangenheit: Kelela war vor fast zwanzig Jahren Teil einer Progressive-Metal-Band. Die Hinwendung zum Shoegaze kann man aber auch als Statement verstehen, wie so häufig in der Karriere von Kelela, die gern musikalische Entscheidungen mit politischen Botschaften verknüpft.
Dabei geht es der 43-Jährigen darum, Räume für die Schwarze Kultur und vor allem für Schwarze Frauen zurückzuerobern. In den vergangenen Jahren ihrer Karriere galt das für House - ein Genre, das Anfang der 80er in den Black Communitys in Detroit und Chicago entstand, in dem heute aber vor allem weiße Männer erfolgreich sind.
Bei "new avatar" kann man nun reininterpretieren, dass sie an das weitestgehend unbekannte, von Shoegaze-Nerds aber kultisch verehrte afro-britische Duo A.R. Kane erinnern will, das Mitte der 80er Vorreiter für das Genre war.
Breakbeat mit PinkPantheress
Die Gitarren dominieren die A-Seite des Albums. Auf der B-Seite treten sie in den Hintergrund oder verschwinden ganz und machen Platz für die Musik, mit der Kelela in den vergangenen zehn Jahren bekannt geworden ist: alternativer R'n'B, hedonistischer House oder Breakbeat. Zum zweiten Mal kollaboriert sie mit ihrer britischen Kollegin PinkPantheress.
"the bridge" ist inspiriert von nächtlichen Fahrten durch New York: Nach einer wilden Clubnacht in Bushwick fährt Kelela zurück nach Manhattan über die Williamsburg Bridge, wenn es schon hell wird. Aber der Song steht auch für die Verbindung, für die metaphorische Brücke in einer queeren Freundschaft, in der man sich gegenseitig stützt. Nach der coolen und introvertierten ersten Hälfte verwandelt sich "new avatar" in ein warmes, lebensbejahendes Album, das ein positives Gefühl zurücklässt.