Wir schaffen das – wie schauen Sie auf die Flüchtlingskrise von 2015?
"Deutschland ist ein starkes Land", mit diesen Worten hat die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Bundespressekonferenz am 31.8.2015 ihren vielzitierten Satz "Wir haben so vieles geschafft – wir schaffen das!" eingeleitet. Wie blicken Sie nach zehn Jahren auf die Flüchtlingskrise und ihre Folgen? Diskutieren Sie mit dem WDR-Journalisten Bamdad Esmaili im WDR 5 Tagesgespräch!
Richtig, vernünftig, menschenwürdig – so hat Angela Merkel im Rückblick ihre Entscheidung im Sommer 2015 beschrieben, die Grenzen für Flüchtlinge aus Ungarn zu öffnen. Damals, im Flüchtlingsjahr 2015, gab es innerhalb einer Woche 1.400 Todesopfer im Mittelmeer, an einem anderen Tag wurden 4.000 Menschen vor dem Ertrinken gerettet. In der ungarischen Hauptstadt Budapest hausten tausende Flüchtlinge unter katastrophalen Umständen, vor geschlossenen Grenzen in Serbien, Mazedonien und Griechenland harrten Tausende unter unmenschlichen Bedingungen aus. In einem abgestellten Kühllaster auf einem Autobahnparkplatz in Österreich fanden Polizisten 71 tote Flüchtlinge.
Die Stimmung in Deutschland war aufgewühlt: Die schrecklichen Bilder von Kindern und Familien, die sich durch unwirtliche Gegenden kämpften, die in provisorischen Lagern menschunwürdig behandelt und sich selbst überlassen wurden, die vielen Toten im Mittelmeer, gingen den meisten zu Herzen. Der damalige SPD-Vorsitzende und Vizekanzler, Sigmar Gabriel, beschrieb die Maxime der Flüchtlingspolitik der Großen Koalition mit den Worten: "Frieden, Menschlichkeit, Solidarität, Gerechtigkeit: Das zählt zu den europäischen Werten. Jetzt müssen wir sie unter Beweis stellen." Und damals gab ihm die große Mehrheit der Deutschen Recht.
Wenige Monate später sah das schon anders aus. Die AfD, die mit der Flüchtlingskrise ihr Thema fand, wurde gestärkt, es gab Proteste, auch Angriffe auf Flüchtlingsheime, auf der einen Seite. Auf der anderen Seite aber auch ein großes bürgerliches Engagement für die Geflüchteten, durch Spenden, private Unterbringungen, Hilfe bei der Integration, beim Erlernen der Sprache.
Heute sind, allen Unkenrufe zum Trotz, ein Großteil der seit 2015 nach Deutschland gekommenen Flüchtlinge gut in den Arbeitsmarkt integriert. Ihre Beschäftigungsquote nähert sich einer Studie zufolge dem Bevölkerungsdurchschnitt an. Gleichzeitig wächst aber ihre Sorge über fremdenfeindliche Einstellungen: Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) äußerten einige oder große Sorgen vor Fremdenfeindlichkeit.
Derzeit leben knapp eine Million syrische Staatsangehörige in Deutschland. Seit dem Machtwechsel in Syrien, im vergangenen Dezember, sind etwa 4.000 syrische Staatsangehörige in ihr Heimatland zurückgekehrt.
Wie blicken Sie auf die Flüchtlingskrise von 2015 zurück? Haben Sie damals Flüchtlinge unterstützt? Sind Sie selber als Flüchtling nach Deutschland gekommen? Welche Erfahrungen haben Sie als oder mit Flüchtlingen gemacht? Was hat gut geklappt? Wo gab es Fehler? Haben Sie Überforderung empfunden? Wie bewerten Sie die Integration der Flüchtlinge? Wie schauen Sie auf die wachsende Fremdenfeindlichkeit?
Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).
Gast: Bamdad Esmaili, Journalist, Co-Autor der Doku "Danke, aber..." Zehn Jahre nach Merkels Versprechen
Redaktion: Birgit Becker und Monika Kophal