WDR 5 Tagesgespräch : Haben wir ein Problem mit Minijobs?
Unions-Politiker fordern die Abschaffung von Minijobs, da wo sie reguläre Arbeit verdrängen. Was als flexible Nebentätigkeit gedacht war, ist zum Dauerzustand geworden, oft ohne Perspektive. Sind Minijobs ein Problem? Und welche anderen Arbeitsmodelle brauchen wir? Diskutieren Sie mit Ökonomin Stefanie Seele im WDR 5 Tagesgespräch!
Sieben Millionen in der Minijob-Falle
Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland arbeiten in einem Minijob – und längst ist das Modell nicht mehr nur ein Zubrot für Rentner oder Studenten. "Zu viele Menschen stecken in der Minijob-Falle", kritisiert Stefan Nacke, Vorsitzender der Arbeitnehmergruppe in der Union. Seine Forderung: Minijobs sollten dort abgeschafft werden, da wo sie reguläre Arbeit verdrängen.
500.000 sozialversicherungspflichtige Stellen verdrängt
Forschungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung von 2021 belegen: In kleinen Betrieben verdrängen Minijobs bis zu 500.000 sozialversicherungspflichtige Stellen. Besonders in Gastronomie, Handel und Reinigungsgewerbe ist die geringfügige Beschäftigung zur Dauereinrichtung geworden.
Frauen besonders betroffen
Besonders betroffen sind Frauen: Was als flexibler Wiedereinstieg nach der Babypause gedacht war, wird häufig zur beruflichen Sackgasse. Das Zusammenspiel von Minijob und Ehegattensplitting sorgt dafür, dass sich eine Erhöhung der Arbeitszeit kaum lohnt. Die Konsequenz: Frauen bleiben jahrelang im Minijob, können sich beruflich nicht weiterentwickeln und bauen kaum Rentenansprüche auf.
Minijobber müssen meist keine Steuern oder Beiträge ins Sozialsystem zahlen
"Was einst gut gedacht war, hat sich zu einem Systemfehler entwickelt", so Nacke. Der Unions-Politiker spricht von einer "Parallelwelt der Arbeit", die das Fundament des Sozialstaats aushöhlt. Das Prinzip "brutto gleich netto" klinge verlockend, verlagere aber die Kosten für Krankheit, Alter und Arbeitslosigkeit auf die Allgemeinheit. Doch Minijobs haben auch ihre Fans: Sie bieten Flexibilität, sind unkompliziert und für viele ein wichtiger Zuverdienst. Brauchen wir also eine grundlegende Reform – oder würde das mehr schaden als nutzen?
Haben Sie persönliche Erfahrungen mit Minijobs gemacht? Als Arbeitnehmer oder als Arbeitgeber? Sehen Sie Minijobs eher als Chance für Flexibilität – oder als Falle, die sozialversicherungspflichtige Jobs verdrängt? Wie könnte ein alternatives Arbeitsmodell aussehen, das Flexibilität bietet, aber soziale Absicherung garantiert? Sollten Minijobs in bestimmten Branchen wie Gastronomie oder Handel eingeschränkt oder ganz verboten werden?
Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).
Gast: Stefanie Seele, Senior Economist für Arbeitsmarktökonomik am IW
Redaktion: Birgit Becker und Alina Eckelmann