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Hände eines alten Mannes mit Kanüle im Krankenbett

WDR 5 Tagesgespräch Keine teure Medizin für alte Menschen?

Der CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck polarisiert mit seinen Gedanken, die Abgabe von teuren Medikamenten an hochbetagte Patienten zu begrenzen. Was halten Sie davon? Schildern Sie uns ihre Meinung im Gespräch mit dem Medizinethiker Giovanni Maio im WDR 5 Tagesgespräch.

"Es gibt einfach Phasen im Leben, wo man bestimmte Medikamente auch nicht mehr einfach so benutzen sollte", sagte Hendrik Street bei Welt TV. Als Begründung führte er das Leiden seines sterbenskranken Vaters an. "Es wurde in den letzten Wochen, wo er gestorben ist, so viel Geld ausgegeben, und es hat nichts gebracht. Es wurden die neuesten Therapien aufgefahren, es hat nichts gebracht."

Widerspruch aus der Politik

Die Bundesregierung wies diese Äußerungen Streecks klar zurück. Der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer sagte, es sei legitim, wenn Streeck eigene Vorschläge mache. Aber er müsse sich auch der Verantwortung seines Amtes bewusst sein. Es wäre ratsam, bestimmte Themen zunächst vernünftig vorzubereiten. Meyer betonte, die Äußerungen des CDU-Politikers seien nicht die Position der Bundesregierung oder des Bundesgesundheitsministeriums.

Auch NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) widersprach Streeck. Die Politik müsse sich aus guten Gründen aus der Frage heraushalten, wer welche Arzneimittel bekommen sollte. Das sei eine medizinische Frage, sagte er dem "Spiegel".

Menschen "tot operiert"?

Streeck hingegen bekräftigte seine Aussage: Nicht alles, was medizinisch möglich sei, sei auch menschlich vertretbar. Ihm gehe es dabei nicht ums Sparen, so Streeck in der Rheinischen Post. Vielmehr müsse im Vordergrund stehen, wie man Menschen in der letzten Lebensphase verantwortungsvoll begleite, statt sie aus falschen Anreizen überzuversorgen.

"In Deutschland aber werden ältere, hochfragile Menschen nicht selten ‚tot operiert‘ – nicht aus Böswilligkeit, sondern weil unser System falsche Anreize setzt. Ein minimalinvasiver Herzklappenersatz oder die fünfte Hüftprothese – Eingriffe, die technisch brillant, rechtlich abgesichert und lukrativ sind – werden allzu oft durchgeführt, ohne dass die entscheidende Frage gestellt wird: Verbessert das das Leben? Oder verlängert es nur Leiden?"

Operationen abhängig vom Alter?

Der Kölner Krebsforscher Michael Hallek weist den Vorstoß von Hendrik Streeck zu einer Therapiebegrenzung für sehr alte Patientinnen und Patienten mit deutlichen Worten zurück. "Den Sinn einer Behandlung am Alter festzumachen, ist sachfremd. In der Medizin haben wir davon schon lange Abstand genommen", entgegnete Krebsforscher Michael Hallek im "Kölner Stadt-Anzeiger".

Was denken Sie über Streecks Vorschlag? Sollten 100-Jährige noch eine neue Hüfte bekommen? Wie vertragen sich solche Entscheidungen mit dem Grundgesetz? Welche Rolle spielen in der Debatte der Wert von Lebensjahren und der Wert eines einzelnen Lebens?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).

Gast: Prof. Dr. med. Giovanni Maio, Medizinethiker

Redaktion: Birgit Becker und Alina Eckelmann

Keine teure Medizin für alte Menschen?

WDR 5 Tagesgespräch 18.11.2025 45:35 Min. Verfügbar bis 18.11.2026 WDR 5


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