WDR 5 Tagesgespräch : Russische Drohnen im NATO-Gebiet – Wie sollten wir reagieren?
Mehr als ein Dutzend russische Drohnen im polnischen Luftraum. Kampfjets schießen etliche ab. Polens Ministerpräsident Tusk spricht von einer "direkten Gefahr", Verteidigungsminister Pistorius von "gezielten Provokation", Russland von einem "Versehen". Wie sollte die NATO reagieren?
Gemäß Artikel 4 der NATO hat Polen sich bereits mit seinen Verbündeten beraten, und wegen des Eindringens russischer Drohnen in seinen Luftraum auch eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates beantragt, der heute Nachmittag zusammen kommen will.
"Aggressiv und rücksichtslos" nannte Bundeskanzler Friedrich Merz das Vorgehen Russlands. "Russland hat Menschenleben in einem Staat gefährdet, der der Nato und der EU angehört", erklärte der CDU-Chef bereits am Mittwoch in Berlin. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete das Eindringen russischer Militärdrohnen in Polen als beispiellose Verletzung des Luftraums.
US-Präsident Trump äußerte sich zunächst nur mit einem kryptischen Post auf seinem sozialen Netzwerk Truth Social: "Was ist los mit Russland, dass es mit Drohnen den polnischen Luftraum verletzt? Nun geht's aber los!". Gestern schloß er vor Journalisten ein Versehen Moskaus nicht aus: "Es könnte ein Fehler gewesen sein", sagte er.
Auch in Deutschland kundschaften russische Drohnen Militärstützpunkte aus. Die New York Times berichtete unter Berufung auf westliche Nachrichtendienste, dass Bundeswehrstandorte überflogen würden – auch jene, in denen ukrainische Soldaten ausgebildet würden. US-Militärstützpunkte stünden ebenfalls auf der Spähliste.
Erst vor wenigen Tagen durchsuchten Spezialkräfte einen Frachter im Nord-Ostsee-Kanal. Der Verdacht: Die "Scanlark" diente als Basis für russische Spione, die wichtige Objekte mit Flugdrohnen ausspähen sollten.
Die neuerliche Eskalation bewertet der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen als Test und Einschüchterungsversuch, andere mutmaßen, dass Russland Schwachstellen in der Verteidigung der NATO sucht. Besorgnis erregt auch das heute begonnene gemeinsame Militärmanöver von Russland und Belarus. Es weckt Erinnerungen an 2021, als nach so einem Manöver der Angriff auf die Ukraine begann.
Wie sehr beunruhigt Sie die neue Eskalation? Fühlen Sie sich noch sicher? Wie sollte Deutschland, wie die NATO reagieren? Reichen da scharfe Worte? Glauben Sie, man müsse endlich "Kante zeigen" und wie sollte die dann aussehen? Fürchten Sie sich vor einer Ausweitung des Krieges? Hoffen Sie überhaupt noch auf ein Ende des Krieges?
Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).
Gast: Dr. Cornelius Friesendorf, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik
Redaktion: Chris Hulin und Gundi Große