Obdachlose Menschen, zerstörte Gebäude, keine Jobs: Syrien ist durch jahrelange Kämpfe ein Land im Ausnahmezustand. Doch Bundeskanzler Merz spricht von Rückführungen. "Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Es gibt jetzt keinerlei Gründe mehr für Asyl in Deutschland." Er hofft darauf, dass einige auch freiwillig in ihr Heimatland zurückgehen. Innenminister Dobrindt hält sich strikt an den Koalitionsvertrag und bereitet alles für Rückkehrungen vor. Denn das Asylrecht ist in erster Linie für Menschen da, die wegen Krieg, Verfolgung oder Bedrohungen flüchten müssen. Nicht für wirtschaftlich oder politisch unsichere Regionen.
Zweifel an schnellem Zurück
Außenminister Johann Wadephul hatte bei seinem jüngsten Besuch in Syrien ein schnelles Zurück in Frage gestellt: "Hier können wirklich kaum Menschen richtig würdig leben", sagte er. Für seine Worte hat die Union ihn kritisiert. Doch ein Zerwürfnis mit dem Kanzler hat er zurückgewiesen. "Da gab es überhaupt keine Differenz". Menschenrechtler warnen währenddessen vor Abschiebungen. Auch für Kinder sei die Lage noch unsicher, sagt UNICEF. Zu wenig Lebensmittel oder herumliegende Bomben würden weiter zu den Gefahren gehören.
Wie kann es weitergehen?
Als der Bürgerkrieg angefangen hat, konnten Syrer in Nachbarländern oder Deutschland Hilfe finden. Aber auch neue Freunde, Berufe, ein neues Leben. Und sind beispielsweise in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen in NRW fest etabliert. Seit einigen Jahren stehen Syrerinnen und Syrer durchgängig auf Platz Eins der am häufigsten eingebürgerten Nationalitäten im Land. Aktuell leben 287.940 Frauen und Männer mit syrischer Staatsangehörigkeit in Nordrhein-Westfalen, ein Großteil davon im Ruhrgebiet.
Kommt Ihnen die Debatte um Rückführungen zu früh? Oder ist jetzt der richtige Moment, weil das Asylrecht nicht mehr greift? Wie blicken Sie auf die politische Debatte? Glauben Sie, dass die Menschen freiwillig zurückgehen? Was sollte sie motivieren – und warum? Oder halten Sie es für falsch, jetzt jemanden aus dem gewohnten Umfeld zu reißen? Sind medizinische Fachkräfte im Heimatland dringender gebraucht? Was halten Sie von der Forderung, dass Fachkräfte jetzt mithelfen sollten, das Land wieder aufzubauen?
Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).
Gast: Borhan Akid, WDR-Journalist
Redaktion: Birgit Becker und Gundi Große