EU-Ziel mit Zugeständnis: Wer soll das Klima schützen?
Müll trennen, weniger Fliegen, Plastik vermeiden: Einzelne versuchen viel, um etwas zu verändern. Die Politik setzt auf weniger und schwächt künftige Klimaziele ab. Was halten Sie davon? Diskutieren Sie mit Energieökonomin Claudia Kemfert und Moderator Jürgen Wiebicke im WDR 5 Tagesgespräch!
Zusammenhalten, um etwas zu bewirken: Um die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden, hat sich die internationale Gemeinschaft ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Die Erderwärmung soll auf maximal 1,5 Grad reduziert werden. Zum Beispiel durch weniger Verkehr, mehr erneuerbare Energien und die Schutz von Wäldern.
Die Vereinten Nationen warnen jetzt allerdings – kurz vor der Weltklimakonferenz – vor einem massiven Anstieg der Erderwärmung. 2,8 Grad werden es, wenn nicht deutlich mehr passiert. Und zwar schnell. Damit ist aber nicht das Wirken einzelner gemeint, es muss auf ganz großer Ebene etwas passieren.
EU setzt auf weniger statt mehr Klimaschutz
Doch die EU-Umweltminister möchten die künftigen Klimapläne runterschrauben, statt sie zu verschärfen. Konkret heißt das: Der Ausstoß von Treibhausgasen soll in den kommenden Jahren um 90 Prozent im Vergleich zu 1990 sinken – dabei ist allerdings der Kauf von Klimazertifikaten möglich. Sprich: EU-Länder müssen nicht selbst – auf eigenem Boden – die vollen 90 Prozent einsparen, sondern können im Ausland Klimaprojekte unterstützen. Das wird dann verrechnet. Konkret müssen die EU-Länder also weniger Emissionen einsparen als geplant.
Vor der Weltklimakonferenz
Heute und morgen treffen sich die Staats- und Regierungschefs, um über die künftigen Leitlinien der globalen Klimapolitik zu sprechen. Sie wollen mit klaren Vorgaben bei der Weltklimakonferenz COP in Brasilien erscheinen, wenn es am kommenden Montag losgeht. Die EU zählt nach den USA, China und Indien zu den weltweit größten Verursachern von Treibhausgasen. Gleichzeitig zählt sie zu den ehrgeizigsten Akteuren im Klimaschutz, da sie entschlossen daran arbeitet, ihre eigene Klimabilanz zu verbessern. Seit 1990 konnten die EU-Mitgliedsstaaten ihre Emissionen bereits um 37 Prozent reduzieren.
Was halten Sie von den Kompromissen in der EU-Klimapolitik? Kann Klimaschutz in Ihren Augen pragmatisch ablaufen? Oder sollten die Pläne polarisieren, um zu funktionieren? Wie hoch ist der Handlungsdruck, wenn wir auf 2,8 Grad Erderwärmung zusteuern? Wie kann guter Schutz gelingen? Wer ist jetzt wie gefordert? Und was glauben Sie: Warum ist es so schwierig Konsens zu finden? Warum fällt der Politik Klimaschutz so schwer?
Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555).
Gast: Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert
Redaktion: Birgit Becker und Valentina Dobrosavljević