Mittlerweile ist es über 30 Jahre her, dass die SG Wattenscheid 09 ihre wohl erfolgreichste Zeit erlebte. Von 1990 bis 1994 spielte der Verein in der Fußball-Bundesliga, traf auf Bayern München, Borussia Dortmund oder den Lokalrivalen VfL Bochum und gehörte vier Jahre lang zur höchsten deutschen Spielklasse.
Absturz und Neustart bei Wattenscheid 09
25 Jahre später folgte der Tiefpunkt. Im Jahr 2019 musste der Verein Insolvenz anmelden, sich aus dem Spielbetrieb zurückziehen und einen Neustart beginnen – weit entfernt vom Profifußball. Der Verein musste sich neu sortieren. Finanziell, sportlich, strukturell. Aus Bundesliga-Erinnerungen wurden Oberliga-Auswärtsfahrten und aus großen Namen wurden Existenzfragen.
Jetzt – sechs Jahre später ist diese Zeit noch nicht vergessen, aber sie bestimmt nicht mehr alles. Die SG Wattenscheid 09 ist aufgestiegen, spielt wieder Regionalliga und profitiert von dem sanierten Lohrheide-Stadion, das besser zu dem passt, was der Verein in Zukunft wieder sein möchte - ein ernstzunehmender Standort im Ruhrgebietsfußball.
"Sprungbrett-Verein" für talentierte Spieler
"Ziel wäre mit dem Verein in zwei, drei Jahren oben in der Regionalliga mitspielen zu können", sagt Ertan Ilce, Vorstandsvorsitzender der SG Wattenscheid 09 im Gespräch mit dem WDR. Allerdings weiß Ilce auch, dass es wichtig ist, sich finanziell zu etablieren. Dieses Ziel möchte er mit vielen neuen Investoren und mit der Entwicklung der SGW zu einem "Sprungbrett-Verein" für talentierte Spieler erreichen.
"Dass wir dauerhaft 4.000 Zuschauer pro Spieltag haben, werden wir nicht hinkriegen", sagt Ilce. Diese beachtliche Zahl kam in der vergangenen Saison beim Oberliga-Duell mit Lippstadt zustande. Aber dank der Sanierung "ist das Stadion komplett überdacht, vielleicht werden es jetzt 800 bis 1.000".
Das Lohrheidestadion ist regelmäßig Wettkampfbühne für Top-Leichtathleten - wie etwa bei den FISU World University Games 2025.
Die Sanierung des Stadions beruht jedoch auf dem Leichtathletikverein TV Wattenscheid 01, welcher in Deutschland zu einem der Größten gehört und eine Leichtathletikanlage auf Spitzenniveau bekommen sollte. Die SG ist in diesem Falle der Nutznießer und profitiert von neuen Tribünen, neuen Bedingungen und einem modernen Umfeld. Ein wichtiger Schritt für die Entwicklung des Vereins. Allerdings gewinnt ein Stadion keine Spiele. Aber es kann die Stimmung, das Selbstverständnis und vielleicht die Wahrnehmung von außen verändern. Auch für viele Fans ist dies ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zurück zu der alten Zeit.
"Wir sind uns der Verantwortung bewusst. Ich rede nicht über Druck, sondern lieber über Verantwortung der Tradition und der Fans gegenüber", sagt Ilce.
Herausforderung Regionalliga für die SG Wattenscheid
Mit dem Aufstieg beginnt für die SG jedoch die nächste sportliche Herausforderung. In der Regionalliga West warten weitere Traditionsvereine, ambitionierte Zweitvertretungen und ein insgesamt höheres sportliches Niveau. Entsprechend stellt sich die Frage, mit welchen Zielen der Verein in die neue Saison geht.
Für uns geht es natürlich erstmal darum, die Klasse zu halten und um intensiven, mutigen Fußball zu spielen. Ertan Ilce, Vorstandsvorsitzender der SG Wattenscheid
Zunächst gehe es darum, die Klasse zu halten und dabei mutigen Fußball zu zeigen, so Ilce. Ein wichtiger Faktor wird dabei auch die Zusammensetzung der Mannschaft sein. Der Kader hat sich mittlerweile schon verändert, weitere Verstärkungen sind nötig. Ertan Ilce sind aber nicht nur die Qualitäten wichtig: "Klar ist, dass wir noch drei gute Transfers brauchen. Wir brauchen aber auch Spieler, die wirklich für Wattenscheid spielen wollen und nicht für das Geld. Die es wertschätzen vor Fans zu spielen."
Langfristige Perspektiven beim Traditionsverein
Souleyman Sané, Vater des deutschen Nationalspielers Leroy Sané, war in der Bundesliga mit 39 Treffern bester Stürmer der SG Wattenscheid.
Die SG Wattenscheid 09 ist ein Traditionsverein mit vielen Fans, die bis heute immer noch den glorreichen Zeiten aus dem Profi-Fußball hinterher trauern. Ertan Ilce sorgt dabei für Hoffnung: "Ziel für uns ist Profi-Bedingungen zu schaffen. Da müssen wir hinkommen und ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg." Und ergänzt das noch mit der Aussage, wovon alle SGW-Fans träumen: "Ich kann mir schon vorstellen mit dem Verein dritte Bundesliga zu spielen."
Welche Hürden bleiben?
Trotz der positiven Entwicklung stehen dem Verein weiterhin große Herausforderungen bevor. "Es ist noch ein langer Weg", sagt Ilce. Nicht nur die Spieler müssen ihre Leistungen der höheren Liga anpassen. Der Verein muss sich auch strukturell weiterentwickeln: "Wir müssen in jedem Bereich besser werden und dann werden wir auch den Verein besser machen."
Die Insolvenz hat Spuren hinterlassen. Der Aufstieg, die Stadionsanierung und die neue Aufbruchsstimmung zeigen aber – Wattenscheid 09 lebt und hofft auf eine stabile Zukunft.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Ertan Ilce, Vorstandsvorsitzender der SG Wattenscheid 09
Sendung: WDR.de, "Aufbruchstimmung bei Regionalliga-Aufsteiger SG Wattenscheid", 23.06.2026, 18:07 Uhr