Den Moment, in dem Gabriel Goldsack Lionel Messi die Hand gab, wird er wohl nie vergessen. Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft hatte Goldsack, der aus Argentinien kommt und heute in Köln lebt, den Weltfußballer getroffen. Dessen Unterschrift war die letzte, die Fan Goldsack in seiner Sammlung noch fehlte.
Argentinien-Fan Gabriel Goldsack (r.) und sein Opa.
Gut zweieinhalb Jahre lang war er gemeinsam mit seiner Frau um die Welt gereist, um die Unterschriften aller argentinischer Nationalspieler auf einem Duplikat des Weltmeisterpokals zu sammeln. Dieses Projekt startete der 34-Jährige zu Ehren seines Großvaters, dem "größten Argentinien- und Messi-Fan aller Zeiten", wie Goldsack sagt.
Mit Gott über Messi sprechen
Sein Großvater, Jorge Enrique Goldsack Pastor, starb 2021, kurz bevor Messi mit Argentinien die Copa América gewann. Immer wieder habe er sich darüber beschwert, dass Messi nie einen wichtigen Titel mit dem Nationalteam gewonnen habe, und angekündigt, nach seinem Tod darüber "mit Gott zu sprechen, um das zu lösen", so Goldsack.
Als der Wunsch seines Großvaters nun tatsächlich wenige Monate nach seinem Tod in Erfüllung ging, suchte Goldsack eine Möglichkeit, ihn zu ehren. Zuerst habe er an ein Trikot oder eine Fahne voller Unterschriften gedacht, doch "ich wollte etwas machen, das es so im Fußball noch nicht gegeben hat".
Pokal besorgt und Nationalspieler abgeklappert
Im Internet sei er dann auf eine argentinische Künstlerin gestoßen, die hochwertige Repliken des WM-Pokals anfertigte. "Eine Replik des WM-Pokals mit allen Unterschriften des argentinischen Teams gab es im Fußball noch nie", so Goldsack. Also besorgte er sich ein Exemplar.
Mit dem machte er sich seit 2024 gemeinsam mit seiner Frau regelmäßig auf den Weg zu den Vereinen der argentinischen Nationalspieler, egal ob in die USA, Europa oder Südamerika. Meistens habe es mit den Unterschriften am Rande eines Trainings geklappt, so Goldsack.
Fußball mehr als nur ein Spiel
Marcos Acuna (l.) unterschreibt den WM-Pokal von Argentinien-Fan Gabriel Goldsack.
Der Fußball habe ihn nicht nur mit seinem Großvater verbunden: "Für uns in Argentinien ist der Fußball eine Karthasis, eine Möglichkeit, abzuschalten." Schon früher und auch heute noch gebe es in seinem Heimatland viele ökonomische und soziale Probleme.
"Der Fußball ermöglicht es, für eine Zeit lang alles zu vergessen. Deshalb leben ihn die Menschen in Argentinien mit so viel Leidenschaft", so Goldsack. "Natürlich erwarten dich deine Probleme auch nach dem Spiel noch. Aber während das Spiel läuft und du zuschaust, schreist und singst, lebst du nur dieses Spiel und nichts anderes."
Mit der Unterschrift von Superstar Messi hat sich für Goldsack nun ein Kreis geschlossen. Er sei ganz bodenständig und freundlich aufgetreten, habe sich ihm gegenüber sogar vorgestellt. Den Pokal voller Unterschriften möchte Goldsack bald zu seinem Bruder nach Spanien bringen, damit er dort neben der Urne seines Großvaters stehen kann. Erstmal liegt der Fokus nun aber auf der WM, bei der Argentinien das Viertelfinale erreicht hat.
Dem sieht Goldsack mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Eigentlich habe er nämlich gerade Tickets für das Spiel gegen die Schweiz in der Nacht zu Sonntag gewonnen, könne so schnell aber nicht nach Kansas fliegen. Deswegen werde er die Partie nun wie gewohnt in Köln verfolgen.
Dass der Anpfiff schon um 3 Uhr morgens deutscher Zeit sein wird, spielt dabei keine Rolle. "Wir haben hier eine Freundesgruppe mit Menschen aus Argentinien und schauen die Spiele immer zusammen. Ich denke wir werden beim Viertelfinale so sechzig oder siebzig Leuten sein."
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Gabriel Goldsack
Sendung: WDR.de, "Argentinien-Fan Gabriel Goldsack über seinen Großvater - "Er wäre beeindruckt", 10.07.2026, 11:47 Uhr